Heidenheim Ehrenamt: Was treibt Selina Ergen an?

Eine Runde Tischkicker gefällig? Selina Ergen ist da schon mal dabei, wenn die Jugendlichen sie herausfordern.
Eine Runde Tischkicker gefällig? Selina Ergen ist da schon mal dabei, wenn die Jugendlichen sie herausfordern. © Foto: Manuela Wolf
Heidenheim / Manuela Wolf 03.02.2019
Während überall freiwillige Helfer fehlen, wurde Selina Ergen kürzlich für ihr Engagement in der Jugendarbeit geehrt. Was treibt die junge Frau an?

Viel mehr als Worte sagen Selina Ergens dunkelbraune Augen. Während die 23-Jährige von ihren Aufgaben beim Evangelischen Jugendwerk Heidenheim erzählt, liegt so viel Herzlichkeit und Begeisterung in ihrem Blick, dass sich die Frage nach dem Warum eigentlich erübrigt. Trotzdem ringt sie mit sich selbst um eine Antwort. „In erster Linie ziehe ich meine Motivation fürs Ehrenamt aus der Freude der Menschen, für die ich mich engagiere“, sagt sie.

Ob Skifreizeit, Mädchen-Jungscharlager oder lange Filmnacht, vergnügte Teenie-Gesichter bestätigten ihr die Sinnhaftigkeit ihres Tuns. Außerdem sei das Organisations-Team über die Zeit zu einer Art Familie zusammengewachsen, wo sich jeder mit seinen Stärken einbringe und dafür große Wertschätzung erfahre: „Mein Freundeskreis besteht inzwischen fast ausschließlich aus Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Ehrenamt ist ein Teil meines Lebens.“

Erst ein soziales Jahr

Selina Ergen ist aufgewachsen in Steinheim als eines von vier Geschwistern, der Vater hat türkische Wurzeln und arbeitet im technischen Bereich, die Mutter ist bei der Arbeitsagentur beschäftigt. Sport und Musik begleiteten das Mädchen durch Kindheit und Jugend, sie spielte Fußball und Klavier, trainierte Leichtathletik und Schwimmen. Nach dem Abitur am Max-Planck-Gymnasium 2014 bewarb sie sich auf Anraten ihres Onkels um ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Evangelischen Jugendwerk. Von da an waren die Weichen gestellt.

Veranstaltungen planen, Teamarbeit, Mitarbeiter ausbilden, Begleitperson sein für Skiausfahrt und Mädchen-Jungscharlager und bei alledem immer ein Auge und ein Ohr haben für die Kinder, die das gerade brauchen – das war von Anfang an ihr Ding. Im Anschluss begann sie an der evangelischen Hochschule in Ludwigsburg ein Studium. Studiengang, natürlich, soziale Arbeit.

Im Februar sind Prüfungen. Was danach kommt, ist ungewiss. „Ich bin auf Jobsuche, aber hier in der Gegend gibt es momentan keine freien Stellen. Natürlich schaue ich mich auch in der Umgebung um und bin bereit, zu pendeln. Wegziehen kommt für mich aber nicht in Frage. Meine Heimat ist hier.“ Gemeinsam mit ihrem Freund lebt sie in der Heidenheimer Stadtmitte, auch er ein Ehrenamtlicher übrigens.

Selina Ergens Begeisterung fürs Ehrenamt rührt aus der Zeit, in der sie selbst die Jungschar in Steinheim besuchte. Dort fühlte sie sich „immer gut aufgehoben“. Gemeinschaft machte ihr Spaß, Interessen teilen, füreinander da sein, das Zwischenmenschliche war ihr wichtig, Wärme und Nähe statt Einzelkämpfer-Mentalität.

Während viele Teenies ihre Hobbys irgendwann vernachlässigen und mit Erwachsenwerden beschäftigt sind, half die junge Frau wie selbstverständlich mit bei der Organisation der Dorffreizeit, bei der Leitung von Gruppen. Sie war schon damals überzeugt: Das Konzept Jungschar ist richtig und wichtig. Dort finden Jugendliche Anschluss, einen familiären Rahmen und auch Vorbilder, an denen sie sich orientieren können.

Dass sie inzwischen selbst Vorbild ist, macht die Studentin stolz. „Man hat viel Verantwortung, wenn man mit Jugendlichen zusammen ist. Man muss immer darauf achten, was man macht oder sagt. Mir gefällt der Gedanke, Verantwortung zu haben, das stärkt doch auch die eigene Persönlichkeit“, sagt sie.

Und eben diese starke Persönlichkeit, die war der Stadt Heidenheim nun eine Auszeichnung wert. Beim Bürgerempfang zu Jahresbeginn wurde Selina Ergen von Oberbürgermeister Bernhard llg ausgezeichnet: „Sie ist ein Vorbild für Toleranz und Integration, wie es in diesen Tagen wichtig ist.“

Quer durch die Bank fehlt es landauf, landab an freiwilligen Helfern. Die Diskussion um eine finanzielle Entlohnung der Ehrenamtlichen kann Selina Ergen trotzdem nicht nachvollziehen: „Ehrenamt ist doch schon jetzt attraktiv. Es ist so vielseitig wie das Leben selbst und man bekommt so viel mehr zurück als man gibt“, sagt sie. Handwerklich begabte Menschen fänden hier eine sinnvolle Aufgabe ebenso wie solche, die sich gerne mit Technik beschäftigen, andere stünden lieber im Rampenlicht. Sie selbst singe gerne und habe eine kreative Ader, die sie im Evangelischen Jugendwerk beispielsweise bei der Gestaltung von Flyern und Plakaten ausleben könne.

An was es aber in diesem Bereich fehle, sei Wertschätzung, Anerkennung und Unterstützung. Dank von offizieller Stelle wie beim Bürgerempfang sei wichtig und mit Geld nicht aufzuwiegen: „Ich freue mich immer noch über die Auszeichnung. Bei der Veranstaltung habe ich einen Bekannten getroffen. Er hat mir gratuliert und gesagt, dass es Menschen wie mich braucht. Tat gut, das zu hören.“

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