Heidenheim Rodelpartie endet im Krankenhaus

Winter 1959: Seenlandschaft im Ugental.
Winter 1959: Seenlandschaft im Ugental. © Foto: Archiv
Heidenheim / Michael Brendel 04.02.2019
Anfang 1959 bleiben viele Autos in der Garage: aus Kostengründen und zum Schutz vor Eis und Schnee. In diesen zieht's die Wintersportler – manchmal mit schmerzhaften Folgen.

60 Prozent des Wassers, das nach dem Einsetzen der Schneeschmelze von Westen Richtung Heidenheim drängt, sollen nach vielen Jahren regelmäßiger Überschwemmungen künftig durch drei Bauwerke zurückgehalten werden: Nach dem Bau zweier Rückhaltebecken im Mauertal bei Söhnstetten und im Wental entsteht ab Anfang 1959 im Ugental ebenfalls eine Staumauer.

Sie setzt sich zusammen aus einem im Fels verankerten Betonriegel und einem dahinter liegenden Stützkörper aus Steinbrocken und Lehm. 40 000 Kubikmeter Erdaushub müssen bewegt werden, um dem Staudamm eine Höhe von 16 Metern zu verleihen.

Obwohl die Arbeiten von Tauwetter begleitet sind, gehen sie wie geplant vonstatten. Offenkundig ist nämlich der Boden auf der Alb kaum gefroren, sodass das Wasser an Ort und Stelle versickern kann. Dafür spricht auch, dass der Spiegel der Brenz kaum steigt und im Mauertal nur wenig Wasser zusammenläuft.

Viele Fahrzeuge abgemeldet

Zumindest die Hauptverkehrsstraßen im gesamten Kreis sind frei, und das gilt nicht nur hinsichtlich Eis und Schnee: Für deutlich mehr Platz als üblich sorgt auch, dass nach Angaben der Zulassungsstelle im Landratsamt jeder Sechste sein Kraftfahrzeug vorübergehend abgemeldet hat. Macht alles in allem 2356 Autos, Lastwagen, Motorräder, Omnibusse und Zugmaschinen, die nicht der winterlichen Witterung ausgesetzt werden sollen. Außerdem sparen sich die Halter in dieser Zeit natürlich Versicherungsbeiträge und Kraftfahrzeugsteuer.

So mancher geht also lieber zu Fuß und findet womöglich Gefallen an seiner neuen Rolle – vielleicht auch deshalb erfreut sich in den Kammer-Lichtspielen der laut Zeitungsanzeige „beglückende Film ,Drei Männer im Schnee'“ nach einem Roman von Erich Kästner mit Paul Dahlke, Claus Biederstaedt sowie Günther Lüders in tragenden Rollen großer Resonanz.

Weit mehr als drei Sportler tummeln sich derweil im Schnee rund um den Volkmarsberg bei Oberkochen. Das Gelände ist Schauplatz der Nordischen Meisterschaften des Ostalb-Bezirks. Fast zu einer reinen Vereinsmeisterschaft wird dabei das Spezialspringen auf der Hans-Maier-Schanze: Heinz Bosch, Raimund Vollmer, Georg Vollmer, Ulrich Haible, Emil Fischer und Hans Mitteregger vom SC Königsbronn landen auf den Plätzen zwei bis sieben. Den Sieg sichert sich allerdings Richard Knoblauch vom SV Unterkochen.

Der Wettbewerb geht ohne Zwischenfälle über die Bühne. Nicht so derjenige auf der Semmering-Sprungschanze in Niederösterreich. Dort verliert Albin Plank kurz nach dem Absprung einen Ski und bleibt nach einem gefährlich aussehenden Sturz im Auslauf liegen. Großes Aufatmen unter den 6000 Zuschauern, als er nach einer Schrecksekunde unverletzt aufsteht.

Knochenbrüche im Schnee

Nicht immer gehen Missgeschicke im Schnee aber so glimpflich vonstatten, wie ein Beispiel aus Gerstetten belegt. Dort endet eine Rodelpartie für einen Elfjährigen im Krankenhaus, weil er an der Ecke Friedrich-/Wasserstraße mit einem Auto zusammenstößt. Die Bergwacht muss sich derweil auf verschiedenen Hängen um Skifahrer kümmern, die sich bei Stürzen Knochenbrüche zugezogen haben.

Ein Unglück ganz anderer Art ist am 26. Januar Thema in der HZ: Die Staatsanwaltschaft stellt das Verfahren gegen einen unbekannten Brandstifter ein, auf dessen Konto zwei Feuer gehen, die im Oktober 1958 auf zwei landwirtschaftlichen Anwesen in Mergelstetten bzw. Herbrechtingen getobt haben. Obwohl zahlreiche Personen vernommen wurden, bleiben die Ermittlungen letztlich erfolglos.

Unterdessen stellt sich heraus, dass zwei Jugendliche, die am 29. Dezember ein Lebensmittelgeschäft in Mergelstetten überfielen, noch erheblich mehr auf dem Kerbholz haben: Einer der beiden, ein 15 Jahre alter Schüler, hat vergeblich versucht, in eine Wohnung und in ein Milchgeschäft einzubrechen. Außerdem hat er aus einem Automaten Zigaretten entwendet. Der andere, ein ebenfalls 15-jähriger Lehrling, ist in ein Jungmännerwohnheim eingestiegen, ohne allerdings Beute zu machen. Aus einem Clubhaus hat er die später bei der Tat in Mergelstetten verwendete Schreckschusspistole gestohlen.

Als Dummejungenstreich geht im Vergleich dazu durch, was mehrere Mergelstetter in ihren Briefkästen finden: Zettel mit der Aufschrift „Eltern behütet Eure Kinder. Der Mörder geht um.“

Weshalb gerade 60?

Im Dezember 2008 war der Lokschuppen Schauplatz einer Festveranstaltung, bei der eine damals seit 60 Jahren bestehende freie und unabhängige Presse in Heidenheim im Mittelpunkt stand. An jenem Abend mischten sich Aus- und Rückblicke, und unter anderem wurde die Idee geboren, in regelmäßigen Abständen in Erinnerung zu rufen, worüber die HZ jeweils 60 Jahre zuvor berichtet hatte. Die Serie startete mit der Rückschau auf 1949, mittlerweile gilt das Augenmerk schon dem Jahr 1959. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

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