Heidenheim Bis zu 150 Euro: Schule schwänzen wird teurer

Einfach mal ein paar Tage vor Ferienbeginn in den Urlaub oder später zurückkommen? Das ist für schulpflichtige Kinder nicht nur verboten sondern kann auch richtig teuer werden.
Einfach mal ein paar Tage vor Ferienbeginn in den Urlaub oder später zurückkommen? Das ist für schulpflichtige Kinder nicht nur verboten sondern kann auch richtig teuer werden. © Foto: petunyia/ stock.adobe.com
Heidenheim / Andreas Uitz 18.07.2018
In allen Schulen des Landkreises Heidenheim werden künftig die gleichen Geldbußen erhoben, wenn Schüler unentschuldigt im Unterricht fehlen.

Einfach mal blau machen, morgens liegen bleiben, den Unterricht Unterricht sein lassen. Das kommt immer wieder vor. Doch nach wie vor gilt die Schulpflicht, und das bedeutet, dass beim Fehlen im Unterricht begründete Entschuldigungen vorzulegen sind, sonst redet man ganz einfach vom Schwänzen.

Mit dieser Thematik haben sich die Heidenheimer Schulleiter gemeinsam mit Mitarbeitern der Stadtverwaltung, des Landratsamts, der Stadt Giengen, der Polizei und Jugendrichter Jens Pfrommer bei einem Treffen auseinandergesetzt. Ziel dieser Besprechung war, eine einheitliche Vorgehensweise zu finden, mit der unentschuldigtes Fehlen vom Unterricht geahndet werden soll – und zwar über kommunale Grenzen und alle Schularten hinweg. Bislang gab es teils individuelle Regelungen, was teisl zu Verwirrungen geführt hat.

Gespräche an erster Stelle

Nach wie vor soll es so sein, dass Gespräche von Seiten der Schule mit Schülern und Eltern beim unentschuldigten Fernbleiben vom Unterricht geführt werden. Sollte das jedoch nicht fruchten, gibt es die Möglichkeit, Bußgelder zu verhängen. „Nach den Erfahrungen der Polizei hat jede kriminelle Karriere mit Schulschwänzen begonnen“, so der städtische Pressesprecher Wolfgang Heinecker.

Häufiges unentschuldigtes Fehlen sei auch ein Zeichen für beginnende Verwahrlosung. Um dem entgegenzuwirken, haben sich die Verantwortlichen bei dem Treffen darauf verständigt, dass die Bußgelder, die fürs Fehlen im Unterricht verhängt werden können, erhöht und angepasst werden.

Demzufolge werden alle strafmündigen Schüler ab 14 Jahre mit einer Geldbuße bestraft, die bei 25 Euro pro Fehltag liegt.

Ab fünf Fehltagen soll die örtliche Bußgelstelle von der Schule informiert werden, die dann Bußgeldbescheide verschickt.

Mit der Höhe der Geldbußen soll erreicht werden, dass Schulschwänzer nicht einfach mit dem Taschengeld bezahlen können, sondern, sollten sie nicht zahlen können, eine Arbeitsauflage erhalten. Die Erziehungsberechtigten sollen nicht mehr automatisch mitverfolgt werden, sondern nur in Einzelfällen.

Fehlen strafunmündige Schüler unter 14 Jahren unentschuldigt im Unterricht, müssen die Eltern pro Tag ebenfalls 25 Euro bezahlen. Sollten sie das nicht nicht tun, kann der Antrag auf Erzwingungshaft gestellt werden.

Und auch mit einem anderen, immer wieder auftretenden Phänomen haben sich die Schulleiter befasst: Der unerlaubten Ferienverlängerung.

Nicht selten hängen Eltern mit ihren Kindern vor oder nach den Ferien ein paar Tage dran, um vielleicht günstiger buchen zu können. Zwar besteht grundsätzlich die Möglichkeit, derartiges bei der Schulleitung zu beantragen, liegt jedoch keine Erlaubnis vor, ist das Fehlen illegal. Erst jüngst kontrollierte die Polizei in Bayern nach Ferienende wieder an Flughäfen, um zu sehen, ob schulpflichtige Kinder noch verreist sind.

Ferien verlängern ist teuer

„Auch in Heidenheim werden immer wieder die Ferien unerlaubt verlängert“, so Heinecker: „Wenn dann in einer Entschuldigung die Oma zum fünften Mal kurz vor den Ferien gestorben ist, ist das seltsam.“ Deshalb wurden auch für die „Ferienverlängerung“ einheitliche Bußgelder für den Kreis festgelegt: Die Erziehungsberechtigten müssen 150 Euro pro Fehltag bezahlen.

Die Bußgeldbescheid werden freilich nicht von den Schulen selbst ausgestellt. Vielmehr leiten diese die Fehlzeiten an die Untere Verwaltungsbehörde (Bußgeldstelle), also an die Stadt Heidenheim, Giengen oder den Landkreis weiter. Doch sind die Bußgelder unabhängig von verwaltungsrechtlichen Verfahren, bei dem Zwangsgelder verhängt werden können oder Schulschwänzer von der Polizei in die Schule gebracht werden.

Mehrere Eskalationsstufen

Grundsätzlich soll es bei unentschuldigtem Fehlen auch weiterhin mehrere Eskalationsstufen geben. Die neue jetzt beschlossene Regelung wird daran nichts ändern, sondern zunächst verwaltungsintern für eine Vereinheitlichung sorgen. Das bedeutet, dass auch in Zukunft nicht beim ersten unentschuldigten Fehlen Bußgeldbescheide verschickt werden, sondern erst bei Häufungen.

Im vergangenen Jahr gab es bei der Stadt Heidenheim insgesamt 82 derartige Fälle, sogenannte Schulversäumnisanzeigen. 2016 wurden 106 Fälle aktenkundig, im laufenden Jahr waren es bis Ende Juni schon 76.

Fehlen Kinder oder Jugendliche Schüler häufiger unentschuldigt im Unterricht, liegt es zunächst bei der Schule, mit Schülern und Eltern in Kontakt zu treten und das Gespräch zu suchen.

Wenn pädagogische Maßnahmen nichts nutzen, kann die Schule sich an die Rechtsabteilung wenden, die die Schulpflichtverletzung als Ordnungswidrigkeit verfolgen, Schulzwang anwenden oder ein Zwangsgeld verhängen kann.

Diese Maßnahmen sollten jedoch am Ende der Eskalationsstufen stehen. Vor dem Eklat gibt es eine Anzahl anderer Möglichkeiten, die dazu dienen sollen, dass die Schulpflicht nicht verletzt wird.

Schulpflichtig sind in Baden Württemberg alle Kinder und Jugendlichen bis 18 Jahren. Die Schulpflicht umfasst auch die Berufsschulpflicht.

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