Rechtsruck Reservistenverband: Kiesewetter kritisiert politische Ausrichtung

Kritisiert einen Rechtsruck beim Reservistenverband: Roderich Kiesewetter steht zu seinem Abschied als Präsident.
Kritisiert einen Rechtsruck beim Reservistenverband: Roderich Kiesewetter steht zu seinem Abschied als Präsident. © Foto: Markus Brandhuber
HZ 15.09.2017
Ex-Präsident Kiesewetter steht zu seinem Amtsverzicht – und kritisiert die politische Ausrichtung.

Mehr als ein Jahr nach seinem damals überraschenden Rückzug aus dem Amt des Präsidenten des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr hat der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter sich jetzt zu bisher weniger bekannten Motiven geäußert.

Kiesewetter, der dem Reservistenverband seit November 2011 als Präsident vorgestanden hatte, hatte Ende Juni 2016 auf sein Amt verzichtet – damals vor allem wegen der aus seiner Sicht unverantwortlich hohen Kosten bei einem Empfang des Verbandes in einer Berliner In-Lokalität, die einer seiner Stellvertreter organisiert hatte.

„Der Verband entfernte sich von der Mitte“

Die schon damals von Beobachtern als eher randständig empfundene Kostenaffäre war für Kiesewetter aber wohl doch eher der Anlass als der Grund, sich aus dem Spitzenamt zurückzuziehen: „In der Flüchtlingskrise hat sich der Verband aus meiner Sicht von der Mitte der Gesellschaft wegbewegt“, so Kiesewetter in einem Interview mit der HZ, das am kommenden Samstag erscheint.

„Ich wollte nicht das moderne, freundliche Gesicht eines rückwärtsgewandten Verbands sein“, sagt der CDU-Politiker, der in seiner Amtszeit mit einer ganzen Reihe von Modernisierungsversuchen aufgefallen war: Er feuerte NPD-Mitglieder aus den Reihen des Verbandes und öffnete die Idee des Dienstes für Deutschland auch in Richtung Feuerwehr, THW und auch zivilen Leistungen wie dem Bundesfreiwilligendienst.

„Als dann noch klar wurde, dass andere Funktionäre ihrer finanziellen Verantwortung nicht gerecht wurden, war für mich die Grenze erreicht“, so Kiesewetter. Der Verzicht auf das prominente Spitzenamt habe ihm „eine Menge Zeit für die eigentliche Aufgabe“ als Abgeordneter beschert, so Kiesewetter – dies sei aber nicht der Grund gewesen, das Amt aufzugeben.