Heidenheim Voith-Arena: Ein Schnäppchen für zwei Millionen Euro?

Neuer Anlauf für den Stadion-Deal: Die Stadt will die Voith-Arena an den 1. FC Heidenheim verkaufen.
Neuer Anlauf für den Stadion-Deal: Die Stadt will die Voith-Arena an den 1. FC Heidenheim verkaufen. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Von Andreas Uitz 18.07.2018
Ein Gutachten setzt den Wert des Stadions und der anderen Anlagen auf 18,4 Millionen Euro fest. Doch bei einem Verkauf könnte die Stadt auf Dauer viel Geld sparen.

Beinahe auf den Tag genau vor einem Jahr wurde bekannt, dass der Deal geplatzt ist. Die Stadt hatte vor, die Voith-Arena, die sich in ihrem Eigentum befindet, an den 1. FC Heidenheim zu verkaufen – zum symbolischen Preis von einem Euro. Allerdings lehnte der Verein diesen auf den ersten Blick sehr billigen Vorschlag ab, denn man war mit den Bedingungen nicht einverstanden. Unter anderem ging es dabei um ein Rückkaufrecht der Stadt zum gleichen Preis – das hätte dem FCH die Möglichkeit verbaut, das Stadion zu beleihen um Kapital zu generieren.

Grundsätzlich hatte der FCH-Vorstandsvorsitzende Holger Sanwald schon im Juli 2017 geäußert, dass der Verein das Stadion kaufen will, jedoch zu einem reellen Preis und zu anderen Bedingungen. Von Seiten der Stadt war angekündigt worden, ein Wertgutachten erstellen zu lassen und dieses als Grundlage für neue Verkaufsgespräche mit dem FCH zu verwenden. Die Ergebnisse dieses Gutachtens sollen dem Gemeinderat in seiner morgigen Sitzung vorgestellt werden – und zeitgleich soll das Gremium auch über den Verkauf abstimmen. Schon Ende Juni waren im Gremium Stimmen laut geworden, die darüber geklagt hatten, das Ergebnis des Gutachtens und mögliche Verkaufsmodalitäten noch nicht zu kennen.

Der Quadratmeter für 19,60Euro

Nun also schlägt die Stadtverwaltung dem Gemeinderat vor, dem Verkauf des Stadions zum Preis von zwei Millionen Euro zuzustimmen. Doch nicht die Voith-Arena allein, sondern auch der Parkplatz, der Fantreff sowie die südlich des Stadions gelegenen zwei Rasen- und zwei Kunstrasenspielfelder und das erst kürzlich fertiggestellte weitere Rasenspielfeld mit Umkleiden und Sanitäreinrichtungen sollen zum Paket gehören. Insgesamt beläuft sich die Fläche, die man dem FCH anbieten will auf 102.000 Quadratmeter. Damit liegt der Quadratmeterpreis bei 19,60 Euro. Doch was sind Stadion und die umliegenden Anlagen tatsächlich wert? Das zu ermitteln ist dem Gutachten zufolge nicht so einfach. So gibt es verschiedene Möglichkeiten der Erhebung, die alle Vor- und Nachteile haben. In die Bewertung flossen alle von der Stadt aufgebrachten Zuwendungen für Baumaßnahmen ein. Insgesamt wurden über die Jahre hinweg von Stadt und FCH 46 Millionen Euro in die Anlagen investiert, von Seiten der Stadt waren es dem Gutachten zufolge 18,4Millionen Euro.

Doch über diese Investitionen hinaus fallen auch noch jährliche Kosten an, die bei 725.000 Euro liegen und von der Stadt getragen werden, die ja Eigentümerin ist. In 20 Jahren ist dabei ein Betrag von 14,4 Millionen Euro – inklusive Abschreibungen – aufgelaufen. Aktuell hat der FCH das Stadion nur gepachtet – auf Grundlage eines Pachtvertrags, der abgeschlossen wurde, als er noch ein Amateurverein war. Die Pacht liegt jährlich bei 2900 Euro – eine schon in der Vergangenheit oftmals als viel zu niedrig bemängelte Summe.

Neukalkulation erst 2039

Diesen Einnahmen für die Stadt stehen dem Gutachten zufolge 824.000 Euro an jährlichen Ausgaben für das Stadion gegenüber. In der Gesamteinschätzung kommen die Gutachter in einer Wirtschaftlichkeitsbeurteilung zu dem Ergebnis, dass die Stadt über die Restlaufzeit des Pachtvertrags Verluste in Höhe von 18,6 Millionen Euro machen würde. Frühestens 2039 könnte bei bestehendem Vertrag eine Neukalkulation der Pacht erfolgen.

Für die Berechnung des Kaufpreises haben die Gutachter den bilanziellen Restwert der Anlagen auf 18,4Millionen Euro festgesetzt. Von diesem Betrag werden die Barwerte künftiger Verluste (12,4 Millionen), zukünftiger Investitionen, die nach einem Verkauf nicht mehr getätigt werden müssen (2,7Millionen) und Gelder aus der Sportförderung (725.000 Euro) abgezogen. Unterm Strich bleibt dann dem Gutachten zufolge ein realistischer Verkaufspreis von 2,5 Millionen Euro.

Die Stadt schlägt dem Gemeinderat jedoch einen Verkaufspreis von zwei Millionen vor, macht eine halbe Million Euro Differenz. Wie kommt das? Der Sitzungsvorlage für das Gremium zufolge gibt es derzeit einen Investitionsrückstand in Höhe von 850.000 Euro. Die Stadt wäre vertraglich dazu verpflichtet, 475.000 Euro davon zu tragen. Bei einem Verkauf wäre dieser Betrag nicht mehr fällig. Weil der FCH nach dem Verkauf allein für den Unterhalt und den Betrieb des Stadions verantwortlich ist, „hält es die Verwaltung für vertretbar, einen Kaufpreis von zwei Millionen Euro für den Verkauf zu vereinbaren“, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Auch der FCH-Vorstandsvorsitzende kann mit den Verkaufsbedingungen gut leben: „Das ist mit uns abgestimmt und in Ordnung, so würden wir die Voith-Arena kaufen.“ Sollten der Gemeinderat und der FCH diesem Verkauf zustimmen, wären die Raten in diesem und den kommenden beiden Jahren fällig.

Die öffentliche Sitzung des Gemeinderats beginnt am Donnerstag, 19.Juli, um 14.30Uhr im Emil-Ortlieb-Saal des Rathauses.

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