Heidenheim / Hendrik Rupp  Uhr
1,7 Millionen Euro stehen zum Auftakt für das Sanierungsgebiet Oststadt zur Verfügung. Station für Station begutachtete der OB mit interessierten Bürgern und Vertretern des Gemeinderats, was wo zu tun ist und mit welchen Problemen dabei umgehen werden muss.

Kein Schneeregen wie beim ersten Spaziergang am 20. Februar, stattdessen anfangs Sonnenschein. Dennoch sind am Samstag weniger Bürger zum zweiten Stadtteilspaziergang erschienen. Keine 50, wenn man die Vertreter der Verwaltung und die wenigen Stadträte abzieht. Weniger zu tun im südlichen Teil der Oststadt? Fast scheint es so, dass das auch die Bürger so sehen.

Obwohl man direkt am früheren Gummi-Becker-Areal startet, bleibt das Interesse am Fabrikgelände gering. OB Ilg erinnert an das Heckmeck in Sachen Schlachthof-Areal, sagt ausdrücklich, man warte ab, ob der Eigner eine industrielle Verwendung habe, Jobs gingen vor. Und wenn nicht? Vom Bauhof hört man nichts mehr, stattdessen erwähnt der OB noch einmal, dass im Gemeinderat von einer Sporthalle die Rede war. Ingeborg Fiedler, Schulleiterin des Schiller-Gymnasiums, nebenan, fände das gut, sagt sie. Ansonsten ist ihre Schule kein Thema – alles schon saniert.

Das war es dann eigentlich schon mit den ganz großen Brocken, der Rest gerät zum Spaziergang durch ernst zu nehmende, aber eher überschaubare Probleme und Anregungen. Anwohner an der Robert-Koch-Straße ärgern sich über Verkehrsteilnehmer, die die eingeschränkte Einbahnstraßen-Regelung nicht verstehen oder nicht verstehen wollen, auch am Martin-Luther-Weg parken zu viele Autos, die nichts mit den Anwohnern zu tun haben. Ein Stichweg zum Vohberg wird nicht geräumt (was freilich Sache der Anlieger wäre), und oben am Wald nutzt man den breiten Fußweg zu oft als Schnellstraße auf die Hansegisreute.

Stadtrat Rudi Neidlein regt an, die Felsen an der „Himmel und Höll'“ über den einstigen Siechenhäusern (nach denen der Siechenberg benannt ist) freizulegen. Dann werde es Erdrutsche geben, heißt es von Bürgern, obwohl die Felsen bis vor 50 Jahren frei standen, ohne dass allzu viele Muren abgegangen wären.

Weiter in die Bühlstraße, wo es wieder mehr um den Städtebau geht: Gerade die Wohnblocks wurden ohne Garagen konzipiert, nun reihen sich die Autos am Straßenrand, immer auch auf dem Gehsteig. Und die breiten Grünstreifen vor den Häusern liegen öd, ungepflegt und leer. Wenn die Gagfah-Nachfolger des Wohnungskonzerns Vonovia etwas Grund abgäben, könne man doch für Parkbuchten sorgen? Könnte man, stimmt der OB zu.

Weit mehr Raum nehmen dann aber wieder Momentaufnahmen aus den Häusern ein. Viel hat die Vonovia renoviert, viele neue Mieter sind eingezogen. Und die Alteingesessenen kämpfen darum, schwäbische Hausordnungen zu vermitteln: Kehrwoche, Müll nur zur Abfuhr vor die Türe. „Ich habe da am Ende Kalender kopiert und Bilder von Gelben Säcken gemalt“, sagt eine Bewohnerin. „Bravo“, sagt der OB, der wieder und wieder dafür wirbt, dass Anwohner auch einmal selbst die Initiative ergreifen, statt auf die städtische Ordnungsmacht zu hoffen. Ein Vertreter der Vonovia verspricht auch, mehr zu tun – oft seien die Häuser erst seit Kurzem wieder vermietet, man werde sich jetzt um Hausordnungen kümmern.

„Die Karawane zieht weiter“, sagt der OB, und sie zieht weiter an die Römerstraße. Hier gibt es wieder öffentlichere Anliegen. Nur zwei Zebrastreifen gibt es auf der Haupterschließungsstraße für Oststadt und Osterholz, mehreren Vätern ist das zu wenig auf dem Schulweg ihrer Kinder. Und die Autos führen zu schnell. „Wir müssen sehen, wie wir das gestalten können“, sagt der OB und Stadtplanerin Andrea Nußbaum schreibt mit. Noch einmal geht es um Mülleimer, und es ist der OB selbst, der das Augenmerk auf die Grünfläche an der Kreissparkasse richtet. „Da könnte man mehr draus machen“, stimmen die Oststädter zu. Jedenfalls mehr als ein mittelgroßes Hundeklo.

Einmal mehr staunen der OB sowie mancher Stadtrat nicht schlecht, als es durch die Siedlungen des alten „Japan“ geht: „Wo in der Stadt haben wir denn so viel Grün zwischen den Häusern, so viel Luft und Licht?“, fragt der OB. Und ist sich sicher: „Da kann man ein richtiges Schmuckstück draus machen“.

Noch einmal geht es auf den Ostplatz, noch einmal wird klar, dass eine Umgestaltung die Quadratur des Kreises schaffen muss: Vielleicht übersichtlicher, aber dann bitte auch nicht als Rennstrecke. Vielleicht, sagt der OB, müsse man auch mal den Mut zu größeren Schritten haben, den Durchstich der Friedensstraße zum Ostplatz komplett sperren, um den „Schleichweg-Verkehr“ (de facto ist die Route länger als die eigentlich übliche) stillzulegen.

Rund um die Paradiesstraße dann ähnliche Sorgen: Zwar sind die Sträßchen eigentlich ruhig, doch seit der Überbauung mit größeren Wohnhäusern fehlten Parkplätze für Besucher, und Durchgangsverkehr saust durch Straßen, in denen er nicht wie an der Bühlstraße mit Radarfallen rechnen muss. Schwellen hätte mancher Anwohner gerne, doch der OB schüttelt den Kopf und verweist darauf, dass die kleinen Seitenstraßen in der Oststadt schon im städtischen Vergleich kaum Verkehrsdichten aufweisen.

Eine neue Grünanlage, vielleicht neue Parkbuchten, ansonsten viel Nachbesserung an Schildern, Regeln und Verkehrsführung. Eigentlich ein gutes Zeichen, wenn ein Stadtquartier mit rund 4000 Einwohnern keine größeren Probleme hat. Wichtig ist es den Anwesenden dennoch: „Ich finde es super, hier mal mit dem OB alles besprechen zu können“, sagt eine Dame. „Des“, sagt Stadtrat Martin Grath, „isch Bürgerbeteiligung.“