Heidenheim / Klaus Dammann Nicole Kidman liefert im Thriller „Destroyer“ ein sensationelles Psychogramm.

Es könnte nur ein Spannungsstück klassischer Schule sein, doch was Regisseurin Karyn Kusama und ihre Hauptdarstellerin Nicole Kidman daraus machen, hebt den US-Thriller weit über den Durchschnitt. Ausgezeichnet fotografiert erzählt der Film von der heruntergekommenen L. A. Police Detective Erin Bell, deren Familienleben zerstört ist und die ein Alkoholproblem hat. Als die Leiche eines erschossenen Manns gefunden wird, weiß Bell auf Anhieb, wer dahintersteckt. Für sie wird es zur Begegnung mit der eigenen schmerzvollen Vergangenheit. Und die will sie diesmal unter allen Umständen ins Reine bringen.

„Destroyer“ wartet nicht nur mit einer packenden und weitgehend unvorhersehbaren Story auf, sondern besticht durch seine unkonventionelle Erzählstruktur. In ihrer Chronologie nonlinear breitet Regisseurin Kusama Gegenwart und Vergangenheit einander durchdringend aus, führt den Zuschauer Stück für Stück während der Mordermittlungen mit dem Hintergrund zusammen, der die Protagonistin zum einsamen jagenden Wolf werden lässt. Der Aufbau und der Story-Twist des Thrillers erinnern an das grandiose Schock-Drama „Nocturnal Animals“. Die Atmosphäre einer kalten, menschenfeindlichen Welt leistet das Ihre zu diesem Eindruck.

Oscargewinnerin Nicole Kidman – diesmal vom gewohnten Blond zu brünett transformiert – zeigt in ihrer darstellerischen Tour de Force das fesselnde Psychogramm einer desillusionierten Frau, nimmt einen mit auf eine Reise in die Seele. Die dramatische Vorstellung nutzt sie zu psychischem und physischem Einsatz, der in seiner Intensität grenzüberschreitend wird. Großartige Arbeit leisteten die Maskenbildner beim Wechsel zwischen der älteren Erin Bell und ihrem jüngeren Ich.

Raum für einen Ausweg aus diesem zeitgenössischen, düsteren Teil Amerikas, den Kusama so stark eingefangen und modern aufbereitet hat, lässt „Destroyer“ weder für seine Hauptfigur noch für sein Publikum. Als Kulturfilm im Kino-Center, ab 12

Außerdem neu im Kino

The Silence

Parasiten, die aus einem Höhlensystem freikommen, mutieren zu Menschen angreifenden Monstern. Die Biester reagieren auf jede Art von Geräusch und die Menschen müssen lernen, in Stille zu verharren, wenn sie überleben wollen. Zusammen mit ihrer Familie flieht die gehörlose Ally in die Wälder. Stanley Tucci und Kiernan Shipka spielen die Hauptrollen in dem US-Horrorthriller (Capitol, ab 16).

 

Sehenswert

Avengers: Endgame

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