Heidenheim / Manfred F. Kubiak  Uhr
2018 kamen mit 19 736 Besuchern mehr als je zuvor. Dass es noch mehr wurden, verhinderte der „Schwarze Freitag“, der auch mit Mindereinnahmen von 40 000 Euro ins Kontor schlug.

Rekorde sind nicht alles, aber Rekorde tun halt auch gut. Insofern fällt es nicht schwer, die Zufriedenheit im Lager der Opernfestspieler nachzuvollziehen. So ging es auch den Mitgliedern des Kulturausschusses des Gemeinderats, die sich mit der Vorjahresbilanz der Festspiele zu beschäftigen hatten und mit ihrem Lob dafür letztendlich auch nicht hinter dem Berg hielten.

Friede und Freude also und, wenn man so will, auch Eierkuchen. Allerdings mit einem fetten Wermutstropfen, der, aber dazu später, gewissermaßen aus heiterem Himmel gefallen war.

„Schwarzer Freitag“

Zunächst jedoch der Rekord. Mit 19 736 Besuchern hatten die Opernfestspiele in der Saison 2018 so viele Gäste angelockt wie noch nie zuvor in ihrer 54-jährigen Geschichte. Die bisherige Bestleistung von 18 402 Besuchern aus der Spielzeit 2016 wurde damit deutlich überboten.

Und wäre noch deutlicher überboten worden, wenn da nicht der „Schwarze Freitag“ vom 6. Juli gewesen wäre, als erstmals überhaupt in der Historie der Opernfestspiele eine Vorstellung abgesagt werden musste. Eine ausverkaufte. Und das höchst kurzfristig, weil eine auch von den professionellen Wetterfröschen nicht über Heidenheim, sondern weiter nördlich über dem Kochertal erwartete Gewitterfront über Abtsgmünd plötzlich ihre Richtung geändert und pünktlich zum Beginn von „Nabucco“ den Schlossberg und den Rittersaal erreicht hatte.

Die Geschichte ist längst bekannt. Vollständig berechnet ist nun allerdings auch das Defizit, das die Absage als Loch in die Kasse der Festspiele gerissen hat: 40 000 Euro. Infolge des trotz des heißen Sommers sich ausgerechnet an Festspieltagen von Anfang an oft als erstaunlich labil erweisenden Wetters hatten die Festspiele kurzfristig in noch wassersicherere Technik investiert, was am Ende und im Gegensatz zur finanziellen Planung mit dem Fehlbetrag des „Schwarzen Freitags“ unterm Strich zu einem Minus von 47 000 Euro in der Bilanz führte.

Der dadurch erhöhte Zuschussbedarf wurde über den Etat des Fachbereichs Kultur ausgeglichen. Insgesamt floss für die Opernfestspiele (inklusive Junge Oper, Education-Programm und Cappella Aquileia“) bei Gesamtausgaben von rund 2,7 Millionen Euro und Gesamteinnahmen von rund 1,7 Millionen Euro ein Zuschuss von knapp 961 000 Euro. Wobei der Anteil der Eigenfinanzierung bei den Opernfestspielen mit 60 Prozent nach wie vor für das Genre weit überduchschnittlich hoch ist.

Lob und Deckel

„Das lässt sich sehen“, „toll“, „großartig“, „Leuchtturm“, „hochklassig“ lauteten, grob zusammengefasst, am Ende die Titel der Loblieder aus den einzelnen Gemeinderatsfraktionen, die von Uwe Wiedmann (CDU), Sabine Bodenmüller (SPD), Christa Miola (Grüne), Ulrike Monz (Freie Wähler) und Sabine Skwara (CDU), die extra noch Festspieldirektor Marcus Bosch allerhöchstes Lob für seine Leistung in den vergangenen zehn Jahren zollte, gesungen wurden. Hingegen stellte Norbert Fandrich für die Linken in den Raum, dass die „Mehrzahl der Menschen“ hier mit den Festspielen „nichts am Hut“ hätte und der Zuschuss so langsam gedeckelt gehöre.

Bildergalerie Nabucco: Auf dem Roten Teppich zur Permiere

Vorverkauf für 2019 läuft gut

Während der Gemeinderat sich noch mit der Opernfestspielbilanz 2018 beschäftigte, blicken die Festspieler schon gebannt auf andere Zahlen, nämlich auf die des Vorverkaufs für die Spielzeit 2019, die unmittelbar vor der Tür steht. Die Hauptoper der Saison ist bekanntlich Peter Tschaikowskys „Pique Dame“ (Premiere am Freitag, 5. Juli). Und siehe da: Obwohl das Werk kein Blockbuster wie Verdis „Nabucco“ ist, der im vergangenen Jahr verhandelt wurde, sind mit 5013 Karten bislang bereits 73 Prozent aller Billets für die acht Vorstellungen verkauft. Zum Vergleich: Der am Ende selbstverständlich restlos ausverkaufte „Nabucco“ lag Anfang Mai bei 87 Prozent, der am Ende ebenfalls nahezu immer ausverkaufte „Macbeth“ 2015 bei lediglich 50 Prozent. Ach die zweite Oper, Verdis „Ernani“, liegt mit sogar 79 Prozent Auslastung bemerkenswert im Rennen. Ähnlich sieht es derzeit bei den Konzerten aus.