Schock in Herbrechtingen und an anderen Standorten des Leuchtenherstellers Osram in Deutschland: Der Konzern will nach Angaben der IG Metall 800 seiner 5600 deutschen Arbeitsplätze abbauen. Auch im Werk Herbrechtingen sollen 315 von insgesamt 860 Jobs gefährdet sein, berichtet Tobias Bucher von der IG-Metall Heidenheim auf Nachfrage.

Stammbeschäftigte und Zeitarbeiter in Herbrechtingen betroffen

Eine offizielle Bestätigung des Vorstands von Osram für die Zahlen gibt es allerdings bisher nicht. Aus der Pressestelle heißt es, man stehe „in Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern“. Laut IG-Metall soll der Personalabbau in Herbrechtingen 260 Stammbeschäftigte und 55 Zeitarbeiter treffen.

Vom deutschlandweiten Stellenabbau betroffen seien vor allem die Werke, in denen die „traditionellen Produkte“ produziert würden, sagte der Osram-Pressesprecher. Darunter fallen auch Halogenleuchten, wie sie in Herbrechtingen produziert werden. Diese würden einfach nicht mehr gebraucht, da in neuen Autos praktisch nur noch LED-Leuchten verbaut werden.

Es gebe aber Qualifizierungsmaßnahmen. Drei bis vier Dutzend Mitarbeiter seien bereits von Halogen- auf LED-Leuchten umgeschult worden – auch in Herbrechtingen gebe es Qualifizierungsmaßnahmen.

Betriebsrat von Osram: Mitarbeiter sind geschockt

Der Vorsitzende des Betriebsrats von Osram, Alexander Müller, bestätigte auf Anfrage die Entlassungspläne: "Der Arbeitgeber hat uns in einer Besprechung mit dem Abbau von mehr als 300 Stellen konfrontiert." Eine genaue Zahl sei nicht genannt worden. "Die Belegschaft ist natürlich geschockt. Zumal wir bis jetzt bereits 120 Stellen abgebaut hatten", erklärte Müller.

Dem Betriebsrat sei natürlich klar, dass man sich in einem Technologiewandel befinde. Aber die Arbeitnehmervertreter fordern, dass man sich im Sinne der IG-Metall-Kampagne für Osram, "Licht an, statt aus", gemeinsam an einen Tisch setze, um die Zukunftstechnologie an die Standorte zu bringen.

Müller betont, dass Osram seit mehr als 100 Jahren auf dem Markt sei und fragt: "Werden die Lichtpunkte auf der Welt mehr oder weniger? Es werden mehr - und wir sind die Lichtexperten."

Müller sieht auch die Gefahr, dass Entlassungen sich herumsprechen und mithin eine weitere Fluktuation von Mitarbeitern nach sich ziehen könnten. Dadurch wandere Kompetenz aus dem Unternehmen ab, was schlecht für einen Technologie-Konzern wie Osram sei.

Proteste in München und Berlin

Unterdessen haben mehrere Hundert Osram-Mitarbeiter und Betriebsräte aus ganz Deutschland vor der Münchner Konzernzentrale des angeschlagenen Beleuchtungsherstellers gegen Stellenabbau protestiert. Darunter waren der Gewerkschaft IG Metall zufolge auch mehr als 300 Mitarbeiter des Osram-Werks Herbrechtingen.

Die Gewerkschaft forderte dabei langfristige Investitionen in die deutschen Standorte und die Zurücknahme der Entscheidung für Verlagerungen ins Ausland.

Osram schreibt rote Zahlen

Derzeit schreibt Osram rote Zahlen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr summierten sie diese Verluste des Traditionsunternehmens auf fast 500 Millionen Euro. Hauptgrund dafür ist die gesunkene Nachfrage von Auto- und Smartphoneherstellern - das sind die beiden wichtigsten Abnehmer. In Herbrechtingen produzieren 860 Mitarbeiter vor allem Halogenlampen für die Autoindustrie. In Berlin werden unter anderem Scheinwerfer, Projektoren und Speziallampen hergestellt.

Der österreichische Sensorhersteller AMS will Osram übernehmen, IG Metall und Betriebsräte fürchten, dass das die Zerschlagung des Unternehmens bedeuten würde.