Heidenheim / Andreas Uitz Die Planungen für einen Überweg beim Bahnhof werden konkret, der alte Steg wird immer maroder. Doch bis zum Neubau wird es noch dauern.

Teils kochten die Emotionen hoch im Frühjahr dieses Jahres, doch davon ist inzwischen nichts mehr zu spüren. Denn es steht schon geraume Zeit fest, dass der in die Jahre gekommene und marode Fußgängersteg beim Schnaitheimer Bahnhof, der nicht nur den Zugang zu Gleis 2 ermöglicht, sondern auch eine bedeutende Verbindung vom Wohngebiet Hagen in die Ortsmitte ist, ersetzt wird.

Im Technik- und Umweltausschuss des Gemeinderats stellte der Leiter des rathäuslichen Fachbereichs Bauen, Gerhard Horlacher, jetzt die Planungen vor. Der bauliche Zustand des aktuellen Stegs werde immer schlimmer, das sei durch regelmäßige Untersuchungen eines Ingenieurbüros belegt. Weil Gefahr besteht, dass verrostete Teile auf die Gleise fallen, wurde bereits im Sommer zum Schutz ein Fangnetz angebracht. „Wir werden versuchen, den Steg so lange wie möglich zu halten, wissen aber nicht, wie lange das noch gut geht“, erklärte Horlacher.

Zwei Jahre bis zur Genehmigung

So könne es durchaus sein, dass zwischen dem Abriss des jetzigen und dem Bau eines neuen Übergangs einige Zeit liegt, da das Genehmigungsverfahren für den Neubau etwa zwei Jahre dauern könne.

Die städtischen Planungen sehen einen neuen Übergang an gleicher Stelle vor. Dieser soll und muss barrierefrei sein. Die Überlegung, mit einem Aufzug zu arbeiten, habe die Verwaltung auch nach Empfehlung der Bahn verworfen. Die Begründung: Die Unterhaltskosten sind zu hoch und Aufzüge wären zu störanfällig und häufig Opfer von Vandalismus. Also wird man dem Plan zufolge von beiden Seiten aus über Rampen auf den Steg gelangen, der in einer Höhe von mehr als sechs Metern über die Gleise führt.

Um auch Rollstuhlfahrern die Überquerung zu ermöglichen, darf die Steigung auf der Rampe Horlacher zufolge maximal sechs Prozent aufweisen, zusätzlich müssen Plattformen zum Ausruhen eingeplant werden.

Das wiederum hat zur Folge, dass der Weg, den Fußgänger überbrücken müssen, um über die Gleise zu kommen, deutlich länger wird als bisher: „Beim aktuellen Steg sind es 128 Meter, beim neuen werden es 320 Meter sein“, so Horlacher.

Diese Aussage befremdete nicht nur Ralf Willuth (Freie Wähler): „Macht es dann überhaupt Sinn, diesen Steg zu bauen, wenn der Weg außenrum nur 200 Meter länger ist?“ Er schlug vor, zusätzlich zu den Rampen Treppen in den neuen Steg zu integrieren, um für Benutzer, die gut zur Fuß sind, den Weg zu verkürzen. Auch Norbert Fandrich (Linke) unterstützte diesen Vorschlag: Grundsätzlich gefällt mir die Planung gut, aber das sind schon Riesenwege, eine Treppe wäre durchaus sinnvoll.“

Technisch und rechtliche wäre ein zusätzliche Treppe Horlacher zufolge kein Problem, doch würde diese weitere 100 000 Euro kosten. „Nachdem der Steg nicht, wie geplant, 700 000 Euro, sondern bestimmt eine Million kosten wird, halte ich das nicht für sinnvoll“, wandte OB Bernhard Ilg ein. Darüber hinaus sagte der Oberbürgermeister zu Hans Kurowskis (Grüne) Vorschlag, eine Unterführung zu prüfen, dass diese ganz erheblich teurer werden würde.

Willuth betonte mehrfach, wie wichtig er zusätzliche Treppen erachtet, doch andere Stadträte waren da anderer Meinung. Für Renate Klement-Schmidberger (SPD) ist die Rampenlösung „der kleinste gemeinsame Nenner für Behinderte und Nichtbehinderte.“ Zwar würden die Wege länger, „aber das ist ja ein schöner Spaziergang und man muss nicht nach vorne zur Straße am Bahnübergang.“ Auch ihr Fraktionskollege Jürgen Bohnert bezeichnete die Rampe als gute Lösung. „Wie auch immer man es macht, wir machen es immer falsch“, kommentierte Ilg die Diskussion.

Doch Walter Fischer, Vertreter der Schnaitheimer Initiative, die sich für den Neubau eines Stegs eingesetzt hatte, erklärte, dass die betroffenen Bewohner des Hagen den Vorschlag mit dem Rampen-Steg als gut und sinnvoll erachten. „Die Bevölkerung scheut den Übergang an der Straße, da nimmt man die Nachteile wie einen weiteren Weg auch gerne in Kauf.“ So stimmte der Ausschuss letztlich bei einer Gegenstimme (Willuth) der Planung zu.

Steg aus Stahl und Alu

Damit ist der Weg frei für weiter Planungen und die Einleitung des Genehmigungsverfahrens bei der Bahn. Das dauert rund zwei Jahre, weil vom Bau das Schienennetz betroffen ist, erläuterte OB Ilg.

Der neue Steg soll aus einer Stahl/Alu-Konstruktion bestehen, die weitgehend beim Hersteller vorgefertigt wird. Horlacher erläuterte, dass das die sinnvollste und effizienteste Möglichkeit ist, den Steg so schnell wie möglich vor Ort aufzubauen. Natürlich werde dabei darauf geachtet, dass die Materialien möglichst langlebig und korrosionsfest sind.