Heidenheim / Manfred F. Kubiak Der Extrembergsteiger fungiert im restlos ausverkauften Heidenheimer Congress-Centrum diesmal als vierte Dimension.

Wenn er ruft, dann kommen die Leute auf den Schlossberg. Aus weitem Umkreis. Und jeder der 1266 Plätze im Congress-Centrum ist besetzt, als am Donnerstagabend Reinhold Messner dort in Aktion tritt: als immer noch größter Abenteurer unserer Zeit, als lebende Legende, als Eroberer des Nutzlosen, wie er sich selber nennt.

So kann sich ein wenig augenzwinkernd nur einer bezeichnen, der sich bei allem Wissen um die eigene Bedeutung die Fähigkeit erhalten hat, sich selber von außen zu betrachten, der nicht in sich selbst verliebt der Täuschung erliegt, die wahren Dimensionen zu verwechseln, wenn es um ihn geht und – um die Berge.

Bislang undenkbare Perspektiven

Selbstverständlich geht es um die Berge, wenn Reinhold Messner erzählt. Diesmal sogar in vierter Dimension. Gezeigt werden wahrhaft spektakuläre Bilder von dreizehn ausgewählten Bergen. Dabei handelt es sich, auch wenn das auf den ersten Blick so scheinen mag, nicht um Fotos, sondern um am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt auf der Basis von Satellitenaufnahmen entstandene dreidimensionale, fotorealistische Abbilder, die zuvor undenkbare Perspektiven und etwa die Möglichkeit bieten, Giganten wie den Everest, den K 2 oder auch das Matterhorn gewissermaßen in Sekundenschnelle zu Umrunden.

Höchst faszinierend ist das. Aber auch ein wenig virtuell. Womit schon die vierte Dimension ins Spiel kommt: Reinhold Messner. Der kommentiert die Bilder nicht nur. Er erdet das Ganze und macht es, als einer, der da überall schon oben war, erst wahrhaftig. Wahrhaftig durchaus auch bezogen auf eine zunehmend durchdigitalisierte Welt, in der es sexy ist, Fotos, Begriffen oder Nachrichten nicht mehr trauen zu müssen und in der oft keiner mehr Auge in Auge, Hand in Hand mit dem anderen spricht, sondern Kontakte auf sprachhandwerklich mitunter bedenkliche und unpräzise Schreibfetzen beschränkt.

Reinhold Messner hingegen ist echt und weiß, wovon er redet. Da geht's um die mit 250 Jahren eigentlich kurze Geschichte des Alpinismus, der zunächst die Eroberung der Gipfel als Ziel hatte, sodann die möglichst schwierigsten Wege auf die Spitzen ging und zu guter Letzt mit Messner voran in den Verzichtsalpinismus mündete, der mit immer weniger Hilfsmitteln aus- und hinauf kommt.

Alpinismus und Erleuchtung

Beim letzte Mal hatte Messner ein wenig mehr sein Inneres nach außen gekehrt, ins persönliche Nähkästchen blicken lassen. Diesmal geht's, auch thematisch bedingt, öfter mal ins routentechnisch Eingemachte.

Am Ende aber steht da doch wieder der auch in schwindelnden Höhe nicht abgehobene Philosoph des Abenteuers auf der Bühne. Solle keiner so tun oder gar glauben, sagt Messner, man käme geradezu als Erleuchteter vom Gipfel ins Tal. Allerdings könne man auf den Wegen hinauf und hinab, beim Maßnehmen in und mit der Natur viel über sich sich selber erfahren.