Heidenheim Probenbesuch: Bastelstunde im Opernzelt

Dunkle Wolken hingen zu Beginn der Proben über dem Opernzelt im Brenzpark. Im Inneren sieht es schon ganz anders aus: Große Säulen und die Baustelle einer Pyramide zieren das Bühnenbild, das zunächst als Miniatur (unten links) angefertigt wurde. Bis zur Premiere wird nun jeden Tag geprobt. Regisseurin Annika Nitsch (auf dem Foto rechts unten, links) erklärt den beiden Solisten Gezim Berisha (Mitte) und Tye Maurice Thomas (rechts), wie die Szene aussehen soll.
Dunkle Wolken hingen zu Beginn der Proben über dem Opernzelt im Brenzpark. Im Inneren sieht es schon ganz anders aus: Große Säulen und die Baustelle einer Pyramide zieren das Bühnenbild, das zunächst als Miniatur (unten links) angefertigt wurde. Bis zur Premiere wird nun jeden Tag geprobt. Regisseurin Annika Nitsch (auf dem Foto rechts unten, links) erklärt den beiden Solisten Gezim Berisha (Mitte) und Tye Maurice Thomas (rechts), wie die Szene aussehen soll. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Tina Lischka 05.06.2018
Beim Probenbesuch im Brenzpark wurde die erste Szene der Jungen Oper „Moses' Entscheidung“ einstudiert - dabei kam auch der Spaß nicht zu kurz. Am 13. Juni hat das Stück Uraufführung.

Dicke Regenwolken hängen über dem Brenzpark. Schnell rein ins große Opernzelt und Schutz vor dem drohenden Regen suchen. Nur ein Schritt reicht aus, um plötzlich weit entfernt zu sein vom Heidenheimer Brenzpark und sich in Ägypten wiederzufinden. Zumindest lässt das das Bühnenbild, das in seiner Rohfassung schon komplett aufgebaut ist, vermuten. Inmitten der großen Säulen, ägyptischen Statuen und einer halb fertiggestellten Pyramide sitzen drei Menschen – und basteln.

Was sie da genau machen? Das ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkennbar. „Okay, probieren wir es noch mal“, lautet die Anweisung der Regisseurin Annika Nitsch, während sie sich an einen Biertisch lehnt. „Ich bin der Pharao“, beginnt einer der beiden Männer mit tiefer Bass-Stimme zu singen. Der andere stimmt ein: „Guten Morgen, Vater.“ Was hier zu sehen ist, ist die erste Szene der diesjährigen Jungen Oper „Moses' Entscheidung“ – und der erste von vielen Probentagen.

Unterbrechungen sind normal

Schon unterbricht Nitsch erneut das Geschehen: „Steh' erst bei ,Himmel‘ auf“, und zieht sich daraufhin rasch wieder zurück. Das Ganze also noch einmal von vorne – dieses Mal steht der Pharao allerdings erst bei besagter Stelle auf und streckt die Hände hoch in die Luft. Gespielt wird dieser von Tye Maurice Thomas. Bei dem anderen Solisten handelt es sich um Gezim Berisha (Moses). Sie proben die Szene, bei der sich Vater und Sohn über den Bau einer großen Pyramide unterhalten. Wie viel Arbeit hinter einer einzigen solchen Szene stecken kann, zeigt sich schon nach kurzer Zeit.

Denn: Eine Wiederholung folgt der nächsten – und jedes Mal wächst die Szene. Jede noch so kleine Bemerkung von Seiten der Regie wird verinnerlicht und in die Handlung eingebaut. „Zwar schnell, aber im Rhythmus bleiben“, fügt Sebastian Schwab nebenbei an und haut dann wieder in die Tasten. Er ist der musikalische Leiter und Komponist der Oper, die in Heidenheim Uraufführung haben wird. Beide, Nitsch und Schwab, arbeiten während der Proben eng zusammen und haben ein genaues Bild davon, wie das Stück aussehen soll. Änderungen können aber trotzdem eingebaut werden. Und schon tönt es wieder durch das Zelt: „Ich bin der Pharao“.

Es wird viel gelacht

Gebastelt wird bislang noch nicht. Was hatte es mit dem Blatt Papier auf sich? Hat doch Nitsch den beiden Solisten zu Beginn noch genaustens erklärt, wie sie es falten müssen. Doch zuerst einmal muss der Anfang der Szene den Vorstellungen der Regisseurin entsprechen, erst dann kann weitergespielt werden.

Und dann ist es soweit: Moses zeigt seinem Vater ein Blatt Papier, auf dem von der gewaltigen Pyramide berichtet wird. Daraufhin nimmt es der Pharao an sich und unter seinen Gesängen beginnt er zu basteln – er probiert es zumindest. Ein Knick in der Mitte und da noch einer – Versuch eins: gescheitert. Alle beginnen bei den unbeholfenen Basteleien unwillkürlich zu lachen. Nitsch springt ein und zeigt den Solisten noch einmal die genaue Technik.

Und wieder: „Ich bin der Pharao“, bis hin zum Überreichen des Papiers. Diesmal klappt's. Drei, vier Handgriffe – und Tye Maurice Thomas hält eine Miniatur-Pyramide in den Händen. Die Freude im Zelt ist groß – der Spaß bei den Proben kommt nicht zu kurz.

Ein imposantes Bühnenbild

Und schon wird das mühsam gefaltete Blatt wieder entfaltet und die Szene beginnt von vorn. Zuvor wieder ein paar Tipps zu passenden Handbewegungen, bis eine komplette und bühnenreife Szene zu sehen ist. Im Hintergrund lässt währenddessen das Bühnenbild mit einer entstehenden Pyramide, einem Holzgerüst sowie großen ägyptischen Statuten bereits auf eine imposante Präsentation der Oper schließen.

Jeden Tag wird geprobt

Bis dahin ist allerdings noch einiges zu tun. Malerische Details im Bühnenbild und ein Teil der Requisiten fehlen noch. Und auch die Darsteller haben noch viel Arbeit vor sich. Immerhin war das Probentag eins. Und ab jetzt heißt es jeden Tag üben – morgens und abends für je drei bis vier Stunden. Zu Beginn ist das Detailarbeit, ständige Wiederholungen sind da ganz normal.

Hinzu kommen die äußeren Gegebenheiten. Während das Wetter zu Beginn der Proben nicht gerade komfortabel war und die Pausen deshalb schon mal genutzt wurden, um sich über die Beschaffung von Wolldecken zu unterhalten, ist es nun, ein paar Wochen später, mehr als mollig warm im Opernzelt.

Für die Künstler scheint das aber kein Problem zu sein. „Bis heute Abend“, verabschieden sie sich voneinander und befinden sich nach Verlassen des Zelts plötzlich wieder im regnerischen Brenzpark.

Die beiden männlichen Solisten der Jungen Oper

Gezim Berisha wird in der Jungen Oper als Bariton in der Partie des Moses zu sehen sein. Bereits mit 14 Jahren begann er seine musikalische Ausbildung. In Wien studierte Berisha Sologesang und sein Masterstudium im Bereich Oper schloss er mit Auszeichnung ab. Gezim Berisha war unter anderem in der Hauptrolle des Pino in der Oper „Azreal“, in der Partie des Guglielmo aus Mozarts „Così fan tutte“ und als Schaunard in Puccinis „La Bohème“ zu sehen.

Tye Maurice Thomas hat seine Bassstimme zunächst in Privatunterricht und dann im Studium in Berlin ausgebildet. Er sang unterschiedliche Rollen wie Osmin aus der „Entführung aus dem Serail“ und Papageno in „Die Zauberflöte“. Von 2013 bis 2016 war er Ensemblemitglied am Theater Vorpommern. Er ist Stipendiat der Richard-Wagner-Stiftung und zweimaliger Preisträger des Gesangswettbewerb der Kammeroper Schloss Rheinsberg.

Premiere hat die Junge Oper am 13. Juni um 18 Uhr im Brenzpark. Weitere Termine: 16. Juni, 15 Uhr; 17. Juni, 15 Uhr; 19. Juni, 9.30 Uhr; 20. Juni, 9.30 und 11.30 Uhr; 21. Juni, 9.30 und 11.30 Uhr; 23. Juni, 15 Uhr; 24. Juni, 15 Uhr; 26. Juni, 9.30 und 11.30 Uhr; 27. Juni, 9.30 und 11.30 Uhr.

Beim Familienworkshop kann musikalisch und szenisch die Welt der Jungen Oper erkundet werden und es gibt auch die Möglichkeit, in die eine oder andere Rolle zu schlüpfen. Der Workshop ist für Kinder ab fünf Jahren mit ihren Eltern oder Begleitpersonen konzipiert und kostenlos. Termine sind am 16. Juni (Anmeldung bis 12. Juni) und am 23. Juni (Anmeldung bis 19.Juni) jeweils um 11 Uhr. Informationen und Anmeldung per E-Mail an laura.nerbl@heidenheim.de oder telefonisch unter 07321.327-4214.

Karten für „Moses' Entscheidung“ gibt es im Pressehaus Heidenheim.

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