Heidenheim Psychiatrie ist ein Leuchtturmprojekt

Die Psychiatrie im Klinikum ist Experten zufolge sehr gut aufgestellt.
Die Psychiatrie im Klinikum ist Experten zufolge sehr gut aufgestellt. © Foto: Markus Brandhuber/Archiv
Heidenheim / HZ 11.08.2018
Eine Kommission des Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung war vom Umgang mit den Patienten, den Therapiemöglichkeiten und der Professionalität auf dem Schlossberg begeistert.

Anfang Juli kam die Besuchskommission des Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren in die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Klinikum Heidenheim.

Dabei stellte die Kommission einer Pressemitteilung des Klinikums zufolge fest, dass die Vorschriften des seit 2015 in Baden-Württemberg geltenden Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz (PsychKHG) auf Heidenheims Schlossberg vorbildlich umgesetzt werden. Für das Expertengremium stellt der von ihnen hier erlebte Umgang mit Zwangsmaßnahmen ein „Leuchtturmprojekt“ für alle psychiatrischen Einrichtungen in Baden-Württemberg dar. Daher soll der Visitationsbericht allen anderen Besuchskommissionen und psychiatrischen Kliniken übermittelt werden.

Hervorragende räumliche Bedingungen

Die Heidenheimer Psychiatrie sei hinsichtlich Prävention, Anzahl und Durchführung von Zwangsmaßnahmen vorbildlich aufgestellt, so das Fazit der Kommission. Dazu gehörten die hervorragenden räumlichen Bedingen mit offen geführten Stationen und dem Angebot eines Home-Treatments, das als Modellprojekt im Land gefördert wird. Zudem werde bei Bedarf eine eins-zu-eins-Betreuung bei Patienten geleistet, um Zwangsmaßnahmen zu verhindern.

Prinzipielles Ziel der Psychiatrie im Heidenheimer Klinikum ist es der Pressemitteilung zufolge, Patienten nicht zu isolieren und Zwangsmaßnahmen wie Fixierungen bei gewaltbereiten Patienten nur im äußersten Fall anzuwenden.

Dem Fazit der Kommission zufolge herrscht ein Klima vertrauensschaffender Maßnahmen und somit gelinge es in der Regel, mit gefährdeten Patienten individuelle Behandlungsvereinbarungen gemeinsam zu treffen. Psychiatrieerfahrene Mitarbeiterinnen seien zudem als Peer-Berater mit eingebunden und als Ansprechpartner für Patienten regelmäßig auf den Stationen präsent.

Große Palette an Therapieangeboten

Das Thema „Ausgang“ werde großzügig gehandhabt. Ferner werde für Patienten, die die Stationen nicht allen verlassen dürfen, eine große Palette an Therapieangeboten vorgehalten. Eingeprägt haben sich die Mitglieder der Besuchskommission auch den erlebten freundlichen und patientenzugewandten Umgangston der Klinikmitarbeiter von Chefarzt Dr.Martin Zinkler, der mit zur angenehmen Atmosphäre beitrage.

Der Mitteilung zufolge verließen die Mitglieder der Kommission das Klinikum nach dem Besuch mit dem Eindruck, dass sich das gesamte Personal dem gemeinsamen Ziel verpflichtet fühlt, zu den Patienten eine auf Vertrauen beruhende Beziehung aufzubauen und zu pflegen. In der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik wurden beispielsweise im vergangenen Jahr 1230 Patienten vollstationär hochprofessionell versorgt. Depressionen, Schizophrenien und alkoholbedingte psychische Verhaltensstörungen bildeten dabei die drei häufigsten Erkrankungsbilder.

Hometreatment: Mehr Zufriedenheit bei der Behandlung zu Hause

Was ist eigentlich Hometreatment? Mit dieser Fragestellung begann Dr. Karel Frasch seinen Vortrag bei der Fachtagung. Frasch ist ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Donauwörth und laut Martin Zinkler „ein Pionier des Hometreatment.“ Als Hometreatment wird die Behandlung bei akuten psychischen Krankheiten durch ein multidisziplinäres Team bezeichnet, wenn diese statt in der Klinik beim Patienten zu Hause stattfindet.

Anhand von wissenschaftlichen Studien lässt sich laut Frasch die Wirksamkeit des Hometreatments belegen. Es sei günstiger und effektiver, die Patienten seien zufriedener und es gebe weniger Therapieabbrüche.

Manchmal ist es besser im Klinikum zu bleiben

Allerdings sei die Behandlung zu Hause nicht in allen Fällen möglich und vom Patienten gewünscht: Wenn dieser sich beispielsweise in einer krankmachenden Umgebung befinde oder die alltägliche Versorgung nicht bewältigen könne, sei die Klinik die bessere Wahl. „Wir wollen das Krankenhaus nicht abschaffen, es hat auch seine Berechtigung“, so Frasch.

In den 1960er-Jahren gab es bereits Hometreatment. Die Pionierländer waren seinerzeit die USA, England, die Niederlande sowie Australien, berichtete Frasch. In Deutschland wurde das erste Modell 1996 in Krefeld erprobt. Auch heute hätte sich das Hometreatment noch nicht flächendeckend etabliert, vor allem im Osten Deutschlands finde sich bislang keine einzige Klinik, die mit dieser Methode arbeitet.

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