Heidenheim Raumnot zwingt zu getrennten Wegen

Die Tage des gemeinsamen Spiels in der Weststadt sind gezählt: Lebenshilfe und Christuskirche gehen mit den Kindergärten ab September getrennte Wege.
Die Tage des gemeinsamen Spiels in der Weststadt sind gezählt: Lebenshilfe und Christuskirche gehen mit den Kindergärten ab September getrennte Wege. © Foto: Christian Thumm
Heidenheim / Karin Fuchs 11.07.2018
Christuskirche und Lebenshilfe betreiben in der Weststadt eine inklusive Kinderbetreuung der ersten Stunde. Trotz des Erfolgs ist nach 25 Jahren Schluss – allerdings unfreiwillig.

Das Wort Inklusion kannte noch kaum jemand, als die Lebenshilfe im Jahr 1993 auf die evangelische Christuskirche zukam mit einer Idee: Die behinderten Kinder des Lebenshilfe-Schulkindergartens sollten unter dem Dach des Christuskindergartens betreut werden. Zwar blieben beide Träger verantwortlich für ihre Kinder, doch kamen diese in Zeiten des gemeinsamen Spiels zusammen und lernten sich kennen. Gleichzeitig gab es auch eine zeitweise getrennte Betreuung und spezielle Förderung. Die Idee: Kinder sollten sich von Anfang an ohne Vorurteile begegnen und somit einen guten Umgang miteinander für die Zukunft kennen lernen.

Diese Kooperation war Inklusion der ersten Stunde. „Das beste aus zwei Welten“ hatte man zusammen geführt, beschrieb Pfarrer Frank Bendler bei der Abschiedsfeier das Konzept. Doch obwohl diese Art der Betreuung 25 Jahre lang erfolgreich betrieben wurde, wird sie jetzt beendet. Nicht, weil sie nicht mehr funktioniert hätte, was sieben Kindergenerationen erlebt haben, sondern weil die Umstände es nicht zulassen.

Zum einen sind die Räumlichkeiten so alt, dass ein Weiterbetrieb dort auf Dauer nicht möglich ist. Zum anderen geht die gesellschaftliche Entwicklung bei der Inklusion dahin, „nur noch eine Welt haben zu wollen, in der alles irgendwie untergebracht ist“, sagte Bendler. „Vielleicht hätte man gegen den Trend etwas wagen sollen – was im Grund gar kein Wagnis gewesen wäre, sondern eine Fortführung des Bewährten.“

Diese Woche haben die Kinder und Erzieherinnen gemeinsam mit Eltern und Vertretern der beiden Träger Abschied gefeiert. Nach den Herbstferien werden die Gruppen getrennt sein.

Die Lebenshilfe wird im städtischen Kindergarten St. Hedwig im Haintal mit dem Schulkindergarten und acht Kindern einen neuen Anfang machen, berichtet Vorsitzender Peter Welsch davon, mit der Stadt Heidenheim einen neuen Partner gefunden zu haben. Das Gebäude stand lange leer. Seit Frühjahr werden dort Migrantenkinder im Kindergartenalter betreut. Ob es zu einer ähnlichen Kooperation wie mit der Christuskirche kommen kann, ist noch unklar.

Die Zeit in St. Hedwig ist laut Welsch nur für den Übergang gedacht. In drei bis vier Jahren wird die Lebenshilfe auf den Mittelrain ziehen, wo die Stadt einen neuen Kindergarten bauen wird. Eine Kooperation wäre dann gut denkbar.

Der Christuskindergarten wird noch ein Jahr lang im alten Gebäude bleiben und – wenn der Zeitplan so bleibt – im Herbst 2019 in das umgebaute Untergeschoss der Christuskirche ziehen, das durch einen Anbau erweitert wird.

Das alte Kindergartengebäude soll abgerissen und das Grundstück in der Weststadt an einen Investor verkauft werden. So sieht es das Immobilienkonzept der evangelischen Gesamtkirchengemeinde vor, das unter Sparzwängen geschnürt wurde. Aus dem Erlös des Grundstückverkaufs soll, so Pfarrer Bendler, unter anderem der Umbau für den Kindergarten finanziert werden.

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