Heidenheim Schulterschluss für die Innenstadt

Freitag, Mittagszeit: In der Fußgängerzone herrscht gähnende Leere, auch weil es hier wenig attraktives gibt.
Freitag, Mittagszeit: In der Fußgängerzone herrscht gähnende Leere, auch weil es hier wenig attraktives gibt. © Foto: Chritian Thumm
Heidenheim / Andreas Uitz 08.02.2019
Stadtverwaltung und Händler sorgen sich um die Attraktivität der Heidenheimer Hauptstraße und wollen gemeinsam handeln. Kurz- und längerfristige Veränderungen sollen die Situation verbessern.

Erst kürzlich diskutierte der Gemeinderat über den unbefriedigenden Zustand der Fußgängerzone. Die nämlich strahlt nicht gerade große Attraktivität aus, die Aufenthaltsqualität hält sich in Grenzen – das ist auch daran erkennbar, dass der gewünschte Strom des Publikums zu vielen Zeiten eher tröpfelt als fließt.

Dessen ist sich der Gemeinderat ebenso bewusst wie die Stadtverwaltung, allen voran Oberbürgermeister Bernhard Ilg. Und auch die Händler sind schon seit längerer Zeit der Ansicht, dass dringend etwas passieren muss. Während einige Mitglieder des Gemeinderats frank und frei bekannten, keine zündende Ideen für Veränderungen zu haben, gibt es erste Ergebnisse aus einem Runden Tisch, an dem Verwaltung und die Händlervereinigung HDH im vergangenen Herbst Platz genommen hatten.

Liste mit Vorschlägen

Dabei hatten Vertreter des HDH eine Liste mit Vorschlägen übergeben mit Problemen, die deren Ansicht relativ schnell behoben werden könnten. Die Idee dahinter: Mehr Aufenthaltsqualität schaffen und wieder mehr Menschen in die Fußgängerzone bringen. Dass für eine attraktivere Innenstadt nicht die Verwaltung allein verantwortliche sein kann, sondern auch Handel und Gastronomie gute Angebote machen müssen, ist dem HDH-Vorsitzenden Charles Simon dabei durchaus bewusst.

Wünsche werden abgearbeitet

Von Seiten der Stadt war den Händlern zugesagt worden, einen Teil des Wunschkatalogs möglichst schnell abzuarbeiten. Dabei geht es in erster Linie um kleinere Veränderungen, die aus Sicht aller schon etwas bewirken können. Rathausintern wird in einer Arbeitsgruppe an einigen Punkten gearbeitet: Stadtmöblierung und Kinderspielgeräte, Pflanz- und Blumenkonzept, Beleuchtungskonzept, Pollerlösung für Verkehrsberuhigung, Sauberkeit während und nach Großveranstaltungen, digitale Möglichkeiten und Möglichkeiten zur Ansiedlung von Einzelhandel und Gastronomie. Die ersten Zwischenergebnisse oder auch schon Beschlüsse zu diesen Punkten will die Stadt beim nächsten Runden Tisch mit dem HDH im März präsentieren.

Zum Großteil sind das sicherlich eher kleinere und weniger teure Veränderungen, doch auch sie sollen dazu dienen, die Stadt attraktiver zu machen. Größere gestalterische Neuerungen für die Fußgängerzone sind darin nicht enthalten. Dass es auch dahingehende Überlegungen gibt, bestätigt OB Bernhard Ilg. Ganz grob formuliert gehe es darum, die Erreichbarkeit der Fußgängerzone zu erhöhen: „Das Ploucquet-Areal, der Bereich um die Stadtbibliothek und der Rathausplatz müssen gestalterisch mehr Richtung Hauptstraße gebracht werden. Wir müssen den Rathausplatz formen und mit den anderen Bereichen, auch dem Willy-Brandt-Platz verzahnen“, so Ilg.

Planung spätestens 2020

Doch all das hänge im Wesentlichen von der geplanten Neugestaltung des Rathausplatzes ab, der nach Fertigstellung der Sanierung der Rathaus-Fassade ansteht, also 2022. Doch mit der Planung für den Platz und das Umfeld mit Grabenstraße und einer Öffnung hin zur Hauptstraße soll Ilg zufolge schon früher, nämlich spätestens 2020 begonnen werden. „All diese Veränderungen greifen ineinander“, so der OB. Sollten sich abseits dieser Planungen Möglichkeiten ergeben, städtebauliche Veränderungen in diesen Bereichen anzugehen, werde man diese auch angehen – die finanziellen Mittel vorausgesetzt. Das Ziel all dieser Überlegungen ist klar: „Die Hauptstraße braucht dringend etwas, wofür es sich lohnt, dort hinzugehen.“

Einen Realsierungswettbewerb für die Erneuerung der Fußgängerzone hält Ilg für unabdingbar. „Der ist notwendig, aber zuvor müssen wir unsere Ziele und Vorstellungen klar definieren und festlegen, worum es in dem Wettbewerb gehen soll.“ Diese Dinge in Absprache mit dem Handel zu erörtern, hält der OB für sinnvoll.

HDH will schnell handeln

Der Vorstand des HDH will darüber hinaus auch das seine beitragen, um die Situation zu verbessern. „Wir wollen versuchen, kurzfristig mit optischen Aspekten etwas verändern, die Menschen müssen sehen, dass wir uns Gedanken machen und dass etwas geschieht“, sagt der Vorsitzende der Händlervereinigung, Charles Simon. Deshalb sei man derzeit im Gespräch mit einer Beratungsfirma, die in solchen Dingen sehr etabliert ist. „Wir würden sie gerne als Sachverständige mit ins Boot holen“, so Simon. Bestenfalls könnten die Kosten für diese Beratung gemeinsam mit der Stadt und den Schloss-Arkaden getragen werden.

Mindestens genauso wichtig sei es allerdings, die Händler zum Mitmachen zu bewegen – und das sei nicht immer einfach. „Wir können Fahrräder in die Läden stellen, aber radeln muss jeder selber“, so Simon. Jeder einzelne könne dazu beitragen, die Fußgängerzone attraktiver zu machen. „Was wir als HDH tun können, das werden wir tun“, betont der Vorsitzende. Das größte Problem in der Innenstadt seien jedoch manche Hausbesitzer. „Einige lassen ihre Gebäude vergammeln und die Leerstände sind ihnen egal“, bemängelt Simon. Doch die Stadt und und die Händler seien dagegen völlig machtlos.

Die SPD plant eine Bürgerwerkstatt

Auch die SPD beschäftigt sich mit der Attraktivität der Fußgängerzone. „Die Innenstadt und deren Belebung ist Dreh- und Angelpunkt für unser Ziel, die Stadt lebens- und liebenswert zu erhalten“, so der Orts- und Kreisvorsitzenden Dr. Florian Hofmann. Die jüngste Diskussion im Heidenheimer Gemeinderat habe gezeigt, dass dieses Schlüsselthema für Heidenheim eine breitere Öffnung braucht.

„Wir brauchen nicht noch eine Studie und noch ein Gutachten, die uns präsentieren, was wir schon wissen“, so Hofmann, „wir müssen überlegen, was wir daraus machen“.

Deshalb veranstaltet die SPD eine Bürgerwerkstatt zum Thema Innenstadtbelebung, bei der sich all diejenigen einbringen können, die es betrifft und die es angeht: die Heidenheimer Bürger.

Die Bürgerwerkstatt findet am Samstag, 16. März, ab 14.30 Uhr im Eugen-Loderer-Zentrum statt. „Mit diesen Bürgerwerkstätten haben wir in der Vergangenheit sehr gute Erfahrungen gemacht“, erläutert Rudi Neidlein, Fraktionsvorsitzender der SPD im Gemeinderat. Für die Themen Fahrradfahren in Heidenheim, ÖPNV und Gestaltung Bahnhofbereich Schnaitheim seien auf diesem Wege sehr gute Lösungsansätze erarbeitet worden.

Neidlein ist sich sicher, dass dies umso mehr für den Bereich Innenstadt gelten wird, zumal das Interesse der Bürgerschaft hieran sehr hoch ist.

Moderiert wird die Bürgerwerkstatt erneut von Ingrid Katz-Hofelich, die auch die vergangenen Bürgerwerkstätten begleitet hat. „Gemeinsam schaffen wir es sicher, Leben in die schon in die Jahre gekommene Diskussion zu bringen und sinnvolle und umsetzbare Ideen zu entwickeln“, so Hofmann und Neidlein unisono. Denn den Heidenheimer Bürgern liege ihre Innenstadt schließlich sehr am Herzen.

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