Heidenheim Radler bekommen eine eigene Spur

Von der Einmündung der Friedrich- in die Theodor-Heuss-Straße bis zur Pressehaus-Kreuzung entsteht ein Radfahrstreifen rechts neben der Fahrbahn.
Von der Einmündung der Friedrich- in die Theodor-Heuss-Straße bis zur Pressehaus-Kreuzung entsteht ein Radfahrstreifen rechts neben der Fahrbahn. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Michael Brendel 11.10.2018
Die Theodor-Heuss-Straße wird zwischen Friedrich- und Marienstraße umgebaut und erhält einen Radfahrstreifen. Kommendes Jahr ist zunächst das Teilstück bis zur Bahnhofstraße an der Reihe.

Manches Vorhaben klebt scheinbar ewig auf der Liste der unerledigten Angelegenheiten fest. Was deshalb zunächst für Verärgerung sorgt, kann sich im Rückblick aber mitunter als sachdienlich herausstellen. Das dürfte auch für die Theodor-Heuss-Straße (Bundesstraße 466) gelten, die auf ihrer Nordseite einen Radfahrstreifen erhält. Umgesetzt wird jetzt nämlich eine von der Radfahrer-Lobby favorisierte Planung, die vor fünf Jahren an der Haltung der Stadtverwaltung und einem Votum des Technik- und Umweltausschusses scheiterte.

Wer mit dem Fahrrad von Osten her Richtung Stadtmitte unterwegs ist, findet zwischen Brenzufer und Friedrichstraße einen parallel zum Gehweg verlaufenden Radweg auf dessen Niveau vor. Auf Vorschlag der Verwaltung sprachen sich die Ausschussmitglieder im Februar 2013 dafür aus, diese Kombination bis zur Bahnhofstraße zu verlängern. Anschließen sollte sich ein Radfahrstreifen neben der Fahrbahn, um den Radlern wenige Hundert Meter weiter eine sichere Querung der Pressehaus-Kreuzung zu ermöglichen.

Nur ein Abschnitt umgesetzt

Umgesetzt wurde dann lediglich der erste Abschnitt, ehe andere Vorhaben den Vorrang erhielten. Dazu zählte auch der Umbau der Paul-Hartmann- und der Ploucquetstraße. Die dort gesammelten Erfahrungen führten zu einem Umdenken hinsichtlich der Theodor-Heuss-Straße. Vorgesehen ist jetzt, bereits ab der Friedrichstraße einen bis zur Marienstraße reichenden, separaten Radfahrstreifen zu schaffen. Bei der Pressehaus-Ampel wird es aus Sicherheitsgründen eine vorgezogene Haltelinie und schnelleres Grün für Radfahrer geben.

Voraussetzung hierfür ist laut Steffen Widmann vom Geschäftsbereich Stadtentwicklung, Städtebauliche Planung und Umwelt, beidseits die Gehwege auf 1,90 bis 2,10 Meter zu verschmälern. Der Radfahrstreifen erhält eine Breite von 1,85 Metern, die beiden Fahrspuren sind zwischen sechseinhalb und sieben Metern breit.

E-Ladesäulen geplant

Flankierend sind weitere Veränderungen geplant. So wird der Parkplatz auf Höhe des Job-Centers durch einen Grünstreifen von der Straße abgetrennt, überdies mit E-Ladesäulen für Pkw und Räder versehen. Im Bereich der Zufahrt zu den Stellplätzen wird der Gehweg im Unterschied zum heutigen Stand durchgezogen, sodass Passanten dort bevorrechtigt sind.

Im kommenden Jahr soll zunächst das Teilstück zwischen Friedrich- und Bahnhofstraße (Ecke Job-Center) umgestaltet werden, der verbleibende Abschnitt folgt anschließend – ab dem Römerbad-Museum ist heute ein Gehweg ausgewiesen, der dank eines Zusatzschilds von Radlern genutzt werden darf, aber nicht muss.

Euphorische Reaktion

Geradezu euphorisch sprach Hans Kurowski (Grüne) nach dem jetzt im Technik- und Umweltausschuss gefallenen Beschluss von einem „Quantensprung, weil eine weitere Lücke geschlossen wird“. Entlang der Georges-Levillain-Anlage werden sich die Wege von Radlern und Fußgängern künftig nicht mehr kreuzen. Außerdem fällt die Kurve um die dort stehenden Platanen weg.

An einer Gefahrensituation dürfte sich allerdings nichts ändern: Um ihre Busse zu erreichen, überqueren zu bestimmten Zeiten zahlreiche Schüler die zweispurige Bundesstraße zwischen Eugen-Gaus-Realschule und Zentraler Omnibus-Haltestelle. Ralf Willuths (Freie Wähler) Frage nach einer Querungshilfe beantwortete Oberbürgermeister Bernhard Ilg mit dem Hinweis darauf, dass der Verkehrsfluss bereits an zu vielen Stellen unterbrochen werde. Da eine Über- bzw. Unterführung vor allem aus Platzgründen ohnehin ausscheide, bleibe neben dem Warten auf den Innenstadttunnel nur der etwa 50 Meter lange und seiner Ansicht nach allemal zumutbare Fußweg bis zur nächstgelegenen Ampel an der Marienstraße.

Kritiker bekommen recht

Mit Entsetzen, so der damalige Wortlaut, reagierte der Verkehrsclub Deutschland (VCD) im Februar 2013 auf den Beschluss des Technischen Ausschusses, entlang der Theodor-Heuss-Straße keinen Radfahrstreifen, sondern einen Radweg anzulegen. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) schloss sich dieser Meinung an.

Kritisiert wurde, dass Fußgängern fortan nur noch eine Breite von 1,5 Metern zur Verfügung stünde, weshalb sie sicherlich auch auf dem Radweg unterwegs wären. Erfahrungsgemäß würden zudem Radwege doppelt so häufig entgegen der Fahrtrichtung benutzt wie Radfahrstreifen.

Die Verwaltung hatte argumentiert, der Gehweg sei breit genug, um auf ihm einen separaten Radweg ausweisen zu können. Zudem sei diese Lösung günstiger und schneller umzusetzen.

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