„Nach 12 Jahren hat sich die Geschäftsleitung der Greifvogelstation Heidenheim, vertreten durch Burkhard Hellmann, entschlossen, den Pachtvertrag mit der Stadt Heidenheim nicht weiter zu verlängern.“ So beginnt eine Pressemitteilung der Greifvogelstation Heidenheim vom 25. Juli 2019. Konkret bedeutet das: Die Falknerei schließt am 1. November 2019 um 20 Uhr den Standort Heidenheim. Er befindet sich im Eigenjagdbezirk Wildpark Eichert der Stadt Heidenheim.

Bis zu diesem Termin findet wie gewohnt zu den normalen Öffnungszeiten bei entsprechendem Wetter um 15 Uhr das Flugprogramm statt (feiertags, samstags und sonntags, und in den Ferien täglich außer montags). In der Zeit bis zum 1. November könnten sich die Fans und Tierpaten der Greifvogelstation Heidenheim von den Flugakrobaten und den Falknern verabschieden, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Hellmann: Ungenügende Infrastruktur im Wildpark Eichert

Als einen Grund für das Aus nennt Hellmann die aus seiner Sicht ungenügende Infrastruktur im Wildpark Eichert. „So können wir touristische Bedürfnisse nicht bedienen.“ Es fehle an Parkplätzen in der unmittelbaren Umgebung, Toiletten, einem Zugang für Rollstuhlfahrer und Angeboten für geistig und körperlich behinderte Menschen.

Aus seiner Sicht seien „junge Familien die Zukunft für die Station und auch die Natur“, so Hellmann. Am Standort in Heidenheim könne man ihnen aber zum Beispiel nicht die Möglichkeit bieten, Kindernahrung warm zu machen. Außerdem gebe es am aktuellen Standort nur auf einer Bierzeltgarnitur eine Wickelgelegenheit.

Verbesserung der Infrastruktur nicht umsetzbar

Immer wieder habe die Greifvogelstation versucht, die Infrastruktur zu verbessern. So seien ein Baumhaus-Café und eine Toilettenanlage geplant gewesen. Doch diese Ideen seien „im Keim erstickt worden“, so Hellmann. Grund: Der Park sei gar nicht im Bebauungsplan aufgeführt und deshalb Baugenehmigungen für solche Projekte nicht möglich.

Baustelle des Klinikums sorge für Lärmbelästigung

Was Hellmann außerdem anspricht: Die angrenzende Baustelle des Klinikums sei für die Greifvogelstation ein Problem. Sie sorge für Lärmbelästigung und Einschränkungen für die Greifvögel. Hellmann habe Tiere verloren, weil sie wegen panischen Flugmanövern gestorben seien. Dazu hätten einige Elterntiere das Gelege verlassen. So seien Eier ausgekühlt. Durch diese Folgen des Baustellenlärms habe die Greifvogelstation 2018 „große finanzielle Verluste“ erlitten. Hellmann: „Die Großbaustelle dauert nach Angaben des Klinikums noch zehn Jahre. Das Zeitfenster können wir nicht überbrücken.“

Das tangiere die Stadt Heidenheim und das Klinikum nicht, so Hellmann. „Es gab keine Reaktion auf unsere Schreiben.“ Sein Schluss: „In Heidenheim liegt der Fokus eher auf dem Sport als auf der Natur.“

Hellmann: „Die Existenz muss gesichert sein“

Aus all den genannten Gründen habe die Greifvogelstation zu wenig Besucher gehabt. „In den letzten Jahren war das massiv“, sagt Hellmann. Er erklärt: „Die Existenz muss gesichert sein. Das ist in Heidenheim nicht der Fall.“

Tendenz: Zwei neue Anlagen

Klar ist: Die Greifvogelstation zieht an einen neuen Standort. Dort sei die Infrastruktur besser als am aktuellen Standort in Heidenheim. Wo das neue Zuhause der 35 Greifvögel und Eulen sein wird, möchte Hellmann noch nicht verraten. „Es gibt zwei wunderschöne Plätze, wo unsere Greifvogelstation hingehen kann und wo wir eine Daseinsberechtigung haben.“ Einer davon sei im Norden, einer im Süden. Seine Tendenz gehe dahin, zwei Anlagen zu betreiben. Eine Greifvogelstation und eine unabhängig vom Wildpark.

Am 1. November findet um 15 Uhr das letzte Flugprogramm in der Greifvogelstation statt. Anschließend wird es eine Abschiedsveranstaltung geben. Dann werden die Mitarbeiter in den Winter- und Frühjahrsmonaten alles abbauen. „Wir werden alle Pflichten erfüllen und das Gelände so zurückbauen, wie es im Pachtvertrag steht“, so Hellmann.

Hellmann legt Ehrenamt des Naturschutzbeauftragten für Greifvögel und Eulen nieder

Zum 2. November legt Hellmann zudem das Ehrenamt des Naturschutzbeauftragten für Greifvögel und Eulen der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Heidenheim nieder. Er sei räumlich zu weit entfernt, um das Amt weiter auszuüben. Das Landratsamt müsse nun einen Nachfolger finden. „Da muss jemand her, der sich explizit darum kümmert und sich auskennt“, sagt Hellmann. „Das haben die Tiere verdient, weil sie ein wichtiger Faktor im Ökosystem sind und wir zu viel in ihren Lebensraum eingreifen.“ In Heidenheim gebe es viele verletzte Greifvögel und Eulen.

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