Heidenheim Warum es überhaupt noch Stadtpläne gibt

Praxistest beim Blick vom Schloss: Stimmen die Angaben?
Praxistest beim Blick vom Schloss: Stimmen die Angaben? © Foto: Christian Thumm
Heidenheim / Michael Brendel 14.09.2018
Aufgrund der anhaltend hohen Nachfrage ist jetzt nach längerer Pause wieder eine aktualisierte Version des Heidenheimer Stadtplans auf den Markt gekommen.

Eigentlich längst totgesagt, erweist er sich als wahrer Dauerbrenner: Der Heidenheimer Stadtplan ist in einer Neuauflage erschienen. Mitten im digitalen Zeitalter gänzlich analog und gerade deshalb bei vielen beliebt, wie Kristin Schindwolf vom Geschäftsbereich Vermessung und Geoinformation im Rathaus weiß: „Besonders Rettungsdienste greifen gerne darauf zurück, weil sie so im Einsatz bei Bedarf manchmal schneller eine alternative Zufahrt ausmachen können als auf dem kleinen Navi-Bildschirm, und außerdem handschriftliche Vermerke möglich sind.“

Schindwolf zufolge erreichen die Stadtverwaltung daneben regelmäßig Nachfragen von Bürgern. Wenngleich die Verbreitung mobiler Endgeräte weiter wächst, scheint also der Blick auf den Faltplan herkömmlicher Prägung nach wie vor beliebt. Das gilt auch für Auswärtige, deren Navigationsgeräte im Heidenheimer Einbahnstraßengeflecht immer wieder einmal an ihre Grenzen stoßen.

A7 erforderte neue Pläne

Als Schindwolf vor 30 Jahren erstmals für die Erstellung eines Stadtplans verantwortlich zeichnete, war die Arbeit stark beeinflusst von der Verlängerung der A 7 bis zur Anschlussstelle Heidenheim. Die Hochzeit der Navis hatte noch nicht begonnen, und so wurden gleich 10 000 Pläne hergestellt. Abnehmer waren insbesondere Speditionen und Tankstellen.

„Damals wurde noch in einer Dunkelkammer gearbeitet“, erinnert sich Schindwolf, „mit Chemikalien und Stripfolie.“ Seit der Umstellung auf digitale Technik im Jahre 2000 sind hingegen moderne DTP-Programme im Einsatz, die permanente Aktualisierungen ermöglichen. Die Daten dienen verwaltungsintern als Basis für zahlreiche Entscheidungen, etwa für die Einteilung von Müllabfuhr-, Schornsteinfeger- und Wahlbezirken sowie für die Festlegung von Schulwegplänen.

Service für Vereine

Bürger können auf diese Digitalversion nicht ohne Weiteres zurückgreifen. Vereine hingegen erhalten auf Anfrage kostenlos Kartenausschnitte zur Verfügung gestellt, wenn sie beispielsweise vor Veranstaltungen die Einladungen mit Anfahrtswegen versehen wollen. Als vorteilhaft erweist sich dabei, dass sämtliche Urheberrechte bei der Stadt liegen.

Bleibt ansonsten der Verweis auf die Faltpläne, die einst in einem Turnus von etwa drei Jahren erschienen. Das änderte sich in dem Maße, in dem sich Navigationsgeräte mehr und mehr zu einer Selbstverständlichkeit entwickelten. Unterbrochen wurde die Entwicklung freilich durch die Landesgartenschau 2006: Mit einer neuen Version reagierte die Stadtverwaltung seinerzeit auf die Bedürfnisse der zahlreichen Besucher und der Veranstalter von Kongressen, Jahrestagungen, Fachkonferenzen.

Seither tat sich nichts mehr. Und jetzt gibt's also aus den genannten Gründen nach gut einem Jahrzehnt eine Neuauflage. Die Pläne aus oberflächenbeschichtetem, strapazierfähigem Landkartenpapier bieten auf der Vorderseite auf rund einem Quadratmeter einen Überblick im Maßstab 1:10 000 über die gesamte Heidenheimer Markung. Hinzu kommen sechs kleinere Ausschnittskarten für den Innenstadtbereich sowie – im Maßstab 1:5000 – für die Teilorte.

Service als Richtschnur

Als Richtschnur gilt, dass Objekte mit einer Grundfläche von weniger als zehn auf zehn Metern nicht grafisch dargestellt werden. Ausnahmen gibt es, „insofern ein öffentliches Interesse vorliegt“, sagt Schindwolf. Ein solches kann unter Service-Gesichtspunkten auch in der Orientierungsfunktion begründet sein, wie beim Waaghäusle in Kleinkuchen.

Berücksichtigt ist außerdem so manches, was mit hoher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zeit zum Stadtbild gehören wird. Der Hochschul-Campus auf dem früheren WCM-Gelände etwa. Andere Bezeichnungen werden in absehbarer Zeit vielleicht nicht mehr zutreffen: Wer weiß schon, ob nach dem ehemaligen Albstadion und der heutigen Voith-Arena einst eine Sportstätte ganz anderen Namens auf dem Schlossberg steht.

Auf der Rückseite des Plans findet sich ein umfangreicher Textteil, der nicht nur Neubürgern einen Überblick über wesentliche Details der Stadt bietet. Dazu gehören unter anderem ein Straßenverzeichnis samt zugehöriger Postleitzahl, Angaben zu öffentlichen Einrichtungen, Buslinien, Spielplätzen, Friedhöfen, Umweltzonen, Topografie, Gewässern, Naturdenkmalen, Kultur und Sport.

Praxistest in Fußgängerzone

Hinsichtlich der Anwenderfreundlichkeit konnten auch die Heidenheimer Bürger ein Wörtchen mitreden: Die Ergebnisse eines Praxistests in der Fußgängerzone bestimmten darüber, welche Inhalte beim Entfalten des Plans zuerst zu sehen sind.

Die Neuauflage des Stadtplans umfasst 3000 Faltpläne und 300 ungefaltete Exemplare, die sich dafür eignen, an die Wand gehängt zu werden. Erhältlich sind sie im örtlichen Buchhandel und im Pressehaus zum Preis von 3,50 Euro.

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