Heidenheim Ringstraße um Heidenheim: Vision einer Umgehung

Die Agendagruppe hatte den Vorschlag, eine Ringstraße (blau) um Heidenheim zu ziehen, von der aus dann Achsen (rot) in die einzelnen Stadtteile führen.
Die Agendagruppe hatte den Vorschlag, eine Ringstraße (blau) um Heidenheim zu ziehen, von der aus dann Achsen (rot) in die einzelnen Stadtteile führen. © Foto: hz
Heidenheim / Tina Lischka 23.07.2018
Die Agendagruppe „Stadtverkehr“ hatte 2001 die Idee, mit einer Ringstraße das gesamte Heidenheimer Stadtgebiet weitestgehend von Autos zu befreien. Was daraus geworden ist.

Aus dem Wohngebiet raus, auf die Umgehungsstraße und ab zur Arbeit am anderen Ende der Stadt Heidenheim. Unangenehmer Stadtverkehr, Lärm und Staus? Schnee von gestern. Unmöglich? Nicht wenn es nach den Plänen der „Lokalen Agenda 21“ Projektgruppe „Stadtverkehr“ geht. Die hatte 2001 die Vision einer Ringstraße rund um Heidenheim, die genau das ermöglichen sollte.

Begonnen hat alles 1999, als die Stadt Heidenheim ebenso wie andere Städte in Baden-Württemberg eine „Lokale Agenda 21“ erstellte. Dabei handelt es sich um ein Projekt, das die Stadtentwicklung in Zusammenarbeit mit Bürgern und Institutionen zukunftsorientiert vorantreiben soll. Unterschiedliche Projektgruppen waren dafür zuständig, soziale, wirtschaftliche aber auch ökologische Aspekte aufeinander abzustimmen.

Agendagruppen aufgelöst

Heute gibt es die Heidenheimer Agendagruppen in dieser Form zwar nicht mehr. Visionen und Pläne hatten sie dennoch. So brachte die Projektgruppe „Stadtverkehr“ 2001 eine Denkschrift heraus, mit dem Ziel, nicht nur die Innenstadt, sondern das gesamte Stadtgebiet Heidenheim vom vielen Verkehr weitestgehend zu befreien.

Alle bis dato geplanten Ansätze der Stadt zum Thema Verkehrsentwicklung mit Tunnelprojekten wurden von ihnen als nicht zielführend betrachtet. So heißt es in der Denkschrift: „Allen Tunnel-Varianten ist eines gemeinsam: Sie sollen nur den Stadtkern entlasten.“ Andere Stadtteile würden mit einem City-Tunnel nicht berücksichtigt. Außerdem konzentriere sich der Verkehr mit einem Tunnel trotzdem im Zentrum, um sich danach wieder zu verteilen.

Ihre Alternative: Eine Ringstraße, die um das gesamte Heidenheimer Stadtgebiet führt. „Die Ringstraße bietet die Möglichkeit, erst gar nicht in die Innenstadt fahren zu müssen, um dann wieder in andere Stadtteile zu kommen“, heißt es weiter in der Denkschrift. Auch im Bau der Ringstraße sah man klare Vorteile gegenüber einem Tunnel. Zum einen bliebe die Innenstadt von größeren Baumaßnahmen verschont und zum anderen könne man schrittweise einzelne Abschnitte in Angriff nehmen – abgestuft, je nach Priorität.

So war damals von Seiten der Projektgruppe als einer der ersten Schritte eine nordwestliche Umgehung geplant. Das hatte für die Gruppe Vorrang aufgrund des damals geplanten Wohngebiets im Areal Fürsamen. In unterschiedlichen Varianten zeigt die Denkschrift auf, wie dieser Abschnitt aussehen sollte. Ausgehend von der Kreuzung B 19 und B 466 bei den Tieräckern führt eine Straßenvariante auf die Straße In den Seewiesen bis zum Hahnenschnabel. Zuvor erfolgt eine Überquerung der Brenz, der Bahn und der Heidenheimer Straße, um dann wieder in den Hang geführt zu werden. Durch einen Tunnel oder einen Einschnitt würde die Verbindung zur Mittelrainstraße erfolgen. Von dort aus geht es weiter über den Rauhbuch und dann wieder talwärts zum Tierheim und zur B 466.

Insgesamt stellte sich die Agendagruppe die Ringstraße wie ein Rad mit Speichen vor. Das Rad, der Ring um Heidenheim, sollte über die Erschließungsstraßen, also die Speichen, erreichbar sein.

Wenig Interesse

Umgesetzt wurde dieses Projekt, das auf eine Fertigstellung nach 25 bis 35 Jahren ausgelegt war, nie. „Kurz darauf hat sich die Gruppe aufgelöst. Es bestand wenig Interesse an der Agenda in Heidenheim und so hat sich das Thema im Sande verlaufen“, sagt Uwe Siedentop, Mitglied der Agendagruppe und Verfasser der Denkschrift. Damals habe man Seitens der Stadt an einem Tunnelbau festgehalten, so Siedentop. Zur von der Projektgruppe geforderten Prüfung des Konzepts Ringstraße sei es nie gekommen.

Warum? Man habe bereits zuvor andere Varianten wie den Innenstadt-Tunnel und die nördliche Entlastungstrasse eingehend geprüft, so der Pressesprecher der Stadt Heidenheim, Wolfgang Heinecker. Bei diesen Untersuchungen sei herausgekommen, dass bei einem Durchgangsverkehr von sechs Prozent des damals gemessenen Verkehrs eine Umgehungsstraße nicht zielführend wäre – also eine Entlastung in der Innenstadt nicht zu spüren wäre. „94 Prozent starten also in der Stadt und wollen in die Stadt“, so Heinecker. Er bezweifelt daher, dass jemand bereit wäre, eine längere Strecke aus der Stadt heraus auf die Umgehung zu fahren, um dann wieder in die Stadt zu kommen.

Das Ergebnis der Untersuchungen habe damals gezeigt, dass nur ein möglichst kurzer Tunnel in der Innenstadt den gewünschten Effekt bringt, so Heinecker. Sowohl Durchgangsverkehr als auch Ziel- und Quellverkehr würden dabei berücksichtigt.

„Eine Ringstraße um Heidenheim funktioniert nicht“, sagt Heinecker. Man könne Heidenheim nicht mit einem kleinen Dorf wie Heuchlingen und der Umgehung dort vergleichen. Die Leute müssten schließlich in die Innenstadt, was auch an der Industrie liege. Außerdem sei der Landschaftsverbrauch bei einer Umgehungsstraße heute unvorstellbar.

„Wir sind nicht von der Umgehung überzeugt, aber sie ist besser als ein Tunnel“, sagt Siedentop. Naturschutz und Landverbrauch würden in ihrem Vorschlag zwar noch nicht berücksichtigt, aber: „Es war nur ein grobes Konzept, das müsste man natürlich verfeinern“, sagt er.

Mit Experten hätte man Stück für Stück vorgehen und alle, die betroffen sind, miteinbeziehen wollen. Für Verbesserungen, die sich im Laufe einer Planung ergeben hätten, wäre man offen gewesen, so Siedentop.

Alternativen aufgezeigt

So hat man schon vorab in der Denkschrift Alternativen zu einzelnen Teilstücken der Umgehung aufgezeigt, weil die Verkehrslage nicht ganz klar war. Varianten zur Umgehung auf Höhe des Waldfreibads wurden zum Beispiel genauer abgewogen. „Das Freibad ist ein Naherholungsort“, Verkehr der zu dicht daran vorbei führen würde, hätte also eine negative Auswirkung gehabt, so Siedentop.

Bis heute hat sich der Innenstadt-Tunnel als Varianten zur Verkehrsentlastung durchgesetzt. Zwischenzeitlich hat sich der Plan so weiterentwickelt, dass es der Tunnel, der unter der Olgastraße vom Pressehaus bis nach der Bergstraße reichen soll, in den Bundesverkehrswegeplan 2030 geschafft. Damit sei der Tunnel zwar noch nicht gebaut, aber es sei eine positive Entwicklung so Heinecker.

Was ist die „Lokale Agenda 21“?

Es handelt sich dabei um ein kommunales Handlungsprogramm, das dazu beitragen soll, Gemeinden nachhaltig zu entwickeln.

Grundlage dafür ist ein weltweites Programm von 1992, die „Agenda 21“. 178 Mitgliedsstaaten der UNO haben es sich damals zum Zeil gemacht zahlreiche Politikfeldern zukunftsorientiert voranzubringen.

Über 10 000 Städte und Gemeinden weltweit haben die Agenda auf lokaler Ebene befürwortet. In Deutschland sind es 2600. Der Leitsatz „Global lenken – lokal handeln“ wurde in diesem Zusammenhang bekannt.

In Arbeitsgruppen machte man sich zusammen mit Bürgern, Vereinen und Institutionen an die Umsetzung.

Während die Agenda-Zusammenarbeit in vielen Gemeinden im gesamten Bundesgebiet inzwischen eingeschlafen ist, darunter auch in der Stadt Heidenheim, arbeiten in der Nachbarstadt Giengen immer noch Agendagruppen zusammen.

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