Heidenheim Schlusspfiff beim Fußball war Startsignal fürs Straßenfest

Zwei turbulente Tage in der Innenstadt mit einer kleinen WM-Delle. Das Straßenfest dieses Jahr hat Freude gemacht.
Zwei turbulente Tage in der Innenstadt mit einer kleinen WM-Delle. Das Straßenfest dieses Jahr hat Freude gemacht. © Foto: Christian Thumm
Heidenheim / hz 25.06.2018
Der Sieg der deutschen Mannschaft sorgte für einen starken Endspurt der zweitägigen Feier, die auch dieses Jahr wieder gezeigt hat, dass die Nationen in Heidenheim miteinander können.

Was König Fußball bewirken kann: Die Freiräume, welche „Die Mannschaft“ im Spiel gegen Schweden suchte, um zum entscheidenden Torschuss zu kommen, fanden sich in der Heidenheimer Fußgängerzone zuhauf in dieser Zeit. Man hätte bis 22 Uhr Walzer tanzen können beim Straßenfest, ohne mit weiteren Passanten in Berührung zu kommen. Dabei war man auch in Heidenheims Mitte nicht uninformiert über den Stand des Schicksals der Fußballnation. In gefühlt jedem zweiten Stand auf der Hauptstraße und dem Eugen-Jaekle-Platz flimmerte ein Bildschirm. Es wäre aber falsch, die 38. Ausgabe des Heidenheimer Straßenfestes auf diese Momente entspannten Flanierens zu reduzieren, ohne Warteschlangen vor den Imbiss- und Getränkeständen. Am Freitagabend war die Stadt proppenvoll und am Samstag nach 22 Uhr nicht anders. Der erlösende Torjubel war gleichzeitig der Startschuss für eine zweite lange Straßenfestnacht mit fetziger Musik auf allen drei Bühnen.

Gegenseitige Gastfreundschaft

Als Fest des ausländischen Mitbürgers war das Heidenheimer Straßenfest einst initiiert worden. Den Begriff gibt es zwar nicht mehr, in der Sache aber ist es dieses geblieben. Das Straßenfest ist der jährliche Anlass, an dem nach Heidenheim Zugereiste den Einheimischen ihre Gastfreundschaft beweisen. Für das Funktionieren dieser offenen Gesellschaft spricht, dass hier in direkter Nachbarschaft Ethnien ihre Spezialitäten anbieten, welche in ihren Herkunftsländern durchaus in Distanz zueinander stehen, wenn nicht gar in bewaffneten Konflikten.

Wie gewohnt wurde am Samstagnachmittag die Fußgängerzone zu einer Weltbühne der Kulturen. Auch die Partnerstädte St. Pölten und Sisak hatten kulturelle Botschafter nach Heidenheim entsandt.

„Es lief gut“ kommentiert Kulturamtsleiter Matthias Jochner die eineinhalb Tage Straßenfest. „Es war ein schönes Fest mit einer guten Resonanz.“ Trotz WM-Spiel liege die Besucherzahl im oberen Schnitt der vergangenen Jahre. Auch die Betreiber, so weiß es Jochner aus einer Umfrage, seien „überwiegend sehr zufrieden“. Dass die Abende relativ kühl waren, habe vielleicht den Getränkeabsatz sinken lassen. Dafür, so Jochner, sei es bei den Imbissen besser gelaufen. Nach dem Match gegen Schweden habe es in der Innenstadt regelrecht einen Hype gegeben. Irgendwelche Probleme? „Aus unserer Sicht nicht“, sagt Jochner.

79 Essens- und Verkaufsstände waren dieses Jahr gemeldet. Es sind seit Langem nicht mehr nur die hiesigen Vereine, welche aufkochen, das Gesicht des Straßenfestes wird in gleichem Maß von professionellen Anbietern bestimmt. Die Stände bilden in der Hauptstraße auf beiden Seiten fast eine durchgehende Reihe. Plätze zum Sitzen sind eher Mangelware.

„Ohne mich“, wehrt Jochner gleich im Ansatz das Aufwärmen einer über viele Jahre auch im Gemeinderat geführten Diskussion über die richtige Zusammensetzung des Straßenfestes ab. Auch wenn es „ein wenig zu wenig“ Sitzplätze gegeben haben sollte, am Ende entscheidet für Jochner der Zuspruch der Besucher über den Erfolg des Festes. So lange es derartig gut funktioniere, müsse nicht immer neu diskutiert werden.

Und es gibt wohl auch einen Wandel in der Gesellschaft: Essen und Trinken nimmt man heute mit auf den Weg (to go). Da braucht es weniger Bänke und Tische.

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