Heidenheim Raummangel: Klinik kündigt Mietern für Büros

Bereits mit dem Umbau begonnen wurde im Haus 102 neben dem Klinikum. Statt der Appartements, in denen auch Klinikmitarbeiter wohnen, sollen dort jetzt Büros eingerichtet werden.
Bereits mit dem Umbau begonnen wurde im Haus 102 neben dem Klinikum. Statt der Appartements, in denen auch Klinikmitarbeiter wohnen, sollen dort jetzt Büros eingerichtet werden. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Silja Kummer 25.06.2018
20 Mieter müssen sich neue Wohnungen suchen: Das Gebäude Schlosshaustraße 102 auf dem Gelände des Heidenheimer Klinikums wird zum Jahresende entmietet, da aufgrund von neuen Leistungen und dem Klinikumbau Platz benötigt wird.

Zum Jahresende soll sie ausziehen: Eine Mieterin, die seit Jahrzehnten im Wohnbereich des Heidenheimer Klinikums lebt, fiel aus allen Wolken, als sie vergangene Woche die Kündigung bekam. Die Frau ist nicht die einzige Betroffene: 20 Mietverträge für Wohnungen im Gebäude Schlosshaustraße 102 hat die Kliniken Heidenheim gGmbH laut ihrem Sprecher Günther Berger ausgesprochen, je nach Mietvertrag zum Ende des dritten oder vierten Quartals. „Das Klinikum benötigt weitere Räumlichkeiten, um für Abteilungen des Hauses Büros zu schaffen“, erklärte Berger auf Anfrage.

Kein Verkauf

Grund für die Raumnot seien zum einen Leistungsausweitungen im medizinischen Bereich, außerdem würden im Rahmen des zweiten Bauabschnittes der Kliniksanierung Räume in den Bestandsbauten des Klinikums wegfallen. „Das Klinikum ist also auf der Suche nach Ausweichquartieren“, so Berger. Mit einem der Wohngebäude, der vor drei Jahren im Zuge der Finanznot des Klinikums geprüft wurde, habe die Entmietung des Hauses nichts zu tun, betont der Klinik-Pressesprecher.

Für den Mehrbedarf im medizinischen Bereich würden bisher anderweitig genutzte Zimmer in den Bestandsbauten benötigt. Teile des technischen Bereichs und der Klinikverwaltung müssten deshalb umziehen, dafür würden die bisherigen Appartements im Haus 102 umgewidmet. Die Verträge mit den bisherigen Mietern dort würden also wegen Eigenbedarfs gekündigt.

Das Haus 102, neben dem Bettenhaus der Psychiatrie gelegen, verfügt auf vier Etagen über insgesamt 30 Einzimmerappartements und vier Mehrzimmerwohnungen. Eine der Etagen ist bereits leer, dort wurden laut Berger bereits in den vergangenen Monaten kurzzeitig vermietete Ein-Zimmer-Appartements nicht neu vermietet.

Die Umbauarbeiten in dieser leerstehenden Etage haben bereits begonnen, wovon die anderen Mieter nach eigenen Aussagen vollkommen überrascht wurden. Die langjährige Mieterin ist vor allem deshalb verärgert, weil die Kündigung nicht längerfristig angekündigt wurde. „Man weiß doch, wie es derzeit auf dem Wohnungsmarkt aussieht“, so die Frau.

Auf dem Gelände des Klinikums gibt es vier mehrgeschossige Gebäude und mehrere kleine zweigeschossige Häuser. Insgesamt standen dort bisher 195 Einzelappartements und 18 größere Wohnungen zur Verfügung. Die Bausubstanz gilt als größtenteils stark sanierungsbedürftig, einen Leerstand gibt es trotzdem nicht. „Wir können den Mietern des Hauses 102 keine anderen Wohnungen auf dem Gelände anbieten“, so Günther Berger. Vermietet sei zum Teil an Krankenhauspersonal, aber auch an externe Mieter.

Campus-Vision fürs Gelände

Klinikgeschäftsführer Udo Lavendel sprach im Zusammenhang mit der Entwicklung des Klinik-Umfelds vor Kurzem von einem „Campusgedanken“: Nicht nur das Klinikum solle weiterentwickelt werden, man überlege auch, ergänzende Einrichtungen, die gut zum Klinikum und seinen Fachdisziplinen passen, dort anzusiedeln. Das könnten Spezialpflegeeinrichtungen sein, Wohn- und Parkraum oder ein Gesundheitszentrum. „Das führt sehr weit, aber das visionäre Weiterdenken ist auch für die Bürger im Landkreis wichtig“, so Lavendel. Auf dem Schlossberg solle etwas Prominentes entstehen.

Klinikmodernisierung: Grundsteinlegung am Mittwoch

Der zweite Abschnitt der Kliniksanierung wurde im März begonnen. Am Mittwoch, 27. Juni, wird der Grundstein für das neue Haus K entstehen, das einen zentralen OP-Bereich, die Radiologie, die Klinikapotheke, die zentrale Sterilgutversorgungsabteilung und drei Pflegestationen beherbergen soll.

Das neue Gebäude wird über 70 Meter lang und mehr als 30 Meter breit werden und soll acht Geschosse haben. Für das Gebäude wurde bereits ab September 2017 der ehemalige „Erweiterungsbau“ abgerissen. Der Neubau entsteht jetzt zwischen dem Funktionsbau und dem Haus C.

Bei der Feier zur Grundsteinlegung für geladene Gäste werden Prof. Dr. Wolf-Dietrich Hammann, Ministerialdirektor beim Sozialministerium Baden-Württemberg, und Prof. Linus Hofrichter, Geschäftsführer der Sander Hofrichter Architekten GmbH Grußworte sprechen.

„Ein bedeutender Baustein für zukunftsweisende Diagnostik und Therapie auf hohem Niveau“ soll das neue Haus laut Klinikum werden. Mit der Fertigstellung des Baus rechnet man bis zum Jahreswechsel 2020/21. Danach soll ein dritter Bauabschnitt in der Sanierung folgen.

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