Heidenheim Radon-Messungen an drei Schulen: Stadt wusste von nichts

Am Hellenstein-Gymnasium wurden in zwei Kellerräumen stark erhöhte Radon-Werte gemessen.
Am Hellenstein-Gymnasium wurden in zwei Kellerräumen stark erhöhte Radon-Werte gemessen. © Foto: Christian Thumm
Heidenheim / Andreas Uitz 04.08.2018
Drei Schulen beteiligten sich an einer Messreihe, doch die Stadtverwaltung wusste von nichts. Teils wurden erhöhte Werte gemessen.

Für Verwirrung hatten im Juni zwei Studien gesorgt, denen zufolge es einerseits in Steinheim, andererseits aber auch an Schulen in Heidenheim erhöhte Konzentrationen des radioaktiven Edelgases Radon geben soll. Das hatten Messungen des Radonlabors des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) ergeben. Hintergrund ist das neue Strahlenschutzgesetz, mit dem die Länder verpflichtet werden, bis Ende 2020 anhand bundesweit einheitlicher Kriterien Gebiete auszuweisen, in denen besondere Schutzmaßnahmen gegen Radon zu ergreifen sind.

Bisherige Werte sind nicht aussagekräftig

Zwar gibt es bereits Messwerte, die dem Bundesamt für Strahlenschutz vorliegen, doch sind diese nicht wirklich aussagekräftig, sodass neue Messungen notwendig sind. Sowohl in Steinheim als auch in Heidenheim gibt es den vorhandenen Daten zufolge erhöhte Radon-Konzentrationen, doch kritisierte das KIT diese Aussagen als nicht erwiesen.

Verwirrung bei Kommunen

Für die Kommunen besonders verwirrend war die Tatsache, dass sie über die Messungen und die Ergebnisse nicht informiert worden waren, sondern sie aus dieser Zeitung erfuhren. Demzufolge wurden in einer Heidenheimer Schule Radon-Konzentrationen gemessen, die über dem Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter Luft lagen.

Nach der Berichterstattung wandte sich OB Bernhard Ilg ans Umweltministerium und bat um Aufklärung. Im Antwortschreiben, das unserer Redaktion vorliegt, wird erklärt, dass das KIT im Rahmen des öffentlichen Forschungsvorhabens „Radon an Schulen“ in Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium Messungen betrieben hat. Die fanden allerdings schon vor Jahren statt.

Die Schulen haben selbst gemessen

Damals waren die Schulleitungen im Land mit einem Schreiben über Radon informiert und eingeladen worden, sich an einer landesweiten Radon-Erhebungsmessung zu beteiligen. Auch im Landkreis Heidenheim hätten sich Schulen daran beteiligt, heißt es in dem Schreiben. Die Schulen hätten einen Fragebogen ausgefüllt, Daten in ein Online-Portal eingegeben und selbst Radon-Dosimeter ausgelegt. „In Heidenheim handelt es sich um die Friedrich-Voith-Schule, das Hellenstein-Gymnasium und das Max-Planck-Gymnasium. Von heimlichen Messungen kann also nicht die Rede sein“, schreibt das Umweltministerium an den OB.

Der hatte dies vermutet, weil bei der Stadtverwaltung von den Messungen nichts bekannt war. Deshalb war man auch über den Inhalt des Antwortschreibens überrascht, weil die Stadt über die Messungen in den Jahren 2015/16 von den Schulleitungen nicht informiert worden war, heißt es aus dem Rathaus. Die Schulen hätten sich auch auf aktuelle Nachfrage auf den Zeitungsbericht hin nicht an die Messungen erinnern können, so eine schriftliche Stellungnahme aus dem Rathaus.

Die Schulen haben die Stadt nicht informiert

Doch wie aus dem Schreiben des Ministeriums hervorgeht, hätten die Schulen nach der Anmeldung zur Messkampagne eine zuständige Kontaktperson in der Schule benannt. Auch seien die Ergebnisse an die Schulleitungen gesandt worden mit der Bitte, die jeweiligen Schulträger zu informieren. Das ist bei allen drei Schulen die Stadt Heidenheim, doch dort weiß man von nichts.

Aus den Ergebnissen ist genau erkennbar, an wie vielen Stellen gemessen wurde. So wurde an der Friedrich-Voith-Schule zwischen dem 22. Dezember 2015 und dem 20. April 2016 in zwölf Räumen die Luft untersucht, in zwei davon lag der Radonwert oberhalb des Referenzwertes, in einem bei 469, in einem anderen bei 324 Becquerel. Im Hellenstein-Gymnasium wurden die Messgeräte zwischen dem 8. März und dem 14. Juni 2016 in 18 Räumen platziert. Im Büro der Oberstufenberater wurde der Referenzwert mit 810, im Werkraum mit 869 Becquerel stark überschritten. Beide Zimmer liegen im Keller des Gebäudes. Am Max-Planck-Gymnasium wurde vom 21. Mai bis zum 8. Oktober 2015 in fünf Räumen gemessen, dabei ergaben sich keine Überschreitungen.

Neue Messungen geplant

In dem Schreiben erläutert Umweltminister Franz Untersteller, dass das KIT nach der Untersuchung angeboten hatte, die Werte und Situationen vor Ort einer näheren Betrachtung zu unterziehen, um den Grund der erhöhten Radonkonzentration zu analysieren. „Dieses Angebot ist damals nicht in Anspruch genommen worden, es gilt aber weiterhin“, schreibt der Umweltminister. Außerdem heißt es in dem Brief, dass es zur Klärung der Fakten zweifellos sinnvoll und hilfreich sei, wenn Messungen an Heidenheimer Schulen veranlasst würden. Andere Städte hätten das bereits getan. Von Seiten der Stadt heißt es dazu: „Wir stimmen im neuen Schuljahr mit den Schulleitungen ab, wann erneute Radonmessungen erfolgen.“

Radon ist gesundheitsschädlich

Radon ist ein radioaktives Edelgas, das im Erdboden vorhanden ist. Es kann durch Risse und Undichtigkeiten im Fundamt in Gebäude dringen und sich dort anreichern.

Im Freien ist die Konzentration des Gases deutlich geringer als in Gebäuden. Witterungsverhältnisse und Lüftungsgewohnheiten in Gebäuden können die Radon-Konzentration beeinflussen.

Da Radon aus dem Erdboden kommt, sind in Gebäuden meist Kellerräume und Räume in den unteren Geschossen von einer erhöhten Konzentration betroffen.

In hohen Konzentrationen kann das Edelgas gesundheitsgefährdend sein. Es gilt als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs in Deutschland.

Nach den ersten Messungen, die an den Heidenheimer Schulen gemacht wurden, sollen diese wiederholt und teils auch ausgedehnt werden. Hintergrund der Messungen ist das neue Strahlenschutzgesetz, das eine flächendeckende Erhebung der Radonbelastung fordert.

Sind bundesweit alle Gebiete erfasst, werden die mit mit besonderem Schutzbedarf ausgewiesen. Ob der Kreis Heidenheim davon betroffen sein wird, lässt sich noch nicht sagen. Spätestens am 31. Dezember 2020 müssen die Gebiete feststehen und bekannt gegeben sein.

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