Heidenheim Modernes Pop-Oratorium mit Gesellschaftskritik

Eineinhalb Jahre hat der Chor unter Leitung von Norbert Rohlik für die Aufführung des Schöpfungsoratoriums geprobt.
Eineinhalb Jahre hat der Chor unter Leitung von Norbert Rohlik für die Aufführung des Schöpfungsoratoriums geprobt. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Kathrin Schuler 10.10.2018
Der Chor der Dreifaltigkeitsgemeinde bringt am Samstag ein modernes Stück auf die Bühne, das die Entstehung der Welt thematisiert – und was der Mensch aus ihr gemacht hat.

Wer die älteste Geschichte der Welt erzählen will, braucht einen neuen Dreh, damit es am Ende kein alter Hut wird – und von einem alten Hut kann in diesem Fall keineswegs die Rede sein: Der Chor der Heidenheimer Dreifaltigkeitsgemeinde führt das moderne Schöpfungsoratorium „Und dann war Licht“ von Thomas Gabriel und Eugen Eckert auf – und will damit keine Lobhudelei auf die Schöpfung betreiben, sondern vielmehr wachrütteln.

In sieben Tagen die Welt erschaffen

„Aufgebaut ist diese moderne Version ganz ähnlich wie das Schöpfungsoratorium von Haydn“, erklärt Chorleiter Norbert Rohlik. Joseph Haydns Schöpfungsoratorium ist die bekannteste Vertonung der biblischen Schöpfungsgeschichte. Dabei steht am Anfang das Nichts. Aus dem Chaos erschafft Gott Himmel und Erde, Sonne und Mond, trennt die Wasser darunter von den Wasser darüber, bevölkert die Erde mit zahlreichen Lebewesen – und ganz zum Schluss formt er den Menschen.

Doch den Lobgesang der Erzengel, wie man ihn aus Haydns Oratorium kennt, sucht man bei dem modernen Pop-Oratorium, das der Chor der Dreifaltigkeitsgemeinde probt, vergeblich: „Es ist vielmehr eine Gesellschaftskritik“, sagt Rohlik.

Die Botschaft falsch verstanden

Denn der Schöpfung gegenüber steht das, was der Mensch mittlerweile daraus gemacht hat: Krieg, Umweltverschmutzung, Artensterben, die Privatisierung von Wasser, Massentierhaltung und Gewalt statt des gottgewollten friedlichem Miteinander.

Der Text, den der evangelische Theologe Eugen Eckert zu der Musik von Thomas Gabriel verfasst hat, habe Rohlik von Anfang an fasziniert: „Der geht einem dermaßen unter die Haut, so eindringlich ist die Botschaft.“ Denn es geht letztlich darum, wie falsch der Mensch die Botschaft Gottes, sich die Erde untertan zu machen, verstanden hat.

Kirchenmusik wäre bei dieser Art von Texten daher auch unangebracht: „Die Musik ist rhythmisch, rockig und modern“, erklärt Norbert Rohlik. Die rund 50 Sänger des Chors, die von Beginn an Feuer und Flamme für diese besondere Aufführung gewesen seien, werden darum auch von einer Band begleitet, die Rohlik eigens zusammengestellt hat.

Ein weiblicher Prophet

Neben dem dreistimmigen Chor mit Sopran, Alt und Männerstimme übernimmt außerdem die bekannte Heidenheimer Sängerin Iris Trevisan eine der tragenden Rollen in der Aufführung: Sie singt die Prophetin.

Noch etwas, dass das Schöpfungsoratorium nach dem Text von Eugen Eckert sowohl von der Bibel selbst als auch von anderen Vertonungen und Inszenierungen unterscheidet: „Der Prophet ist sonst nie weiblich“, sagt Norbert Rohlik. Doch in dieser Fassung sei das explizit so vorgesehen. Gleichberechtigung ist insgesamt ein Thema, auf dass das Schöpfungsoratorium pocht: Mann und Frau werden nicht nur einander ebenbürtig, sondern in dieser Version auch gleichzeitig erschaffen.

Lichtinszenierung und Videos

Die zweite tragende Solo-Rolle, nämlich die des Erzählers, übernimmt der Gerstetter Sänger Alex Szabo. Dabei musste der Chor eineinhalb Wochen vor der Aufführung noch einmal kurzfristig umdisponieren: „Die ursprüngliche Besetzung ist leider ausgefallen – aber so ist das bei Musikern eben manchmal“, meint Rohlik. Dafür sei bei den Proben bislang alles glatt gelaufen und die Solisten und der Chor harmonierten miteinander.

Damit die Botschaft, die der Chor vermitteln will, noch besser und eindringlicher auf das Publikum wirken kann, gibt es begleitend zu der Aufführung auch eine Lichtinszenierung, für die Rohlik Hannes Baum gewinnen konnte, der bereits für das Heidenheimer Naturtheater im Einsatz war. Mit Bildern und kurzen Videosequenzen werden die Lieder noch zusätzlich veranschaulicht und nach jedem der sieben Tage der Schöpfung wird es in der Dreifaltigkeitskirche dunkel und still werden – sodass die Geschichte der Entstehung und Zerstörung der Welt auch in Gänze ihre Wirkung auf das Publikum entfalten kann.

Eineinhalb Jahre probt der Chor der Heidenheimer Dreifaltigkeitsgemeinde bereits für die Aufführung des modernen Schöpfungsoratoriums „Und dann war Licht“ nach der Musik von Thomas Gabriel und dem Text von Thomas Eckert. Warum das so viel Zeit braucht? Neben einem jährlichen Weihnachts- und Osterkonzert sowie den allmonatlichen Auftritten des Chores im Gottesdienst sei es nicht leicht gewesen, die zusätzliche Zeit zum Proben für ein solch umfangreiches Stück abzuzwacken, so Norbert Rohlik.

Aufgeführt wird das Schöpfungsoratorium „Und dann war Licht“ am Samstag, 13. Oktober, um 19.30 Uhr in der Dreifaltigkeitskirche in Heidenheim.

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