Heidenheim / Thomas Zeller Ein Kommentar von HZ-Redaktionsleiter Thomas Zeller zu Radonmessungen in Schulen.

Das überarbeitete Strahlenschutzgesetz, das im vergangenen Jahr in Kraft getreten ist, sorgt in Heidenheim weiter für Wallungen. Seit Anfang 2018 gelten in Deutschland verschärfte Grenzwerte für das radioaktive Edelgas Radon. Im Umfeld des neuen Gesetzes gab es zahlreiche Untersuchungen, unter anderem auch die Studie „Radon in Schulen“. In dieser waren ebenfalls Bildungseinrichtungen in Heidenheim enthalten. Der Bericht in der Heidenheimer Zeitung vom Juni vergangenen Jahres überraschte damals die Verwaltung, die daraufhin beim Land nachfragte, weil sie bis dahin über die Ergebnisse nicht informiert wurde.

Insgesamt drei Schulen hatten sich damals an der Untersuchung beteiligt, bei zwei von ihnen wurden erhöhte Radonwerte nachgewiesen. Da die Verwaltung bis dahin davon ausgegangen war, dass in Heidenheim keine Messungen erforderlich seien, bestand Handlungsbedarf. Als Konsequenz aus dem Informationsdefizit sagte die Stadt weitere Prüfungen von Schulgebäuden zu. Nun liegen ein halbes Jahr und etliche Messungen später neue Ergebnisse vor, die das Rathaus als Entwarnung interpretiert. Aber ist das wirklich so?

An insgesamt sechs Schulen, die zuletzt untersucht wurden, ist Radon nachweisbar. Da das Gas überall vorkommt, ist das auch zunächst nicht weiter tragisch und kein Grund zur Panik. Allerdings lohnt ein genauerer Blick in die Untersuchung, denn an drei der sechs Schulen wurde der Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter Luft überschritten. Nur leicht darüber liegen die Silcherschule und der Eugen-Gaus-Realschule, das Hellenstein-Gymnasium hingegen übertrifft den Wert um das Dreifache. Nur mal zur Erinnerung: Schon bei einem Wert von 200 Becquerel pro Kubikmeter sprechen Mediziner von einem erhöhten Lungenkrebsrisiko. Kann man angesichts der vorliegenden Zahlen von Entwarnung sprechen? Ganz klar, nein. Zumal beim Hellenstein-Gymnasium (HG) die Radon-Belastung im Vergleich zur letzten Messung noch einmal gestiegen ist.

Zwar nimmt die Verwaltung das Thema Radon mittlerweile ernst und hat auf die Messergebnisse mit einem Maßnahmenplan reagiert, der eine verbesserte Belüftung der drei Schulgebäude vorzieht. Im HG wird sogar eine spezielle Lüftungsanlage eingebaut. Allerdings fällt auf, dass die Messungen nicht in allen bekannten Problemgebäuden durchgeführt wurden. Bereits 2016 wurden beispielsweise auch in der Friedrich-Voith-Schule Radonwerte oberhalb des jetzt gültigen Referenzwertes festgestellt.

Das verunsichert Lehrer, Eltern und Schüler. Um Ängste zu verringern, sollte die Stadt deshalb in allen Schulen Messungen vornehmen. Das kann teuer werden, aber immerhin geht es hier um die Gesundheit von Menschen und die sollte Vorrang vor Kostenerwägungen haben.

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Mehrere Monate lang hat die Stadt Heidenheim an sechs Schulen gemessen, ob die Raumluft mit dem radioaktiven Edelgas Radon belastet ist.