Heidenheim Kommt die „Autobahn für Radfahrer“ nach Aalen?

Wer heute von Heidenheim aus Richtung Aalen radelt, nutzt meist den gemeinsamen Fuß- und Radweg entlang der B 19 oder den Weg beim „Siebten Fuß“ auf der anderen Seite der Brenz. Das könnte sich in absehbarer Zeit ändern.
Wer heute von Heidenheim aus Richtung Aalen radelt, nutzt meist den gemeinsamen Fuß- und Radweg entlang der B 19 oder den Weg beim „Siebten Fuß“ auf der anderen Seite der Brenz. Das könnte sich in absehbarer Zeit ändern. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Michael Brendel 10.08.2018
Die CDU-Kreistagsfraktion hat jetzt den Bau eines Radschnellwegs zwischen Heidenheim und Aalen ins Gespräch gebracht.

Mit dem Fahrrad zur Arbeit. Für immer mehr Menschen ist das eine Selbstverständlichkeit. Nicht etwa, weil sie sich kein Auto leisten könnten. Vielmehr macht der Umweltschutz Beine. Und der Wille, den Kreislauf in Schwung zu bringen, ehe es ans Tagewerk geht.

Der Trend ist also gesetzt, und Rückenwind für diese Form der Fortbewegung gibt's jetzt von politischer Seite: Die CDU-Fraktion des Kreistags hat Landrat Thomas Reinhardt einen Antrag übergeben, in dem sie sich dafür ausspricht, im Rahmen der Radverkehrsplanung die Möglichkeiten für einen Radschnellweg zwischen den Räumen Heidenheim und Aalen zu untersuchen. Außerdem solle eine Abstimmung mit dem Land und dem Ostalbkreis erfolgen.

Steigungen kein Problem

Wenn CDU-Fraktionschef Bernhard Ilg dieses Ansinnen begründet, dann schlägt in seiner Brust auch das des Heidenheimer Oberbürgermeisters: „Ob von der Alb Richtung Innenstadt oder aus allen Himmelsrichtungen zu großen Firmen wie Voith und Hartmann: Immer mehr Arbeitnehmer nutzen heute das Fahrrad.“ Dabei lassen sich viele überzeugte Zweiradfahrer auch von den Tücken der Topographie nicht ausbremsen, zumal im Zeitalter der Pedelecs die meisten Steigungen im größeren Umkreis kein Hindernis mehr darstellen.

Brenz- und Kochertal geeignet

Gleichwohl ließe sich nach Ansicht Ilgs noch so mancher zum dauerhaften Umstieg bewegen, stünden mancherorts statt schmaler Schotterwege komfortablere Verbindungen zur Verfügung. Beispielsweise ein Radschnellweg, und gerade prädestiniert für einen solchen hält die CDU-Fraktion Brenz- und Kochertal mit dem „verkehrstechnischen Vorteil aneinander gereihter Siedlungs- und Gewerbeflächen“, wie es in dem Schreiben an die Landkreisverwaltung heißt.

Daraus ergäben sich hohe Bündelungseffekte für Personen- und Güterverkehre. Positive Effekte seien durch eine teilweise Zweigleisigkeit und die Elektrifizierung der Brenzbahn zu erwarten. Die „zunehmende Freizeitmobilität und Flexibilisierung der Arbeitswelt“ erfordere auch im Hinblick auf das interkommunale Gewerbegebiet zwischen Königsbronn und Oberkochen weitere Maßnahmen – wie eben besagten Radschnellweg. Ein solcher könne dazu beitragen, Arbeitnehmer zum Wechsel vom Auto aufs Rad zu bewegen. Vermutlich ließe sich dadurch vor allem zu Stoßzeiten beispielsweise die Königsbronner Ortsdurchfahrt spürbar entlasten.

Mittel im nächsten Haushalt?

Die CDU will ihren Antrag mit Nachdruck verfolgt wissen, um gegebenenfalls bereits in den nächsten Kreishaushalt eine erste Planungsrate aufnehmen zu können.

Landrat Thomas Reinhardt bezeichnete die Überlegungen gestern auf Anfrage als „ganz tolle Idee, die sehr gut in unsere Raumschaft mit dem gefühlten Oberzentrum Heidenheim-Aalen passt“. Zunächst gelte es nun, mit großer Gewissenhaftigkeit eine Potenzialanalyse zu erstellen, um verlässliche Aussagen darüber zu erhalten, wie viele Radler einen solchen Schnellweg voraussichtlich nutzen würden. Damit sei die Frage der Finanzierung verbunden, „und je größer die Zahl der Radler, desto eher wäre das Land im Boot“.

In einem weiteren Schritt folge dann eine Machbarkeitsstudie, aufgrund derer zu entscheiden sei, „ob wir in die Planungsphase eintreten“, so Reinhardt. Sein Aalener Kollege Klaus Pavel stehe dem Vorhaben ebenso aufgeschlossen gegenüber wie er selbst. In Abstimmung mit ihm sei deshalb denkbar, Mittel im Haushalt zu berücksichtigen.

Land fördert Verbindungen

Winfried Hermann, grüner Verkehrsminister in Baden-Württemberg und regelmäßig mit dem Dienstfahrrad unterwegs, hat das Ziel ausgegeben, Berufspendler zum Umstieg vom Auto aufs Rad zu bewegen. Damit das auch auf längeren Strecken funktioniert, will er den Bau von Radschnellwegen forcieren. Zehn davon sollen bis 2025 landesweit entstehen.

Radschnellwege müssen bestimmte Anforderungen erfüllen: mindestens vier Meter breit und fünf Kilometer lang, von anderen Verkehrsmitteln getrennt, kreuzungsfrei, stattdessen mit Unter- oder Überführungen versehen. „Das sind eigentlich keine Wege, das sind Straßen“, so Hermann. Mitunter ist von „Autobahnen für Radler“ die Rede.

Das Verkehrsministerium hat 70 mögliche Korridore für Radschnellwege untersuchen lassen. 32 davon wurden in den vordringlichen Bedarf aufgenommen. Bedingung: 2000 Radfahrer täglich. Pedelecs und E-Bikes eingeschlossen.

Drei Pilotprojekte

Drei Pilotprojekte gibt es. Es handelt sich um die Strecken Heidelberg-Mannheim, Esslingen-Stuttgart und Heilbronn-Neckarsulm-Bad Wimpfen. Auch werden 40 Machbarkeitsstudien gefördert. Höhe des Zuschusses: 80 Prozent.

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