Heidenheim - Brenzpark Revolverheld feiert mit 3500 Fans

Heidenheim / Kathrin Schuler 13.08.2018
Zwei Stunden ließ es die Hamburger Band „Revolverheld“ am Samstagabend mit dem Publikum im Brenzpark krachen.

Wenn eine Band fast ein ganzes Jahr im Studio verbringt und dann zurückkommt auf die Bühne, kann es passieren, dass zu Beginn nicht alles rund läuft. Oder aber die Musiker sind wie von der Leine gelassen und feiern mit dem Publikum eine zweistündige Sause.

Letzteres war am Samstagabend beim Brenzpark-Openair der Fall: Die vier Jungs von „Revolverheld“ rissen das Publikum von der ersten Minute an mit sich und hatten bei dem Konzert nach ihrer längeren Pause mindestens genauso viel Spaß wie die rund 3500 Fans, die zum zweiten Tag des Brenzpark-Openairs gekommen waren. Zwar hatte die Band gleich zu Beginn des Konzerts und auch später noch einmal kurz technische Probleme mit dem Bass – „Es ist doch immer der Bass!“, meinte Sänger Johannes Strate – doch der ausgelassenen Stimmung tat das keinen Abbruch.

Mehr als zwei Stunden Fahrt

Als Revolverheld mit ihrem Song „Immer noch fühlen“ um kurz vor 21 Uhr das Konzert eröffneten , waren dann auch sofort alle Hände in der Luft und das Geschrei der Teenager, die sich die besten Plätze direkt vor der Bühne gesichert hatten, ließ nicht eine Sekunde auf sich warten.

„Wir können mit Fug und Recht behaupten, dass das hier unser größtes Konzert in Heidenheim überhaupt ist“, scherzte Strate – war es doch das erste Mal, dass die Band hier überhaupt zu Gast war. Und obwohl viele Fans aus der Region diese erste Chance auf ein Openair-Konzert mit „Revolverheld“ genutzt hatten, war es doch nur gut die Hälfte des Publikums, dass die Hände hob, als Strate nachfragte, wer denn hier aus einem Umkreis von zehn Kilometern gekommen war.

Nicht wenige waren es, die eine Fahrt zwei Stunden oder noch mehr auf sich genommen hatten, um die Hamburger Band live erleben zu können. Etwas ganz anderes als in Berlin sei das: „Wenn man da in Kreuzberg spielt, ist das den Leuten aus Berlin Mitte schon zu weit zum Fahren“, witzelte der Sänger.

Passenden Songs im Repertoire

Um große Entfernungen ging es dann auch beim nächsten Song „Liebe auf Distanz“. Mit dem gefühlvollen Lied, das die Schwierigkeiten einer Fernbeziehung thematisiert, konnten sich auch diejenigen identifizieren, die mit diesem Thema selbst noch keine Erfahrungen gemacht hatten: Das Gefühl, jemanden zu vermissen und nicht bei sich haben zu können, kannte wohl jeder – und dementsprechend viel Jubel gab es dann auch für die vier Jungs auf der Bühne.

Trotz der vielen emotionalen Songs schaffte es „Revolverheld“, nicht nur für die zugegeben vielen Romantiker unter den Fans das passende Repertoire aufzufahren. Mit Liedern wie „So wie jetzt“ gelang es den Jungs jedoch auch, eine ausgelassene Stimmung zu schaffen, die dazu einlud, den Moment so zu genießen wie er war – auch wenn der ein oder andere trotzdem nicht davon lassen konnte, ebendiesen Moment mit dem Smartphone einzufangen, um ihn auch in Zukunft noch genießen zu können.

Große Geschütze zum Abschluss

Doch natürlich durften auch die ganz großen Balladen nicht fehlen, auf die bestimmt nicht wenige den ganzen Abend gewartet hatten. Bei „Halt dich an mir fest“, das „Revolverheld“ im Jahr 2010 einen großen Sprung nach vorn gebracht hatte, gab es in der Menge kaum jemanden, der nicht absolut textsicher war.

Ende 2016 hatte sich die 2002 in Hamburg gegründete Band nach zwei besonders intensiven Jahren in eine wohlverdiente Pause verabschiedet. Nachdem im April 2018 dann das neue Album „Zimmer mit Blick“ erschienen war, sind die Musiker jetzt zurück auf der Bühne. Kaum zu übersehen war, dass ihnen die Interaktion mit dem Publikum gefehlt hatte – waren sie doch den ganzen Abend zum Schwatzen aufgelegt und plauderten aus dem Nähkästchen.

Und obwohl es während des ganzen Konzerts keinen stimmungsmäßigen Tiefpunkt gegeben hatte, fuhr „Revolverheld“ gegen Ende des Konzerts noch einmal die ganz großen Geschütze auf: Rauchgefüllte Seifenblasen wirbelten bei „Ich lass für dich das Licht an“ umher, Luftballons tanzten auf de Händen der Menge, Strate nahm ein ausgiebiges Bad in der Menge und das ganze Publikum setzte sich bei „Darf ich bitten“ auf den Boden, um dann wie auf Kommando noch einmal kurz vor Schluss wie wild aufzuspringen und zu tanzen.

Doch auch das schönste Konzert ist irgendwann vorbei. Zwar ließ sich die Band um eine Zugabe nicht lange bitten – nach mehr als zwei Stunden war dann aber wirklich Schluss. Enttäuscht nach Hause gegangen sein dürfte nach diesem Abend aber wohl niemand.

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