Bilanz Paul Hartmann AG trotzt dem Gegenwind

Gesundheits-Garant: Fast 85 Prozent seines Umsatzes macht Hartmann inzwischen in den medizinischen Kernsegmenten. Inzwischen sind auch die Tochterfirmen wieder auf Wachstumskurs. Gleichzeitig schraubt der Konzern an seiner Profitabilität.
Gesundheits-Garant: Fast 85 Prozent seines Umsatzes macht Hartmann inzwischen in den medizinischen Kernsegmenten. Inzwischen sind auch die Tochterfirmen wieder auf Wachstumskurs. Gleichzeitig schraubt der Konzern an seiner Profitabilität. © Foto: Jennifer Räpple
05.11.2013
Ehrgeizige Wachstumsziele hat sich die Paul Hartmann AG gesetzt – und in den ersten neun Monaten des Jahres 2013 zog das Wachstum bei Hartmann auch weiter an – trotz, wie üblich, widriger Marktbedingungen und offenbar hoher Kosten, auch für die Schließung von Logistik-Standorten.

In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahrs 2013 stiegen die Umsatzerlöse der Hartmann-Gruppe laut dem jüngsten Quartalsbericht weltweit auf 1,33 Milliarden Euro – einer Zunahme um 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das organische Wachstum, also ohne Währungs- und Akquisitionseffekte, lag bei 3,2 Prozent. Mehr Wachstum also, wie es Hartmann-Vorstandschef Andreas Joehle anvisiert, der in den kommenden Jahren das Wachstum auf rund 6 Prozent verdoppeln will.

Gestiegen ist das Ergebnis trotz der Aufwendungen im Zuge der Neuausrichtung der Logistikstrukturen in Deutschland, die die Schließung zweier Standorte in Hannover und Recklinghausen zur Folge hatte. Viel Geld hat Hartmann nach eigenen Angaben auch zur Vorbereitung der Inbetriebnahme des neuen Produktions- und Logistikzentrums in Russland in die Hand genommen.

Im laufenden Hartmann-Geschäft dominiert die Medizin immer deutlicher. Inzwischen liegt der Anteil der medizinischen Kernsegmente am Gesamtumsatz bei 84,5 Prozent.

Wachstumsschübe brachte 2013 bisher vor allem das Infektionsmanagement: Hier stiegen die Umsätze zum 30. September um 3,7 Prozent auf 291,3 Millionen Euro, gefragte Hartmann-Produkte sind hier vor allem kundenindividuelle OP-Sets und Desinfektionsmittel. Auch OP-Einweginstrumente verzeichneten ein kräftiges Umsatzplus.

Auch das Wundmanagement verzeichnete eine Steigerung der Umsatzerlöse um 2,6 Prozent auf 363,9 Millionen Euro. Deutlich schwächer wuchs das Segment Inkontinenzmanagement, das um 0,4 Prozent auf 469,9 Millionen Euro zugelegt hat.

Mit im Wachstumszug fahren inzwischen auch die Hartmann-Töchter abseits des Kerngeschäfts: Die „weiteren Konzernaktivitäten“ legten um drei Prozent auf 205,7 Millionen Euro zu. Insbesondere die Noge-Gruppe wuchs, aber auch Kneipp und CMC trugen zum Umsatzplus bei.

Beim Blick auf die Gewinne lohnt sich ein Exkurs: Seit über neuen Monaten treibt Hartmann sein Programm „Benchmark“ für Wachstum und Profitabilität voran. Der Konzern will den Vertrieb im Bereich Unterdruck-Wundtherapie und moderner Wundbehandlung ebenso massiv verstärken wie im Bereich Hände- und Flächendesinfektion.

Gleichzeitig wird die Logistik neu aufgestellt: Recklinghausen und Hannover schließen als Hartmann-Standorte, parallel wird in Russland das neue Werk in Betrieb genommen. Beides, so Hartmann, „führte zu Aufwendungen, die das Ergebnis belasten“. Dennoch stieg der Gewinn vor Steuern (Ebit) zum 30. September um 2,9 Prozent auf 74,9 Millionen Euro. Das Konzernergebnis verbesserte sich um 4,3 Prozent auf 47 Millionen Euro.

Meilenweit im grünen Bereich liegt Hartmann bei seiner Finanzausstattung: Die Eigenkapitalquote erreichte 53,3 Prozent, die Nettoverschuldung wurde seit September 2012 um weitere 35 Millionen Euro auf nurmehr 74,7 Millionen Euro gesenkt.

Seit Anfang des Jahres stieg die Zahl der Hartmann-Mitarbeiter weltweit um 180 auf jetzt 10 400. Eingestellt hat Hartmann seiner Strategie folgend vor allem im Vertrieb, dazu in den neuen Standorten in Russland und Tschechien. Knapp über 60 Prozent aller Hartmann-Mitarbeiter arbeiten im Ausland.

Wie geht es weiter? Hartmann-Vorstandschef Andreas Joehle in der Pressemitteilung des Konzerns: „Für das laufende Geschäftsjahr erwarten wir ein organisches Umsatzwachstum im Bereich der Steigerung des Jahres 2012. Unter Abwägung aller Einflussfaktoren und sofern sich keine unerwarteten Einmaleffekte ergeben, bin ich zuversichtlich, dass sich im Jahr 2013 Ebit und und Konzernergebnis erhöhen.“ Im vergangenen Jahr hatte Hartmann rund 1,75 Milliarden Euro erlöst, bis 2020 sollen es drei Milliarden Euro werden.

Dazu will Hartmann weiter sein „Benchmark“-Programm umsetzen, organisches Wachstum in alten wie neuen Märkten erreichen und weiter an der Effizienz seiner Prozessearbeiten, um Kosten zu senken und die Gewinne zu steigern.