Heidenheim Opernfestspiele 2017: Rekorde und Überschüsse

Der Gemeinderat ist hochzufrieden mit den Opernfestspielen: ein Grund zur Zufriedenheit, aber nicht, um die Hände in den Schoß oder gar die Beine auf den Tisch zu legen (unser Bild zeigt eine Szene aus „Un giorno di regno“ in der Saison 2017).
Der Gemeinderat ist hochzufrieden mit den Opernfestspielen: ein Grund zur Zufriedenheit, aber nicht, um die Hände in den Schoß oder gar die Beine auf den Tisch zu legen (unser Bild zeigt eine Szene aus „Un giorno di regno“ in der Saison 2017). © Foto: Oliver Vogel
Heidenheim / Manfred F. Kubiak 06.06.2018
Heidenheims Stadträte zollen den Machern für deren Bilanz der Saison 2017 Respekt. Auch die Entwicklung des bis 2020 angelegten Projekts „Festspielstadt“ schreitet gut voran.

Zuschauerrekorde sind toll, aber noch lange nicht alles, was die Entwicklung der Heidenheimer Opernfestspiele in den vergangenen Jahren anbelangt. Denn auch wenn es ums Geld geht, scheinen die Meinungen inzwischen nicht mehr auseinanderzugehen. Im Gemeinderat jedenfalls wird nicht mehr regelmäßig über Sinn oder Unsinn der Festspiele debattiert, sondern, so wie am Dienstagabend, als das Gremium sich dem Bericht der Opernfestspiele für die Spielzeit 2017 widmete, sogar unisono gelobt.

Am Ende waren die Reaktionen einhellig. „Gratulation, ordentlich gewirtschaftet“, konstatierte Ulrich Grath für die Freien Wähler. „Ganz großen Respekt“ zollte Rudi Neidlein für die SPD. Und Uwe Wiedmann hielt für die CDU fest: „Die finanzielle Entwicklung rechtfertigt unser Vertrauen .“

Weniger Zuschussbedarf

Das klang selbstverständlich auch in den Ohren von Kulturamtsleiter Matthias Jochner mehr als angenehm, der zuvor den Bericht erstattet hatte. Demnach rangierte die vergangene Spielzeit nicht nur mit 17 762 Besuchern auf Platz zwei der ewigen Bestenliste. Finanziell erbrachte die Saison sogar einen Überschuss von 50 000 Euro; Geld, das mit ins Jahr 2018 mitgenommen werden konnte. Gesamtausgaben von 2,36 Millionen Euro hatten Gesamteinnahmen von 1,66 Millionen gegenübergestanden. Und die Stadt musste mit 700 000 die nun überschüssigen 50 000 Euro weniger als erwartet zuschießen.

Den auch nicht gerade alten Besucherrekord aus dem Jahre 2016, als 18 400 Besucher gezählt worden waren, hatte man letztendlich wahrscheinlich auch nur deshalb verpasst, weil die Hauptproduktion 2017, Wagners „Holländer“, zweimal weniger aufgeführt worden war als die Hauptattraktion 2016, Puccinis „La Bohème“. Die acht „Holländer“-Vorstellungen waren zu über 100 Prozent ausgebucht gewesen, die Konzerte und die Junge Oper zu knapp hundert Prozent. Alle Veranstaltungen zusammengenommen, hatte man sich über ein Gesamtauslastung von 96 Prozent gefreut, ebenfalls das zweitbeste Ergebnis aller Zeiten.

Eine das Gremium auchhoch zufriedenstellenden Bilanz zog Matthias Jochner sodann in Sachen „Cappella Aquileia“ und „Education“. Hinter letzterem Begriff verbirgt sich die auch mit Mitteln der Bundeskulturstiftung geförderte Basisarbeit der Opernfestspiele in Schulen, Musikschulen und Kindergärten des Landkreises. Hier wurden in den Jahren 2016 und 2017 in über 360 öffentlichen und nichtöffentlichen Veranstaltungen 5144 Teilnehmer erreicht und beinahe 10 000 Zuschauer gezählt.

Um ein Vielfaches weiter als versprochen und erwartet sind nach dem Bericht von Matthias Jochner die Opernfestspiele, was die Planerfüllung im Rahmen des vorerst bis zum Jahr 2020 angelegten Projekts „Festspielstadt“ anbelangt. Das Konzept war, einhergehenden mit einer deutlichen Budgetaufstockung für die Festspiele, vom Gemeinderat im Jahr 2014 auf den Weg gebracht worden.

Unter anderem geht es dabei auch um die Entwicklung des Programms und der künstlerischen Qualität, wobei Jochner hier nicht zuletzt auf Maßnahmen wie die Ausweitung des Angebots durch die neue Programmschiene mit Opern des jungen Verdi, neue Konzertformate, die Verpflichtung der Stuttgarter Philharmoniker und des Philharmonischen Chors Brünn hinwies. Dazu sei es gelungen, durch international renommierte Regisseure und Bühnenbildner die qualitative Gleichstellung von Musik und Szene zu gewährleisten. CD-Produktionen und Rundfunkübertragungen sind ebenfalls längst Usus. Der Zuschauerzuspruch beweise, dass Angebot und Qualität honoriert würden.

Noch Luft beim Marketing

Arbeit zu erledigen gibt es unter anderem noch für das Ziel, die Marke der Opernfestspiele durch gezieltes und gesteigertes Marketing noch bekannter zu machen, insbesondere deutschlandweit und darüber hinaus. Die Wahrnehmung der Opernfestspiele gehe hier noch nicht parallel zur hervorragende Qualität der Opernfestspiele, auch wenn 2017 außerhalb Heidenheims 224 redaktionelle Beiträge in Zeitungen und Fachzeitschriften erschienen seien, davon 36 sogar außerhalb Deutschlands. Auch für den „Festspielstadt“-Bericht ernteten die Opernfestspiele Lob aus dem Gremium, wenngleich Rudi Neidlein angesichts der in den vergangenen Jahren eklatant gewachsenen Aktivitäten auch davor warnte, nicht zu schnell und zu forsch zu wachsen. Ulrich Grath zeigte sich insgesamt erneut „beeindruckt“, Petra Saretz (CDU) stellt fest: „Hier wird effektiv gearbeitet.“

Opernzahlenspiele: Besucher und Auslastung

Der Besucherrekord der Opernfestspiele aus dem Jahr 2016 steht bei 18.400 Besuchern.

Die beiden nächstbesten Spielzeiten waren 2017 mit 17.762 und 2015 mit 17.631 Besuchern. Weitere Rekordjahre waren zuvor unter anderem 2014 (15.997), 2012 (15.038), 2006 (13.875) oder 2010 (13.740) gewesen.

Der Auslastungsrekord resultiert mit 98,27 Prozent aus der Spielzeit 2013.

Es folgen in dieser Hitliste die Saison 2017 mit 96,13 Prozent, 2016 mit 94,98 und 2012 mit 9474 Prozent. Zuletzt unter 90 Prozent abgeschlossen hatte man 2010 (78,17) und 2014 (89,79) gelegen.

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