Heidenheim Russischer Sommer bei den Opernfestspielen 2019

Das war vergangenes Jahr: Richard Wagners „Holländer“ im Rittersaal. Nächstes Jahr wird's hier Peter Tschaikowskys „Pique Dame“ geben. Zuvor aber hat heuer noch Giuseppe Verdis „Nabucco“ Premiere.
Das war vergangenes Jahr: Richard Wagners „Holländer“ im Rittersaal. Nächstes Jahr wird's hier Peter Tschaikowskys „Pique Dame“ geben. Zuvor aber hat heuer noch Giuseppe Verdis „Nabucco“ Premiere. © Foto: Oliver Vogel
Heidenheim / Manfred F. Kubiak 12.06.2018
„Nabucco“ dominiert dieses Jahr; in der Spielzeit 2019 wird dann im Rittersaal auf Schloss Hellenstein Peter Tschaikowskys „Pique Dame“ im Mittelpunkt des Geschehens stehen.

Wer alles riskiert, kann auch alles verlieren. Das weiß am Ende kaum einer besser als Peter Tschaikowskys Hermann, der meint, der Liebe wegen zum Spieler werden zu müssen und dabei tötet, was er zu lieben meint, ehe er schließlich dem Wahnsinn anheimfällt. Dies alles in der Oper „Pique Dame“. Und auf die wiederum darf man sich in Heidenheim ab sofort freuen, denn sie wird im Mittelpunkt der Festspiele 2019 stehen.

Nachdem uns also diese Spielzeit mit Giuseppe Verdis „Nabucco“ babylonisch kommt, wird uns die nächste russisch begegnen. Das ist auf alle Fälle neu in der über 50-jährigen Geschichte der Festspiele. Doppelt sogar. Denn weder stand jemals eine Oper von Peter Tschaikowsky noch überhaupt die eines russischen Komponisten in Heidenheim auf dem Spielplan.

Langgehegter Wunsch

Nun also „Pique Dame“. Marcus Bosch erfüllt sich damit, das gibt er gerne zu, einen über Jahre gehegten Wunsch. „Das Stück schlummert bereits sehr lange in mir“, sagt der Festspieldirektor. Schon seit Hochschulzeiten in Mannheim. „Unsere Partnerhochschule aus Nowosibirsk hat eines Tages ,Pique Dame‘ aufgeführt. Seither geht mir diese Oper nicht mehr aus dem Kopf.“ Insofern also wird Tschaikowskys Werk am 5. Juli 2019 nicht nur Heidenheim-Premiere haben, sondern auch Premiere im persönlichen Repertoire Marcus Boschs.

Wer sich darüber wundern sollte, dass nach einem Blockbuster wie „Nabucco“ eine, auf ihren allgemeinen Bekanntheitsgrad bezogen scheinbar zweitrangige Oper auf den Spielplan gelangt, dem erklärt Marcus Bosch gern noch einmal die Idee hinter der ganz speziellen Heidenheimer Programmgestaltung: „Wir wechseln ganz bewusst ab zwischen einem Stück, das auf dem Papier gut laufen müsste und einem Stück, das im Jahr darauf vom sich hoffentlich einstellenden Publikumserfolg des Reißers profitieren soll. Das ist uns bislang ganz gut gelungen, wie die Besucherzahlen beweisen.“

Und das ist für ein Festival nicht unbedingt üblich. Denn anderswo wiegt man sich gern lieber von vornherein in Sicherheit und setzt auf Werke mit wirklich allseits bekannten Namen, was letztendlich dazu führt, dass sich am Ende fünf, sechs Opern im Programm abwechseln, die nicht selten sogar bei mehreren Festspielen gleichzeitig aufgeführt werden. „Wir setzen in Heidenheim lieber auf die Neugier des Publikums“, sagt Bosch, „aber auch auf das Vertrauen, das wir uns hoffentlich in den vergangenen Jahren erspielt haben.“

Und was nun Tschaikowsky anbelangt, ist zwar „Eugen Onegin“ dessen bekanntestes Opernwerk, aber von „Pique Dame“ verspricht sich Heidenheims Festspieldirektor mehr. „Da ist von der Geschichte her viel mehr Fleisch am Knochen, und wir haben es darüber hinaus, was uns, die wir die fabelhaften Brünner Choristen haben, sehr zupasskommt, auch mit einer großen Choroper zu tun. Musikalisch ist das Werk ohnehin über jeden Zweifel erhaben.“

Auch Heidenheims Kulturamtsleiter ist äußerst zufrieden: „Tolle Oper“, frohlockt Matthias Jochner. „Das ist echt super. Und ich halte ,Pique Dame‘ nicht zuletzt auch deshalb für eine überaus stimmige Wahl, weil in diesem Werk ebenso das Thema Glück als Lebenszustand eine Rolle spielt wie in ,Ernani', unserer zweiten Oper 2019, die im Rahmen der Reihe mit frühen Verdi-Opern auf dem Spielplan stehen wird.“ Premierentermin ist in diesem Fall der 18. Juli 2019.

Alte Bekannte und ein Debüt

Soweit die „Pique Dame“ betroffen ist, steht übrigens nicht nur der Name der Oper bereits fest, sondern sind bereits einige Solisten und auch der Regisseur bereits verpflichtet. Der heißt Tobias Heyder und ist auch dieses Jahr im Rennen bei Giuseppe Verdis „I Lombardi“ und war es 2016 bei „Oberto“, Verdis allererster Oper. „Damals hat es mich einfach überzeugt, wie er in kürzester Zeit Enormes geleistet hat“, sagt Marcus Bosch.

Auch die Sänger, die schon engagiert wurden, sind zum Teil alte Bekannte in Heidenheim. So wird es ein Wiedersehen und Wiederhören mit dem georgischen Tenor George Oniani geben, der 2014 im Rittersaal als Canio in Ruggero Leoncavallos „Bajazzo“ und Turiddu in Pietro Mascagnis „Cavalleria rusticana“ brillierte und in „Pique Dame“ den Hermann singen wird.

Nicht mehr groß vorstellen muss man in Heidenheim die Sopranistin Michaela Maria Mayer, die als Polina erwartet wird und den Bariton Antonio Yang, der im kommenden Jahr zum vierten Mal hintereinander hierher reisen wird und dann, nachdem er Macbeth und Holländer war und heuer Nabucco sein wird, 2019 erstmals also keinen Titelhelden singen wird, sondern den Grafen Tomski. Als Lisa ihr Heidenheim-Debüt geben wird die aus der Schweiz stammende Sopranistin Gabriela Scherer, die derzeit als Gräfin in Mozarts „Figaro“ an der Semperoper in Dresden zu erleben ist.

Der Mann vom Schwanensee: Peter Tschaikowsky, Opern und Ballette

Peter Tschaikowsky wurde am 7. Mai 1840 in Kamsko-Wotkinsk geboren und starb am 6. November 1893 in St. Petersburg. Zu seinen bekanntesten Kompositionen zählen auch die drei letzten der sechs von ihm vollendeten Sinfonien, das Violinkonzert, das erste Klavierkonzert und die Ballette „Schwanensee“, „Dornröschen“ und „Der Nussknacker“.

Das Libretto für die neunte von zehn Opern Tschaikowskys schrieb dessen jüngerer Bruder Modest nach einer Erzählung Alexander Puschkins. Uraufführung war am 19. Dezember 1890 im Mariinski-Theater in Sankt Petersburg. Bei den Opernfestspielen 2019 wird „Pique Dame“ achtmal aufgeführt werden. Premiere wird am Freitag, 5. Juli, sein.

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