Heidenheim / Hendrik Rupp In der Bürgerversammlung verspricht OB Ilg eine möglichst lange Sicherung des alten Stegs und möglichst raschen Ersatz – Gehen die Unterschriften ans Eisenbahn-Bundesamt?

Zumindest fürs Erste scheint ein Schlussstrich gezogen unter die Aufregung über den Fußgängersteg am Schnaitheimer Bahnhof: Oberbürgermeister Bernhard Ilg erklärte am Donnerstag, dass die Stadt den maroden und vom Abbruch bedrohten alten Steg so lange wie möglich begehbar halten will.

Gleichzeitig sollen im Mai die Planungen für einen neuen Steg beginnen. Das Ziel: Ohne Steg soll Schnaitheim möglichst kurz auskommen müssen. Und für die Übergangszeit soll der Umweg über den Bahnübergang für Fußgänger sicherer gemacht werden.

Zufriedenheit im rappelvollen Oetinger-Gemeindehaus, wo die Akionsgemeinschaft für den Fußgängersteg zur Bürgerversammlung geladen hatte. Einmal mehr machte der OB deutlich, dass die Stadt entgegen den Berichten in der HZ einen Ersatzsteg nie infrage gestellt habe. Schon im Januar 2016 habe man erklärt, dass ein neuer, barrierefreier Steg her müsse, dafür habe man auch 700 000 Euro in den Haushalt eingestellt. „Das ist ein sehr konkreter Auftrag für die Verwaltung“, so der OB.

Viel Kritik an HZ-Beiträgen

Tatsächlich neu sei allein der Umstand gewesen, dass die Bahn auf einen schnellen Abbruch des bröselnden Steges poche – was womöglich eine längere Übergangsphase ohne Steg bedeuten könne.

Wieder und wieder aber habe die HZ diesen Umstand nicht korrekt wiedergegeben, so dass der Eindruck entstanden sei, man wolle auf den Steg ganz verzichten. Der Kritik an der Presse schlossen sich dann auch gleich Walter Fischer für das Aktionsbündnis und sogar Ferry Bilics als Moderator der Bürgerversammlung an.

Tatsächlich sehe es schlecht aus am Steg, so Bau-Fachbereichsleiter Gerhard Horlacher: Jüngste Gutachten kamen zum Schluss, die „Dauerhaftigkeit“ des Bauwerks sei nicht mehr gegeben, die Mängel seien gravierend. Eine Sanierung komme nicht infrage und sei auch nie geplant gewesen, auch hier, so der OB, habe die HZ wieder falsche Darstellungen abgeliefert.

Tatsächlich will die Stadt laut Ilg den bestehenden Steg „so lange wie möglich in Nutzung halten“. Dazu seien monatliche Untersuchungen vereinbart, zudem werde die Stadt Netze anbringen, um die Züge vor herabfallenden Teilen zu schützen – dafür gab es den ersten Szenenapplaus für den OB. „Wenn nichts passiert, bringen wir so hoffentlich das Jahr rum“, so Ilg.

Eigentlich viel Zeit, doch die wird die Stadt brauchen: „Wir werden im Mai die Gespräche mit einem Planungsbüro beginnen“, so Ilg. Vier bis fünf Monate später könne man die Planung für einen neuen Steg haben, da die Finanzierung stehe, können man dann eigentlich mit dem Bau loslegen.

Aber eben nur eigentlich – denn den Steg müsse das Eisenbahn-Bundesamt genehmigen, und das könne zwischen einem und zwei Jahren dauern. „Dafür kann die Stadt nichts, so ist es einfach“, so Ilg, der deswegen die Idee aufbrachte, die inzwischen fast 650 Unterschriften des Aktionsbündnisses vielleicht gemeinsam an die Bundesbehörde zu übergeben, auf dass man dort schneller vorankomme.

Die Idee wurde vom Bündnis spontan gutgeheißen, bei der Bahnbehörde wollen Rathaus und Schnaitheimer quasi als Steggefährten auftreten.

Bahnübergang sicherer machen

Klar ist aber: So oder so wird es eine Zeit ohne den Steg geben – und auch dafür will die Stadt nun eigene Vorsorge treffen: OB Ilg skizzierte, dass die Stadt die Fahrspuren am Bahnübergang schmaler und den zurzeit nur einen Meter breiten Fußgängerweg dafür umso breiter gestalten will. Das Ziel: Mehr Platz für Fußgänger und vielleicht auch weniger Tempo beim Verkehr.

Gleichzeitig müsse man den Kindern einschärfen, auf keinen Fall die Gleise zu überqueren. Hirscheck- Schulleiterin Claudia Zanzinger-Knies kündigte an, man werde erneut eine Sicherheitsveranstaltung mit der Bundespolizei abhalten. „Lassen Sie die Kinder in die Schule laufen“, so Ihr Appell nicht nur an die Eltern der 45 Schüler aus dem Hagen: „Aber sagen Sie ihnen, wie man läuft“.

„Sie haben uns viele Sorgen genommen“, so das Fazit von Elli Nerz seitens des Aktionsbündnisses. Der OB hörte es gerne, machte aber auch klar, dass es Fragen gebe, die nur die Bahn beantworten könne.

Nur eines der Probleme: Die oft kurzfristig auf das eigentlich unbenutzte Gleis 1 umgeleiten Züge. „In den fünf Minuten zwischen Durchsage und Abfahrt schaffen sie es nie über den Bahnübergang, wenn Sie von Gleis 2 auf Gleis 1 müssen“, so eine Bahnfahrerin.