Heidenheim / Andreas Uitz Ein Kommentar von Andreas Uitz über die Waldrodung auf dem Rinderberg.

Ja, was in der vergangenen Woche auf dem Rinderberg passiert ist, wirkt brutal. Der Kahlschlag auf einer Fläche von zehn Hektar Wald bietet alles andere als einen schönen Anblick, hier wurde Natur zerstört.

Sofort waren Vorwürfe zu hören, die Fällung sei eine Nacht- und-Nebel-Aktion, die Öffentlichkeit nicht informiert worden. Vorwürfe, die sich die Verwaltung nicht bieten lassen muss. Denn im Verfahren war von Anfang an alles transparent. Dass der Rinderberg eines Tages abgeholzt wird, ist seit 25 Jahren klar.

Der Bebauungsplan, in dem der Rinderberg als Industriegebiet vermerkt ist, stammt aus dem Jahr 1993. Seitdem ist offenkundig, dass auf diesem Areal früher oder später sich Gewerbe angesiedeln wird. Ebenso klar ist seitdem, dass zu diesem Zweck der Wald gerodet werden könnte.

Dass so lange nichts passiert ist, und der Großteil der vorgesehenen Fläche bis Anfang vergangener Woche schöner Wald war, ist einzig der Tatsache geschuldet, dass sich bisher keine Interessenten gefunden hatten, die an diesen Standort ziehen wollten – trotz jahrelanger Bemühungen der Stadt.

Jetzt gibt es mit dem Unternehmen Gazeley einen Investor, der das Areal kaufen und bebauen will. Als das im Mai vergangenen Jahres bekannt wurde, war klar, dass dafür zehn Hektar Wald gefällt werden müssen. Trotz ausführlicher Berichterstattung regte sich damals kaum Widerstand gegen die Planungen.

Im darauf folgenden Verfahren für die Waldumwandlung und der damit einhergehenden öffentlichen Auslegung der Pläne gab es von Seiten der Parteien, Verbände und Privatpersonen keinerlei Stellungnahmen. Der große Protest und die Empörung setzten erst ein, als die Holzvollernter anrückten.

Daran, dass Wald ein wichtiges Gut ist, besteht keinerlei Zweifel. Die jetzt gefällte Fläche macht allerdings nur 0,15 Prozent der Waldfläche auf Heidenheimer Gemarkung aus. Insofern ist auch die Entscheidung, sie zugunsten von neuen Arbeitsplätzen zu „opfern“, nachvollziehbar.

Mit der Ansiedlung eines riesigen Logistikzentrums in unmittelbarer Nähe der Autobahn versucht die Stadt Heidenheim, wie alle Kommunen, im Wettkampf um Gewerbeansiedlungen und damit um Arbeitsplätze mitzuhalten. Das ist per se nicht verwerflich, denn zu den Aufgaben einer Stadt gehört es auch, die Rahmenbedingungen für Arbeitsplätze aller Art zu bereiten.

Und dieses Ansinnen ist nicht neu. Es bestand schon lange bevor entlang der Autobahnen ein Logistikzentrum nach dem anderen aus dem Boden schoss. Der Protest kommt zu spät.

Bereits seit einem Jahr ist bekannt, dass rund zehn Hektar Wald gefällt werden sollten. Nach einer intensiven Umweltverträglichkeitsprüfung wurde die Rodung genehmigt.