Heidenheim Mietautos unterschlagen: Heidenheimer muss viereinhalb Jahre in Haft

Fahrzeuge unter falschem Namen gemietet und weiterverkauft oder ins Ausland geschafft haben soll ein 53-Jähriger, der jetzt wegen bandenmäßigen Betrugs verurteilt wurde.
Fahrzeuge unter falschem Namen gemietet und weiterverkauft oder ins Ausland geschafft haben soll ein 53-Jähriger, der jetzt wegen bandenmäßigen Betrugs verurteilt wurde. © Foto: mindwalker/stock.adobe.com
Heidenheim / Jens Eber 06.07.2018
Mit gut 20 Verhandlungstagen hatte man gerechnet, überraschenderweise gab es aber bereits am ersten Verhandlungstag ein Urteil: Ein 53-jähriger Heidenheimer muss viereinhalb Jahre in Haft.

Es gibt im deutschen Prozessrecht den Begriff der Prozessökonomie, der wie ein Widerspruch in sich erscheint. Schließlich darf man von einem Gericht erwarten, dass es sich so lange mit einem Fall beschäftigt, bis es der Wahrheit so nah wie nur möglich gekommen ist. Die Ökonomie mit ihrem Hang zur Effizienz scheint nicht zwingend der beste Weg hin zur Wahrheit zu sein. Der sprichwörtliche „kurze Prozess“ hat dagegen völlig zu Recht einen Beigeschmack.

Dennoch gab es am Mittwoch am Ellwanger Landgericht ein Beispiel für Prozessökonomie zu erleben, an dessen Ende alle Beteiligten zumindest nicht unzufrieden wirkten.

Teil einer Bande

Angeklagt war ein 53-jähriger Heidenheimer, dem vorgeworfen wurde, Teil einer Bande gewesen zu sein, die von Ende 2015 bis ins Frühjahr 2017 im süddeutschen Raum vor allem typische Kleintransporter wie Sprinter oder Crafter, aber auch hochwertige Pkw mittels falscher Ausweise anmietete und danach teils mit gefälschten Papieren und Fahrzeugidentifikationsnummern verkauft oder nach Rumänien verschoben hat.

In drei Fällen erschlich sich die Bande so auch Fahrzeuge in Heidenheim und Giengen, außerdem verkaufte der Angeklagte zwei der Fahrzeuge in Heidenheim. Allein in den Fällen, die am Ende dem Heidenheimer zweifelsfrei zugeordnet werden konnten, entstand den Autovermietungen und Käufern ein Schaden von fast einer halben Million Euro. Der Gewinn der Bande dürfte indes deutlich geringer gewesen sein, sie hatte für gefälschte Ausweise und Fahrzeugpapiere nicht nur Ausgaben, sie verkaufte die entwendeten Fahrzeuge offenbar auch weit unter Wert. Nicht einmal eine Handvoll der Fahrzeuge ist wieder aufgetaucht.

Insgesamt ging es vor der Zweiten Großen Strafkammer des Landgerichts um 38 Fälle, 20 Zeugen und ein Gutachter sollten im Laufe des Prozesses aussagen. Allein für den Juli waren acht Verhandlungstage angesetzt, wobei der Vorsitzende Richter Bernhard Fritsch von gut 20 Tagen ausging, um das komplexe Geflecht zu entwirren, das der 53-Jährige mit seinen Kumpanen gesponnen hatte – mit entsprechendem personellen Aufwand: Der Angeklagte hätte jedes Mal aus der Untersuchungshaft in Schwäbisch Hall gebracht werden müssen, Justizwachtmeister hätten den an den Beinen gefesselten Mann bewachen müssen, dazu der logistische Aufwand, Zeugen und Geschädigte teils mit Übersetzern zu vernehmen.

Nach nur einer halben Stunde Verhandlung zog sich die Strafkammer mit Staatsanwalt und Verteidiger bereits zurück, zu einem Verständigungsgespräch. Dieses zog sich fast anderthalb Stunden hin. Danach war klar: Der Angeklagte räumt einen Großteil der ihm zur Last gelegten Taten ein, mit der Aussicht auf eine Haftstrafe von viereinhalb Jahren. Zur selben Strafe wurde im Januar bereits ein weiteres Bandenmitglied vom Landgericht Passau verurteilt.

Dass solche Absprachen, die im Zuge einer öffentlichen Verhandlung hinter verschlossenen Türen stattfinden, ein Geschmäckle haben können, war offensichtlich dem Vorsitzenden Richter ebenso bewusst wie dem Ersten Staatsanwalt Peter Humburger, der in seinem Plädoyer betonte, auch eine aufwendige Beweisaufnahme hätte wohl zum gleichen Ergebnis geführt.

Mehrere Kisten voller Akten

Humburger sagte aber auch, ein Sachverhalt, der mehrere Kisten voller Ermittlungsakten umfasse, könne an einem Tag nicht vollständig aufgearbeitet werden. Die Bande, zu der neben den beiden Verurteilten auch mehrere Männer gehört haben, deren echte Namen weder der Heidenheimer noch der 38-jährige in Passau Verurteilte kennen wollten, habe ein komplexes System aufgebaut, um Autos entweder an gutgläubige Dritte zu verkaufen, oder nach Rumänien zu verschieben.

Ob es einen Bandenkopf gab, bleibt unklar. Der 38-Jährige in Passau hatte den Heidenheimer dahingehend belastet, fühlte sich angeblich sogar von diesem bedroht, was der 53-Jährige mit einem kurzen Auflachen quittierte. Überhaupt gab sich der in Rumänien geborene Deutsche recht wortkarg. Auf das letzte Wort verzichtete er, sein Geständnis ließ er von seinem Anwalt verlesen. Darin betonte er, dass er selber keines der Autos angemietet habe, seine Aufgabe seien die Organisation gewesen, zum Teil auch der Verkauf der Fahrzeuge. Teils habe er sie ins Ausland gefahren.

Nur in den Angaben zur Person sprach der Angeklagte, der wohl nicht zwingend auf der schiefen Bahn landen musste: Nach dem Abitur in Heidenheim absolvierte er eine Handwerkerlehre und arbeitete als Anlageberater und als Autohändler. Bereits mit Mitte zwanzig wurde er für einen Fahrzeugdiebstahl verurteilt, später saß er jeweils mehrere Jahre wegen Drogenschmuggels in Spanien und Frankreich ein. In Spanien lernte er seinen Kumpanen kennen, der ihn im Passauer Verfahren belastete.

Sowohl Staatsanwalt als auch Verteidiger plädierten auf eine Haftstrafe von viereinhalb Jahren. Dem schloss sich die Strafkammer an. Vorsitzender Richter Bernhard Fritsch sagte in seiner Urteilsbegründung, er gehe zwar davon aus, dass der 53-Jährige stark zu seinen Gunsten ausgesagt habe, gleichwohl habe er sich in 29 Fällen ohne Umschweife belastet. Das Gericht sei mit dem Ergebnis und der Effektivität des Verfahrens zufrieden. Gleichwohl sei die Verkürzung nur möglich gewesen, weil bereits das rechtskräftige Urteil aus Passau vorlag, und weil, so Fritsch, Polizei und Staatsanwaltschaft gründlich gearbeitet hätten.

Ob die anderen Bandenmitglieder – mehrere womöglich falsche Namen kursierten in den Prozessen – nur kleine Lichter waren und ob die Betrügereien damit ein Ende haben, bleibt unklar. Zumindest aber sind zwei Dreh- und Angelpunkte der Bande nun für mehrere Jahre in Haft.

Der 53-Jährige nahm das Urteil recht gelassen hin. Als er am Mittwoch abgeführt wurde, scherzte er mit dem Wachtmeister.

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