Baustelle Warum dauert die Sanierung der Römerstraße so lange?

Wird hier auch genug gebaggert? Bauleiter Jürgen Frühholz (links) und Bau-Fachbereichsleiter Gerhard Horlacher (rechts) sehen sich an der Römerstraße um und besprechen sich mit Polier Karl-Heinz Weinmann von der Baufirma Scharpf (Mitte).
Wird hier auch genug gebaggert? Bauleiter Jürgen Frühholz (links) und Bau-Fachbereichsleiter Gerhard Horlacher (rechts) sehen sich an der Römerstraße um und besprechen sich mit Polier Karl-Heinz Weinmann von der Baufirma Scharpf (Mitte). © Foto: Hendrik Rupp
Heidenheim / Hendrik Rupp 21.06.2018
Über sieben Monate dauert die Runderneuerung von 350 Metern Straße – dabei macht man vor Ort so viel Tempo wie möglich.

Ampeln gibt es eigentlich nicht an dieser Stelle, und der Rentner fährt an diesem Morgen denn auch über Rot durch den Engpass Nattheimer Steige/Schülestraße. Im Berufsverkehr kann man sich das nicht leisten und steht im Stau: Das komplette Wohngebiet Osterholz muss über den Großen Bühl, denn die Römerstraße ist gesperrt. Vollsanierung, bis zum Winter.

Ortstermin wenige hundert Meter weiter, auf der Baustelle. 350 Meter Straße vom Römerplatz bis fast an die Kleingartenanlage. Warum dauert das über sieben Monate?

Bauleiter Jürgen Früholz von der Stadtverwaltung hört die Frage nicht zum ersten Mal – und er hat Antworten: „Wir erneuern hier ja nicht nur den Belag, sondern tauschen alles – Kanäle, Leitungen, das volle Programm“, sagt er. Bis zu vier Meter tief liegen die Kanäle hier, um eine Steigung auszugleichen – und neben der Stadt tauschen auch die Stadtwerke ihre Anschlüsse, in der Straße und in jedes Haus.

Immer offen für Fußgänger

„Gleichzeitig können wir nicht einfach die komplette Straße sperren“, erklärt Früholz: Ja, die Fahrbahn ist weg, doch die Fußgänger und nicht zuletzt die vielen Schüler brauchen einen Fußweg – auf einer Seite muss die Straße also immer begehbar bleiben. Dass eine Reihe alter Linden erhalten bleiben soll, ist nur noch ein weiteres Extra auf dieser Liste.

Auch Gerhard Horlacher ist gekommen. Der Fachbereichsleiter Bauen im Rathaus ärgert sich immer, wenn man Äpfel mit Birnen vergleicht: „Es mag ja sein, dass man in einem Industriegebiet schneller baut. Aber da müssen Sie keine Fußgänger durchlassen, keine Rettungsgassen für die Feuerwehr sicherstellen und Anwohnern keine Brücken in ihre Garagen legen! Könnten wir hier einfach alles zumachen ginge es vielleicht schon schneller, aber das geht eben einfach nicht.“

Vor allem die umständliche Umleitung scheint Nerven zu rauben. Die 340 Meter des ersten Bauabschnitts der Römerstraße dauerten im Vorjahr auch volle acht Monate, doch die Autos kamen geschickter an der Baustelle vorbei.

Tatsächlich war die Stadt im Vorjahr nicht zufrieden mit der Bauzeit und verordnete der Baufirma Scharpf mehr Tempo: „In der Ausschreibung ist genau vorgegeben, mit wie viel Mitarbeitern und in welchen Zeiten hier gearbeitet werden muss“, erklärt Horlacher: Zwei Kolonnen, zwei Bagger, alles ist geregelt auf der Baustelle, die Stadt und Stadtwerke alles in allem deutlich über zwei Millionen Euro kosten wird. Und tatsächlich geht vieles sehr zackig: Grundstücke, vor denen die komplette Straße einen dreiviertel Meter tief ausgebaggert wird, bleiben meist gerade einen Tag lang nicht befahrbar, dann wird wieder aufgefüllt. Und gerade die Besitzer der stattlichen Villen am oberen Ende der Römerstraße zeigen sich sehr kooperativ: „Die Anwohner sind sehr verständnisvoll, das klappt prima“, freut sich Jürgen Früholz. Auch sonst gab es bislang noch keine bösen Überraschungen: Ein Abschnitt Fels war zum Glück nur klein – andernfalls hätte das Wochen kosten können.

Wenn der Passant nichts sieht

Der Zeitplan sieht denn auch gut aus: „Die Kanäle sind drin, das ist ja schon die halbe Miete, wir kommen schon zum Straßenbau“, sagt Horlacher, dem freilich bewusst ist, dass auch wieder andere Bauphasen kommen werden: „Wenn es um die Hausanschlüsse geht, sieht man als Passant nicht viel. Dann wird es wieder heißen, hier gehe nichts voran“. Doch voran soll es gehen: Im November soll die Straße fertig sein. So lange muss man nebenan an der Ampel stehen.

Kritik an Telekom: Großbaustelle nicht genutzt

Runderneuert wird die Römerstraße auch im Untergrund: Neue Leitungen für Strom, Wasser und Gas, neue Kanäle, selbst neue Straßenlaternen.Stadt und Stadtwerke arbeiten zusammen.

Eine Ausnahme ist aber die Telekom: Ihre teils jahrzehntealten Telefonkabel bleiben unberührt, neben den anderen neuen Leitungen auch Glasfaser zu verlegen, wird verpasst.

Unverständlich ist das für Bau-Fachbereichsleiter Gerhard Horlacher: „Wir melden jede dieser Baustellen an die Telekom, die enorm viel Geld sparen könnte, wenn sie jetzt neue Kabel legen würde“. Tatsächlich müsste die Telekom lediglich die eigenen Leitungen und etwas Sand bezahlen - den kompletten Tiefbau übernimmt die Stadt. „Eine eigene Baustelle wäre viel teurer, und man reißt dann eventuell eine ziemlich neue Straße auf“. Ungeachtet dessen verlegt die Stadt Leerrohre für Breitband.

Die Telekom beantwortet diese (recht häufige) Kritik damit, dass es andere Wege zu schnellem Netz gebe als nur Glasfaser. Im ländlichen Raum sei Kupferkabel-Vectoring günstiger und schaffe schneller Erfolge. Viele Experten halten das aber nur für ein Provisorium.

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