Heidenheim Pfarrer Josef Ebert geht in den Ruhestand

Hat schon mit dem Packen begonnen: Pfarrer Josef Ebert geht in den Ruhestand.
Hat schon mit dem Packen begonnen: Pfarrer Josef Ebert geht in den Ruhestand. © Foto: Jens Eber
Heidenheim / Von Jens Eber 22.07.2018
Pfarrer Josef Ebert verlässt die katholische Dreifaltigkeitsgemeinde nach 19 Jahren. Er geht in den Ruhestand und zieht zusammen mit Heide Fleig an den Bodensee.

In den Regalen in Josef Eberts Arbeitszimmer tun sich schon Lücken auf, am Boden stapeln sich Kartons. Wenn die tägliche Arbeit es zulässt, räumt der Pfarrer der katholischen Dreifaltigkeitsgemeinde bereits aus, denn nicht nur seine Heidenheimer Zeit geht bald zu Ende, sondern auch sein Berufsleben als Seelsorger. Ende des Monats wird Ebert 70, einen Monat später wird er offiziell in den Ruhestand treten. Morgen wird er sich von seiner Gemeinde verabschieden. Mitten im Trubel dieser letzten Tage hat sich Josef Ebert noch ein paar Stunden Zeit genommen, um auf 19 Jahre in Heidenheim und vieles mehr zurückzublicken. Ein bisschen Wehmut ist zu spüren, aber auch die Neugier auf den neuen Lebensabschnitt. Ebert erzählt zugleich sanft lächelnd und ohne Umwege. So kennt man ihn in der Dreifaltigkeitsgemeinde.

„Mein Ziel war, mich als Pfarrer selbst wegzurationalisieren“, sagt Ebert und schmunzelt. Eine möglichst selbstständige Gemeinde, den Menschen Freiheiten und die Chance für eigene Entscheidungen zu lassen, sei sein Weg gewesen. „Es muss nicht überall mein Stempel drauf sein“, glaubt er. Er strebte ein enges Miteinander in der Gemeinde an. Gemeinde als Gemeinschaft eben.

Traditionen hinterfragen

„Ich habe immer gern Traditionen und Riten hinterfragt“, sagt Ebert. Er wollte wissen, was der Kern des Glaubens ist. Und was Traditionen aus diesem Kern machen. „Und ich habe mir Freiheiten genommen“, fügt er hinzu. Kein wörtliches Übersetzen aus dem Latein, sondern einfache, lebensnahe Sprache wollte er einsetzen. Für seine Predigten habe er sich immer sehr viel Zeit genommen, sagt er.

Vielleicht rührt dieses mit Feingefühl eingesetzte Handfeste aus Eberts ungewöhnlichem Weg. 1948 in Crailsheim geboren, wuchs er in Fichtenau auf, besuchte die Volksschule, wurde Landmaschinenmechanikermeister und trat in dritter Generation in die Schmiede der Familie ein. Mit Anfang Zwanzig reifte der Gedanke, noch etwas Neues zu versuchen.

Ebert trat 1971 ins Stuttgarter Ambrosianum ein, wo er das Abitur nachholen konnte – durchaus mit Mühen: „Wenn ich einen Tag lang griechische Wörter gelernt hatte, dachte ich: Was hätte ich da in der Werkstatt wegschaffen können!“ Er habe den „blauen Anton“ immer gerne getragen. Aber das feste Ziel half: von 1975 bis 1980 studierte er in Tübingen Theologie, seine Diplomarbeit schrieb er über „Die Annahme des Todes im Leben“.

Nach der Priesterweihe 1982 und Vikarsstellen in Stuttgart und Villingen-Schwenningen nahm Ebert seine erste Pfarrstelle in Reichenbach/Fils an, bevor er mit seiner Pfarrhausfrau Heide Fleig, mit der er bereits in Schwenningen arbeitete, nach Heidenheim zog.

„Damals war Dreifaltigkeit noch eine geschlossene Gemeinde von überschaubarer Größe“, erinnert er sich. Seither wuchsen die Aufgabenbereiche, die Hauptamtlichen wurden freilich nicht mehr. Für die Arbeit mit Menschen wurde bisweilen die Zeit knapp.

Vor einigen Jahren wuchs daher der Gedanke heran, mit 70 aus dem Beruf zu scheiden – und auch der Vorsatz, nicht in Heidenheim zu bleiben. Er wolle nicht die graue Eminenz im Hintergrund sein, sagt Ebert lachend. Nach einiger Suche fand sich in Wasserburg am Bodensee ein Domizil, das Pfarrer Ebert und seine Pfarrhausfrau bald beziehen werden. Am 5. August hält er seinen letzten Sonntagsgottesdienst, tags darauf kommen die Möbelpacker. Dass sie sich ein gemeinsames Zuhause gesucht haben, ist für Ebert nur folgerichtig: „Ohne sie bin ich nur ein halber Kerle.“ In 31 Jahren der Zusammenarbeit seien sie Freunde geworden, und so übernehmen sie nun auch im Ruhestand Verantwortung füreinander.

In der Gemeinde werden damit bald zwei prägende Menschen fehlen, da Heide Fleig nicht nur organisatorische Stärke bewies, sondern auch Lieder auswählte, in der Trauerbegleitung aktiv war, aber auch als Lektorin und Eucharistiehelferin tätig war und Wortgottesdienste und Andachten hielt.

Mindestens ein Jahr will Pfarrer Ebert am Bodensee aussetzen, alles sacken lassen und Ruhe finden. Dann werden sich für den so ruhigen wie wachen Geistlichen sicher neue Wege auftun.

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