Heidenheim /  Uhr
„Peter Pan“ im Naturtheater Heidenheim – Erfolgsgeschichte in der langen Reihe von Kinderstücken auf dem Schlossberg, die auch immer wieder mit ganz speziellen Effekten für große Kinderaugen sorgen.

„Peter Pan“ im Naturtheater Heidenheim – Erfolgsgeschichte in der langen Reihe von Kinderstücken auf dem Schlossberg, die auch immer wieder mit ganz speziellen Effekten für große Kinderaugen sorgen.

Auch in diesem Sommer, wenn Peter Pan auf und über der Bühne seine Kreise zieht. Ja, auch über der Bühne, denn der Junge, der nicht erwachsen werden will, muss mit Hilfe des Feenstaubes von Tinkerbell durch den Himmel fliegen – so jedenfalls das Konzept von Regisseur Oliver von Fürich.

Es gab einige Ideen, wie man den Peter über den Köpfen der Zuschauer abheben lassen könnte, doch die waren entweder nicht realisierbar oder zu teuer.

Da kam von Fürich der Kontakt zu Ali Kanmaz zu pass, der sich in verantwortlicher Position bei der unter dem Dach des DRK ansässigen Bergwacht bestens mit dem Auf- und Abseilen von Menschen auskennt. Und so begann ein im wahrsten Sinn des Wortes spannender Prozess, denn es stellte sich heraus, dass Peter Pan wohl am besten mittels einer Seilbahn über die Bühne fliegen sollte.

Und so machten sich gleich fünf Berwächter ans Werk, um Peter Pans Flug zu ermöglichen. Für Frank Rudolf, Lenny Bergmann, Stefan Österreicher, Christoph Hummler und Ali Kanmaz ging es darum, die Erfahrungen, die sie in der Bergwacht mit Höhen- und Tiefenrettung gesammelt haben, und ihr Wissen über Materialbeschaffung mit den Wünschen der Regie in Einklang zu bringen: Da waren jede Menge technischer Faktoren zu berücksichtigen, um die sich hauptsächlich Frank Rudolf kümmerte.

Normen und Vorbilder gab keine, der Bau einer solchen Seilbahn war auch für die erfahrenen Männer der Bergwacht Neuland. Da waren jede Menge Berechnungen angesagt bezüglich Spann- und Belastbarkeit der Seile, welche Winkel bei welcher Spannung zu beachten war und dergleichen mehr. In mehr als 15 Sitzungen nahm das Projekt Gestalt an, und aus einer Seilbahn wurden schließlich zwei – eine mit 42 Metern Spannweite und eine zweite sogar mit 72 Metern.

Und dabei sollte Peter Pan vor der Pause von unten nach oben schweben, was die beiden Tüftler Uwe Liewehr und Markus Hirschberger auf den Plan rief: Sie konstruierten eine Winde, mit der nun Thomas Schirm und Markus Herrmann den jugendlichen Helden in den Turm kurbeln.

Nach der Pause kommt Peter Pan die lange Bahn aus dem Wald über die Bühne geschwebt, und da reicht die Schwerkraft aus, um ihn nach unten gleiten zu lassen. Doch da kam schon das nächste Problem auf die Männer von der Bergwacht zu: die Anlage musste so gebaut sein, dass sie auch ohne ihre ständige Präsenz zuverlässig und sicher auf- und abzubauen sein musste, denn so eine Seilbahn hat im Salem des Jahres 1692 („Hexenjagd“, das andere Stück im Naturtheater) nichts verloren, auch wenn die verwendeten Seile aus optischen Gründen schwarz sind.

Das Thema Sicherheit hatte allerhöchste Priorität, und so sind alle sicherheitsrelevanten Systeme mindestens doppelt vorhanden, um jeden denkbaren Zufall auszuschließen. Getestet hat das alles während der Bauphase der Jüngste des Teams: Benny Baßmann, der sich als „Testpilot“ mutig in das Projekt reinhängte.

Auch die fünf Männer von der Bergwacht waren ehrenamtlich tätig – was im Übrigen auch für ihren „normalen“ Dienst in der seit 1950 bestehenden Ortsgruppe Heidenheim gilt.

Und so wird Peter Pan bis zum 22. August über den Köpfen der großen und kleinen Zuschauer seine Bahn ziehen – übrigens meist vor nahezu ausverkauftem Haus. Doch für die vier Abendvorstellungen am 14. und 15. sowie am 21. und 22. August sind noch Karten erhältlich.