Schutz Sanierung: Tempex GmbH hofft auf Insolvenzplan

Eingang zum Gewerbepark in den Seewiesen: Hier hat auch die Tempex GmbH ihre Heimat.
Eingang zum Gewerbepark in den Seewiesen: Hier hat auch die Tempex GmbH ihre Heimat. © Foto: Oliver Vogel
Heidenheim / erwin bachmann 28.07.2015
Die in Heidenheim beheimatete Tempex GmbH zählt seit Jahrzehnten mit zu den Marktführern der Branche, doch die Liquidität des Herstellers von Schutzbekleidung ist hart auf Kante genäht: Und so schlägt man einen Sanierungskurs ein.

Um das Unternehmen möglichst rasch wieder in Fahrt und vor allem ins sichere Fahrwasser bringen zu können, hat man zunächst eine Art Notbremse gezogen. Ende Juni wurde beim Amtsgericht Aalen ein Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Diese Sonderform stellt zusammen mit dem Insolvenzplan ein wichtiges Instrument zur Restrukturierung eines insolventen Unternehmens dar, das in dieser Position die Insolvenzmasse weiterhin selbst verwalten kann und lediglich der Aufsicht eines Sachwalters unterliegt.

Diese Rolle hat Rechtsanwalt Prof. Dr. Martin Hörmann aus der Ulmer Kanzlei Anchor Rechtsanwälte übernommen, der vom Insolvenzgericht im derzeitigen Eröffnungsverfahren als vorläufiger Sachwalter bestellt worden ist und damit auch die Wahrung der Gläubigerrechte in diesem Prozess überwacht. Nach Angaben dieser aufs Insolvenzrecht spezialisierten Sozietät will das Heidenheimer Unternehmen über die gerichtlich angeordnete Eigenverwaltung die Chance nutzen, sich aus eigener Kraft über einen Insolvenzplan zu sanieren und neu am Markt zu positionieren. Auf diesem Weg soll Tempex neben der in der Unternehmensplanung tätigen Kanzlei Nickert aus Offenburg auch durch die Stuttgarter Unternehmensberatung R & W Consult GmbH unterstützt werden, die vorwiegend in der Sanierung kleiner und mittelständischer Unternehmen tätig ist.

Der Geschäftsbetrieb der Tempex GmbH läuft trotz des Insolvenzantrages in vollem Umfang weiter. Die 60 Mitarbeiter, die Anchor-Angaben zufolge im Vorjahr einen Umsatz von rund elf Millionen Euro erwirtschaftet haben, sind in einer Belegschaftsversammlung über das anstehende, zur Stunde noch nicht eröffnete Verfahren informiert worden. Die Löhne und Gehälter sind im Antragsverfahren über das Insolvenzgeld der Agentur für Arbeit abgesichert.

Im Unterschied zum herkömmlichen Insolvenzverfahren bleibt bei der Eigenverwaltung der Geschäftsführer vertretungsbefugt und somit Herr des Verfahrens. Diese Funktion nimmt im vorliegenden Fall Walter Wiedenmann wahr. Der gelernte Bankkaufmann blickt nach eigenen Angaben auf Geschäftsführer-Tätigkeiten in vielen Firmen zurück, gilt als erprobt im Krisenmanagement, und dieser Ruf war es wohl auch, der in der aktuellen Notsituation zur Berufung dieses Mannes geführt hat, der im benachbarten Langenau zu Hause ist, über langjährige kommunalpolitische Erfahrung verfügt und aktuell in Albeck als ehrenamtlicher Ortsvorsteher amtiert.

Bei Tempex ist Wiedenmann erst Anfang Mai dieses Jahres zum Geschäftsführer bestellt worden und hatte damit den vom Gesellschafterkreis wegen unüberbrückbarer Gegensätze abberufenen Vorgänger Jürgen Zwillich abgelöst – wobei der Blick ins Handelsregister einen in der Vergangenheit auffällig häufigen Wechsel an der Spitze der Tempex GmbH offenbart, die zu 100 Prozent von der in der Schweiz sitzenden Tempex Holding AG gehalten wird.

Der Neue an der Tempex-Spitze baut auf den exzellenten Ruf der Produkte und zeigt sich zuversichtlich, wieder als starkes Unternehmen aus dem Insolvenzverfahren zu kommen. In der Vergangenheit hatte man sich im Blick auf die Erträge eher durchgehangelt und hatte zuletzt auch daran gelitten, dass der nötige Kreditrahmen von den Banken kurzfristig nicht zur Verfügung gestellt werden konnte.

Tempex: bewährte Produkte, wechselvolle Firmengeschichte

Die 1953 in Reutlingen gegründete gegründete Tempex GmbH ist auf die Herstellung hochwertiger Schutzkleidung in den Segmenten Hitze-, Kälte- und Multifunktionskleidung spezialisiert. 1958 war das Unternehmen von der Ploucquet-Gruppe übernommen worden und später an den Sitz der Muttergesellschaft nach Heidenheim umgezogen.

2005 wurde die Ploucquet-Tochter von der Tempex Holding AG mit Sitz in Rüschlikon übernommen – ein Jahr, bevor Ploucquet selbst seine Zelte in Heidenheim abbrach. Seit 2007 ist das unter Regie einer Schweizer Investorengruppe stehende Unternehmen in die Seewiesen umgezogen, wo auf einem rund 10 000 Quadratmeter großen Areal des auf dem früheren Epcos-Gelände entstandenen Gewerbeparks bis heute der Firmensitz zu finden ist.

Am Heidenheimer Standort werden nur kleine Musterserien gefertigt. Die eigentliche Produktion findet in Fremdfirmen statt. Diese Lieferanten sitzen unter anderem in Kroatien, Tschechien und Bulgarien, aber auch im außereuropäischen Raum.

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