Heidenheim Park statt Parkplätze: Voith baut um

Heidenheim / Thomas Zeller 24.01.2019
Der Konzern will seine Zentrale in eine Art Campus verwandeln und setzt dabei auf mehr Grün und eine freigelegte Brenz.

Die alte Voith-Kantine hat ihre besten Zeiten schon einige Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte, hinter sich. Während das Essen bei der letzten Mitarbeiterbefragung gute Noten bekam, schnitt das Gebäude nur mäßig ab. „Zu laut, zu eng“ – war die fast einhellige Meinung der Beschäftigten. Das möchte das Unternehmen nun aufgreifen, indem es ein neues Betriebsrestaurant baut.

Überraschend bei diesem Projekt ist nach HZ-Informationen, dass Voith den Abriss des alten Gebäudes aus dem Jahr 1953 als Ausgangspunkt für eine grundlegende Umgestaltung des Standortes Heidenheim nutzen möchte. „Wir wollen dabei der Stadt Heidenheim etwas zurückgeben“, bestätigt Pressesprecher Lars Rosumek entsprechende Vorhaben.

Zurzeit befinden sich rund um die alte Kantine zahlreiche versiegelte Flächen, mit Parkplätzen in der St.-Pöltener-Straße, oder vor dem Konzerthaus. „Dieses Areal wollen wir stärker begrünen, so dass aus dem Werksgelände eine Art parkähnliche Campus-Landschaft entsteht“, sagt Rosumek.

Chance für die Innenstadt

Dazu gibt es noch Ideen die Brenz in diesem Gebiet freizulegen und eventuell die bestehende Pforte abzureißen. Insgesamt will Voith einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag investieren. In der Stadtverwaltung stößt das Projekt auf Begeisterung. „Wenn man bedenkt, wie hoch die Zahl der Beschäftigten, aber auch der Kunden, Lieferanten und Gäste ist, die täglich bei Voith ein- und ausgehen, ist dies ein Projekt, das unser Image als moderne Industriestadt voranbringt“, sagt Oberbürgermeister Bernhard Ilg. Auch der scheidende Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Ulrich Grath, hat große Erwartungen. „In vielen Städten Europas findet das Leben entlang von Flüssen statt. Heidenheim hat so die Chance, sich von einer Industrie- zu einer Wohnstadt zu entwickeln“, meint Grath, der neben seinem politischen Amt ein Immobilienbüro betreibt.

Die Pläne von Voith befinden sich aber noch in einem frühen Stadium. „Wir sind noch bei der Vorplanung“, sagt Rosumek. Allerdings gehe er davon aus, dass bereits im kommenden Jahr mit dem Bau der neuen Kantine begonnen werden könne. Die Umsetzung der Campus-Idee soll zeitgleich mit dem Abriss der alten Kantine im Jahr 2021 stattfinden. „Es versteht sich von selbst, dass die Stadtverwaltung das Projekt aktiv und mit Nachdruck begleiten und unterstützen wird, vor allem bei der Genehmigung der verschiedenen Bauvorhaben“, kündigt Oberbürgermeister Ilg an.

Nicht alles wird immer umgesetzt

Pläne müssen aber nicht immer Realität werden. Noch vor einigen Jahren hatte Voith an der Stelle des Parkplatzes in der St.-Pöltener-Straße den Bau einer fast futuristisch wirkenden Konzernzentrale angekündigt. 2008 stoppte der damalige Konzernchef Hubert Lienhard das Projekt, nachdem absehbar war, dass das Budget von 35 Millionen Euro nie hätte eingehalten werden können. Die darauffolgende Wirtschaftskrise bewies, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte.

Doch Lienhard will anscheinend nicht nur als Sanierer in die Voith-Geschichte eingehen. Er war einer der Ideengeber des Campus-Projektes. Zunächst überzeugte er Aufsichtsrat-Chef Hans-Peter Keitel von dem Konzept. Danach gelang es beiden den wichtigen Voith-Gesellschafterausschuss auf ihre Seite zu bekommen, damit dieser auf die bereits erteilten Baugenehmigungen verzichtet und der Begrünung zustimmt. Doch auch dieses Projekt wird vermutlich nicht ganz ohne Konflikte auskommen. Dieses Mal könnte die Parkplatzfrage zu einem Diskussionspunkt mit der Belegschaft führen, denn für die geplanten Parkanlagen werden viele bestehende Stellflächen für die Mitarbeiter an der St.-Pöltener-Straße verschwinden. „Wir werden aber ausreichend neue Plätze auf dem Areal der abgerissenen Gießereigebäude schaffen“, sagt Rosumek. Es könnte aber sein, dass sich dadurch einige Wege zum Arbeitsplatz etwas verlängern.

Unklar ist im Augenblick auch noch, welche Bereiche Voith künftig für die Öffentlichkeit zugänglich machen wird. „Aus Sicherheitsgründen werden wir natürlich weiterhin Eingangskontrollen haben, vermutlich aber nicht mehr an allen Stellen, wo sie sich heute befinden“, sagt Rosumek.

Die Voith-Kantine

Das Betriebsrestaurant wurde 1953 gebaut und platzt zurzeit aus allen Nähten. Bis zu 1200 Voithianer gehen hier jeden Tag essen. Sie werden von insgesamt 28 Mitarbeitern verpflegt. Bei einer internen Umfrage im September 2018 bemängelten immerhin Zweidrittel der Teilnehmer die „Bahnhofs-Atmosphäre“ in dem Gebäude. Negativ bewertet wurden außerdem das geringe Platzangebot und die fehlenden Rückzugsmöglichkeiten.

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