Kirche Pfarrer Gegö nimmt Abschied nach nur drei Jahren

Große Seelsorgeeinheiten, hohe Ansprüche einzelner Gemeindemitglieder und Enttäuschungen: Beim Abschiedsgottesdienst für Pfarrer István Gegö (vorne) gab es auch Einblicke in die Schwierigkeiten, mit denen Pfarrer heute konfrontiert sind.
Große Seelsorgeeinheiten, hohe Ansprüche einzelner Gemeindemitglieder und Enttäuschungen: Beim Abschiedsgottesdienst für Pfarrer István Gegö (vorne) gab es auch Einblicke in die Schwierigkeiten, mit denen Pfarrer heute konfrontiert sind. © Foto: Karin Greth
Karin Greth 29.09.2014
Drei Jahre lang war Pfarrer István Gegö für die Seelsorgeeinheit Heidenheim-Nord tätig, zu der Großkuchen, Königsbronn und Schnaitheim gehören. Am Sonntag nahm er Abschied aus persönlichen Gründen. Er geht als Krankenhausseelsorger nach Sindelfingen.

Voll besetzt war die Kirche St. Bonifatius in Schnaitheim, sogar auf der Empore, die eigentlich dem Chor vorbehalten ist, drängten sich die Besucher beim Abschlussgottesdienst für Pfarrer István Gegö. Neben Gemeindemitgliedern waren viele Pfarrer-Kollegen gekommen, sowohl aus der katholischen als auch aus der evangelischen Kirche, Vertreter der Gemeinden Heidenheim, Königsbronn und Großkuchen.

So voll wie heute wünsche er sich die Kirche immer, kommentierte der katholische Geistliche in seiner letzten Predigt den großen Andrang: „Das zeigt, dass das Interesse an Gott nicht verloren ist“.

Vor allem aber wollten die Gottesdienstbesucher offensichtlich eins: Dem scheidenden Pfarrer für die drei gemeinsamen Jahre danken und ihm zeigen, dass er bei vielen Mitgliedern der Gemeinden sehr beliebt war. „Was Du in diesen drei Jahren geleistet hast, schaffen andere Pfarrer nicht mal in zehn Jahren“, beschied ihm Dekan Prof. Dr. Sven van Meegen. Oberbürgermeister Berhard Ilg erinnerte an den Neubau des Kindergartens, für den sich István Gegö eingesetzt habe im „partnerschaftlichen Miteinander“.

Auch für den Kindergarten in Königsbronn hatte der Pfarrer sich stark gemacht. Es wurde investiert, die Angebote wurden ausgebaut. „Heute ist es der größte Kindergarten in Königsbronn“, lobte der zweite Vorsitzende des dortigen Kirchengemeinderats Hermann Tagscherer. „Pfarrer Gegö hatte stets ein offenes Ohr für die Gemeinde“.

Daneben habe Gegö neue Strukturen ermöglicht, Netzwerke geschaffen und Pfarrämter miteinander verbunden – auch über Konfessionen hinweg, wie die Vertreter der evangelischen Kirche betonten. Pfarrer Michael Williamson als Vertreter der evangelischen Pfarrerschaft versicherte, man werde den katholischen Kollegen vermissen und seine Kollegialität, Herzlichkeit und Gastfreundschaft in Erinnerung behalten. „Es tut uns leid, dass sie hier nicht glücklich geworden sind“, bedauerte Williamson.

Bestürzt und fassungslos sei man gewesen, als man von den Plänen des katholischen Pfarrers gehört habe, die Seelsorgeeinheit zu verlassen, bestätigte Karin Böhm, Laienvorsitzende im evangelischen Kirchengemeinderat Schnaitheim. Gegö habe sehr viel für die Ökumene geleistet. Ihm seien beispielsweise die „Ökumenischen Kulturtage“ in Schnaitheim zu verdanken.

Dankesworte kamen auch von der evangelischen Kirchengemeinde Königsbronn und Zang, von den katholischen Kirchengemeinderäten aus Großkuchen und Schnaitheim, vertreten durch Evelin Städtler-Schieszel und Kuno Hauber, sowie von der italienischen Gemeinde. Gegö habe die Nähe zu den Menschen gesucht, hieß es immer wieder in den Grußworten. Oft war die Rede von seinem „sehr großen Herzen und Einfühlungsvermögen“, von seiner besonderen Gabe für die Seelsorge.

Die Seelsorge wird auch ein Schwerpunkt in Gegös nächstem Dienst als Krankenhausseelsorger in Sindelfingen sein. Für die Pfarrerstelle der Seelsorgereinheit Heidenheim-Nord ist noch kein Nachfolger in Aussicht. Während der Vakanz übernimmt Dekan van Meegen das Amt des Administrators.

Dass der Dienst, den der Geistliche in der Seelsorgeeinheit Heidenheim-Nord geleistet hat, nicht einfach gewesen war, weil es nicht möglich war, all den unterschiedlichen Erwartungshaltungen und individuellen Wünsche der einzelnen Mitglieder nachzukommen und manche Änderung erst auf Widerstand traf, klang ebenfalls in den Grußworten durch.

Man drohe zugrunde zu gehen an den Ansprüchen, mit denen man heutzutage als Geistlicher konfrontiert werde, erklärte Dekan van Meegen: „Manchmal ist der Akku zu Ende. Wir können irgendwann einfach nicht mehr“. Was Gegö für die Seelsorgeeinheit geleistet habe, sei keine Arbeit gewesen, sondern ein Geschenk, für das ein einfaches „Danke“ nicht ausreiche: „Deshalb sage ich: Vergelt's Gott“.

„Ich habe nicht das Recht, über etwas zu lästern. Ich tue es auch nicht“, so Gegö anschließend in seiner kurzen Abschiedsrede und fügte schmunzelnd hinzu: „Als ich nach Schnaitheim kam, dachte ich, ich sei vollkommen“. Dann habe er erkannt: „Ich bin menschlich“. Seinen vorzeitigen Abschied verglich er mit dem Ende einer Ehe. „Es sind immer zwei beteiligt. Sicher habe ich auch dazu beigetragen“.

Er wünsche dem nächsten Pfarrer jedoch „Menschen, die ein Gesicht haben und nicht hintenrum reden“, denn das mache einen kaputt. „Nehmen Sie den Pfarrer auch als Menschen“, bat er die Gemeinde und er riet zu mehr Mut, wenn es darum gehe, Dinge umzugestalten: „Denn Sie können nicht die Asche bewahren.“

Der Abschiedsgottesdienst endete mit einem langen Applaus der Gemeindemitglieder, von denen viele hinterher die Möglichkeit nutzten, sich bei einem Stehempfang noch persönlich von ihrem Pfarrer zu verabschieden.