Radfahren Radfahren: Nur langsam auf den Schnellweg

Die CDU-Fraktion im Kreistag möchte einen Radschnellweg zwischen Heidenheim und Aalen. Dafür sind noch einige Hürden zu nehmen.
Die CDU-Fraktion im Kreistag möchte einen Radschnellweg zwischen Heidenheim und Aalen. Dafür sind noch einige Hürden zu nehmen. © Foto: Archiv/Markus Brandhuber
Heidenheim / Günter Trittner 05.10.2018
Für einen Radschnellweg zwischen Heidenheim und Aalen setzt das Land mindestens 2000 Radfahrten pro Tag an. Der Landkreis will zuerst das Potenzial ermitteln.

Das Land will sein Straßengesetz ändern, um den Radverkehr über längere Distanzen attraktiver zu machen. Gleichzeitig werden an diese Radwege Bedingungen geknüpft, die im ländlichen Raum nur schwer zu erfüllen sind. So setzt das Land, wenn es die Kosten mittragen soll, für Radschnellwege zwischen Gemeinden täglich mehr als 2000 Fahrradfahrten voraus. Die Baulast würde dabei immer noch beim Landkreis liegen.

Erst bei überregionalen Verbindungen mit mehr als 2500 Fahrten übernimmt das Land die Kosten ganz „Es wird schwer sein, diese Zahl zu erreichen“, mutmaßte Hans Bendele, der als Verkehrsexperte des Kreistags dem Ausschuss für Infrastruktur und Umwelt berichtete. Den Antrag, einen Radschnellweg zwischen Heidenheim und Aalen zu untersuchen, hatte die CDU-Kreistagsfraktion gestellt.

Mindestens vier Meter breit

Bendele nannte vor dem Ausschuss noch die weiteren Anforderungen. So müssen die Radschnellwege nach den Qualitätsstandards des Landes eine direkte und umwegfreie Linienführung haben, sie sollen möglichst kreuzungsfrei und bevorrechtigt geführt werden, sie müssen in der Regel mindestens vier Meter breit sein und Fußgänger haben darauf nichts zu suchen. „Das wäre teilweise nur möglich, wenn wir eine neue Trasse machen“, so Bendele.

Doch bevor man so einen 50 000–Euro–Auftrag für eine technische Machbarkeitsstudie in Auftrag gibt, will der Ausschuss erst untersuchen lassen, ob die Nachfrage in dem vom Land gewünschten Maß gegeben ist. Das Land selbst hat bei seiner Potenzialanalyse nur 32 Korridore in ganz Baden-Württemberg ausgemacht und diese zumeist in Ballungsgebieten. Diese sind dem vordringlichen Bedarf zugeordnet worden.

Zwar sah auch Landrat Thomas Reinhardt die Vorgabe von 2000 Radfahrten als „hohe Hürde“ an, blieb aber für das Ergebnis der Potenzialanalyse zuversichtlich, zumal gerade im Bereich von Oberkochen und Königsbronn Hunderte neue Arbeitsplätze entstehen sollen. Genannt wurden die Firmen Zeiss, Palm und YG1. Mit den Radschnellwegen, die auch dem Trend zu E-Bikes und Pedelecs Rechnung tragen, wolle man gerade Berufspendlern den Umstieg von Auto aufs Rad ermöglichen, so Reinhardt. CDU-Kreisrat Alfons Jakl erkundigte sich nach den Kosten einer Potenzialanalyse. Zwischen 10 000 und 15 000 Euro vermutete Bendele, wobei sich die Landkreise Heidenheim und Ostalb den Betrag teilen würden. Zudem, so Bendele, werde man versuchen, dass das Land die Studie finanziert.

Radwege wie Biergärten

Skeptisch gab sich Uli Grath (Freie Wähler). Mit den Radwegen sei es wie mit den Biergärten: voll bei Sonnenschein und leer bei Regen. „Das wären sonst ja Freiburger Verhältnisse.“ Auch Kreisrat Werner Häcker ging nicht davon aus, dass 2000 Radfahrten zusammenkommen. Grünen-Kreisrat Frank Schied bat darum, vor der Kür nicht die Pflicht zu vergessen. „Wir haben noch Hausaufgaben bei den Radwegen.“ Vor allem bei den Ortsdurchquerungen gebe es noch neuralgische Punkte. Dies sah auch Walter Macher (SPD) so. „Wir müssen das gesamte Netz im Blick haben.“

Die Zustimmung zur Potenzialanalyse war einstimmig.

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