Heidenheim Schöne Bescherung: Hüseyin Perktas tischt auf

Heiligabend im Lokschuppen: Bei der Premiere im vergangenen Jahr folgten mehr als 300 Personen der Einladung von Hüseyin Perktas (rechts).
Heiligabend im Lokschuppen: Bei der Premiere im vergangenen Jahr folgten mehr als 300 Personen der Einladung von Hüseyin Perktas (rechts). © Foto: Archiv/Markus Brandhuber
Heidenheim / Michael Brendel 07.12.2018
Menschen aller Kulturen sind an Heiligabend wieder zum Essen und Feiern in den Lokschuppen eingeladen.

Wenn es darum geht, anderen eine Freude zu machen, ist Hüseyin Perktas um keine Idee verlegen. Als einstiger Pächter der Konzerthaus-Gaststätte schenkte er einem Paar, das dort seine Hochzeit feierte, schon mal ein voluminöses Paket – dem anschließend eine Bauchtänzerin entstieg. Etliche Male kochte er zudem bereits auf eigene Kosten für Flüchtlinge. Und für Menschen, die an einem Tag Gesellschaft suchen, der vielleicht weniger als jeder andere für Einsamkeit gemacht ist: dem Heiligen Abend.

Diese Geste der Nächstenliebe, die sich ehemals im Konzerthaus zu einer Tradition entwickelt hatte, fand vergangenes Jahr erstmals im Lokschuppen statt. Und weil die Resonanz gewaltig war, mehr als 300 Personen der Einladung folgten, gibt es in wenigen Tagen eine Wiederholung: Am 24. Dezember tischt Perktas für all jene auf, die den Heiligen Abend gerne zusammen mit anderen verbringen möchten. Herkunft, Alter, Geschlecht, Konfession – all das soll keine Rolle spielen. Im Mittelpunkt steht für den 63-Jährigen vielmehr, dass Menschen zueinander finden, die diesen Tag lieber in Gemeinschaft als alleine verbringen möchten. Eine Einschränkung macht der Organisator allerdings: „Man darf kein Halligalli-Fest erwarten, und es wird kein Alkohol ausgeschenkt.“ Damit soll der Bedeutung des Tages entsprochen werden.

Zum Programm gehört auch ein Gottesdienst mit Pfarrerin Eva-Maria Busch. „Denn wir alle, egal ob Muslime, Buddhisten, Jesiden, Christen oder Hindus haben das Glück, in diesem Land leben zu dürfen, und müssen uns bewusst sein, dass Weihnachten ein hohes christliches Fest ist“, sagt Perktas. Er selbst ist Moslem, kam vor 39 Jahren als Gastarbeiter aus der Türkei nach Heidenheim und besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft. Und so, wie er seinerzeit an der Brenz aufgenommen wurde, will er nun zum wiederholten Mal Menschen verschiedener Kulturen an einen Tisch bringen.

Bei OB Bernhard Ilg rannte Perktas mit seiner Idee offene Türen ein: Die Stadt überlässt ihm den Lokschuppen wieder kostenlos. In den Dienst der guten Sache stellt sich am 24. Dezember ein rund 20-köpfiges Team, das die Gäste ab 13 Uhr mit Kaffee und Kuchen empfängt. Etwa gegen 14 Uhr folgt der Gottesdienst, ab 15.30 Uhr wartet dann das „Indische Märchen“ – Putengeschnetzeltes mit Reis, zubereitet von Ziya Polat, Restaurant-Chef aus Ebersbach.

Essen und Trinken gratis

Geld will Perktas für seine Aktion übrigens unter keinen Umständen annehmen: „Essen und Trinken sind ein Geschenk von mir. Es geht mir nur darum, dass wir beieinander sind und menschlich miteinander umgehen.“ Denn eines dürfe nie vergessen werden: „Was wir uns nicht aussuchen können, sind unsere Eltern und unser Geburtsort.“

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