Heidenheim Entwicklung in Heidenheim: Rathaus first, Innenstadt second

Auf der Westseite des Rathauses neben dem Haupteingang soll der behindertengerechte Aufzug eingebaut werden.
Auf der Westseite des Rathauses neben dem Haupteingang soll der behindertengerechte Aufzug eingebaut werden. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Andreas Uitz 06.12.2018
Die Erneuerung des Heidenheimer Verwaltungsgebäudes soll zeitlich vor dem Umbau der Fußgängerzone vor sich gehen, aber beide Veränderungen hängen eng miteinander zusammen.

Was ist wichtiger, wo sollen die Prioritäten in den kommenden Jahren liegen? Beim Umbau und der Erneuerung der Innenstadt oder bei der dringend notwendigen Sanierung des Rathauses?

Mit dieser nicht unbedeutenden Frage beschäftigte sich der Technik- und Umweltausschuss des Gemeinderats. Hintergrund der Diskussion sind Anträge der Grünen und der Freien Wähler sowie der CDU, die sich allesamt mit dem Thema auseinandersetzen. Während die CDU-Fraktion vorschlägt, einen Workshop zur Innenstadtentwicklung ins Leben zu rufen, werden Freie Wähler und Grüne konkreter: Sie fordern, die Entwicklung der Innenstadt zeitlich vor die Sanierung des Rathauses zu setzen.

Gesamten Rathausplatz umgestalten

Dass beide Themen eng miteinander verzahnt sind, ist seit Langem bekannt. So ist vonseiten der Verwaltung geplant, im Zuge der Rathaussanierung auch das gesamte Umfeld, also den Rathausvorplatz und die Grabenstraße neu zu gestalten.

Das wiederum hätte auch Auswirkungen auf die gesamte Fußgängerzone. Dementsprechend beinhaltet der Antrag der CDU auch, in einem Workshop einen konzeptionellen Rahmen für die Hauptstraße, die Hintere Gasse und die Grabenstraße zu erarbeiten und dafür personelle und finanzielle Ressourcen bereitzustellen.

Gespräch mit dem Handelsverein HDH

Diesem Antrag wurde von Verwaltung und Ausschuss zugestimmt. In der Stellungnahme heißt es, dass mit der Händlervereinigung HDH die wichtigsten und drängendsten Themen erörtert worden seien und daraus konkrete Schritte hervorgingen, die abgearbeitet werden sollten:

Die Erneuerung der Stadtmöblierung und der Spielgeräte, die Beleuchtung öffentlicher Gebäude, die Sauberkeit und Mülleimer-Kennzeichnung sowie Poller für die Verkehrsberuhigung. Das alles kann zwar Kleines bewirken, die große Lösung für mehr Attraktivität ist es jedoch nicht. Antworten erhofft man sich von einem externen Berater.Hierfür werden 15 000 Euro zur Verfügung gestellt.

In der Begründung der Verwaltung heißt es, dass die Voraussetzungen für einen konzeptionellen Rahmen für Hauptstraße, Hintere Gasse und Grabenstraße eng mit dem Rathaus und dem Umfeld zusammenhängen – und eben diese Voraussetzungen sollen in den nächsten Monaten erarbeitet werden.

Bedingungen für Rathausmitarbeiter verbessern

Dass das Rathaus aus Sicht der Verwaltung Priorität hat, machte Oberbürgermeistern Bernhard Ilg deutlich: „Wir alle tragen die Verantwortung dafür, unter welchen Bedingungen die Mitarbeiter hier arbeiten. Mangelnde Isolierung sorgt dafür, dass es im Sommer viel zu heiß und im Winter viel zu kalt ist.“

In der schriftlichen Stellungnahme zum Antrag von Grünen und Freien Wählern ist von „nicht akzeptablen Arbeitsbedingungen“ die Rede. Außerdem, heißt es in der Argumentation, seien die Aufzüge ständig kaputt und nicht barrierefrei, Ersatzteile seien nur schwer zu beschaffen.

Erneuert werden müssen auch Elektrik und EDV-Versorgung, ebenso sei eine Erneuerung der Nutzungs- und Verwaltungsstrukturen dringend notwendig, argumentiert die Verwaltung.

Um die erheblichen Mängel zu beheben, ist geplant, das Rathaus in mehreren Abschnitte über Jahre hinweg zu erneuern. Derzeit ist vorgesehen, dass der Rathausvorplatz nach der Erneuerung der Fassade in Angriff genommen werden soll – also frühestens 2023. Und in diesem Kontext steht dann auch ein eventueller Umbau der Fußgängerzone.

Mehr Barrierefreiheit

Einen weiteren Schritt zur Erneuerung des Rathauses hat das Gremium gleich beschlossen: Im Foyer sollen barrierefreie Toiletten und ein behindertengerechter Aufzug zum Zwischengeschoss, in dem unter anderem der OB sein Amtszimmer hat, eingebaut werden.

Der Aufzug soll im Foyer-Bereich an der Westfassade eingebaut werden, das WC beim überdachten Außenbereich des Osteingangs. Die Kosten belaufen sich auf 265 000 Euro, die Folgekosten liegen bei 3000 Euro jährlich. Mit einer Fertigstellung wird im Sommer 2019 gerechnet.

Millionenteure Rathaus-Sanierung

Seit 1972 ist das Rathaus Sitz der Verwaltung. Zwar wurde es in Teilen immer wieder erneuert, doch nie ganz saniert. Das hat sich die Verwaltung für die kommenden Jahre vorgenommen.

Eine Untersuchung hatte 2014 ergeben, dass die Sanierung rund 23 Millionen Euro kostet. Ein möglicher Abriss und ein Neubau wären wesentlich teurer: rund 47 Millionen Euro.

Die Sanierung soll im Jahr 2020 beginnen und könnte sich über zehn Jahre hinziehen. Der lange Zeitraum ist auch dem geschuldet, dass die Arbeiten unter laufendem Betrieb über die Bühne gehen müssen

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