Konzert Oratorienchor glänzt gemeinsam mit dem Newport Choir

Andächtige Stille folgte auf das Konzert in der Pauluskirche und anschließend Applaus von 400 Besuchern.
Andächtige Stille folgte auf das Konzert in der Pauluskirche und anschließend Applaus von 400 Besuchern. © Foto: Rudi Penk
Heidenheim / Hans-Peter Leitenberger 05.11.2018
400 Besucher lauschten am Samstagabend in der Pauluskirche dem Oratorienchor Heidenheim, der gemeinsam mit dem Newport Philharmonic Choir spielte.

Seit 25 Jahren gibt es die Partnerschaft zwischen dem Oratorienchor Heidenheim und dem Newport Philharmonic Choir. Am Samstagabend erklang in der Pauluskirche mit Giacomo Puccinis „Messa di Gloria“ bewegendes Konzert das richtig „unter die Haut“ ging.

Das Ensemble Jadis zeigte als Instrumentalgruppe hohes technisches Können und beeindruckte mit einfühlsamer Spielweise. Ein glänzender Einfall des Ensembles war es, als Hommage an die walisischen Gäste Gustav Holsts „St.Paul€s Suite“ darzubieten. Die angelsächsische Mischung aus zündender Rhythmik und folkloristischer Melodik mit dynamischen Finessen hatte im Spiel des Ensembles seinen mitreißenden Reiz, besonders im ostinaten Teil.

Fokus und Spannung

Unter dem lebhaften wie einfühlsamen Dirigat von Ulrike Blessing erlebte man bei der Messa di Gloria schon beim Kyrie-Beginn die gelungene Verbindung von der Lebendigkeit des Ausdrucks und vokalem Wohlklang. Das von opernhafter Üppigkeit gezeichnete Gloria wurde vom ORA punktgenau und fokussiert ausgesungen ohne jegliches Pathos, dafür mit spürbarer Spannung.

Der souverän arbeitende Solo-Tenor Shichao Cheng zeigte bei „Gratias agimus“ eine sonore Noblesse. Die Mitwirkung der Newporter Choristen war eine echte Bereicherung des Klangkörpers. Die stimmliche Verstärkung besonders durch strahlkräftige, saubere Bässe bei „Gloria in excelsis“ konnte man klar heraushören.

Stimmige Artikulation und Phrasierung bei der hymnischen Spiritualität im „Credo“ beeindruckten fast durchweg. Bei „Et incarnatus est“ nahm sich der Chor zurück ohne an stimmlicher Substanz zu verlieren und überließ Shichao Cheng einen glockenhellen Part bei „et Maria virgine“.

Der substanzreiche Bass von Philipp Alexander Mehr kam beim „Crucifixus“ mit bewegender Ausdruckstiefe und deklamatorischer Kraft. Seine stimmliche Flexibilität mit Stärken auch im baritonalen Bereich zeigte sich bei „passus et sepultus est“.

Hier zeigte der Chor ein paar kleine Schwächen. Die Tenöre kamen bei „Et in spiritum sanctum“ etwas abgerissen und zu gedämpft, obgleich sonst zu hören war, dass an der Phrasierung gekonnt gearbeitet wurde. Die Klangfarben beim umfangreichen „Credo“ sowie die ausgreifende Dynamik waren für den Chor bis auf wenige Ausnahmen kein Problem und die feierlichen Bläserlinien am Schluss erfreuten durch präzisen Ansatz und Eleganz wie die kräftigen, aber feinsinnigen Streicherfiguren des Ensembles Jadis.

Glänzender Bariton

Beim Sanctus und Benedictus hatte der Chor wieder zu seiner intonatorischen Präzision zurückgefunden. Der Bariton Dennis Sörös glänzte bei „Benedictus qui venit“ mit Strahlkraft und Ausdruckstiefe, aber auch mit dezenter Stimmführung und Hingabe. Ein wirklich beeindruckende Stimme, die im Agnus Dei zusammen mit dem Tenor für ein exquisites Hörerlebnis sorgte.

„Ein Schelm, wer Böses dabei denkt“ steht auf dem „englischsten“ aller Orden Großbritanniens, dem Hosenbandorden. Hat etwa der glänzend agierende Philharmonic Choir aus Newport dazu beigetragen, dass der Oratorienchor Heidenheim zu einer formidablen stimmlichen Präzision zurückgefunden hat?

Es war jedenfalls eine Freude, dem kantablen Fluss der Stimmen beider Chöre zu lauschen.

Dem Konzert folgte zunächst eine andächtige Stille, die wohl der Majestät der Darbietung geschuldet war. Der Beifall kam danach von 400 Besuchern mit ehrlicher und freudiger Begeisterung.

Der Oratorienchor Heidenheim und der Newport Philharmonic Choir

Im November 2013 feierte der Oratorienchor Heidenheim mit einem Festakt und gemeinsamen Konzert das 20 jährige Bestehen der Chorpartnerschaft mit dem befreundeten Newport Philharmonic Choir aus Newport inWales.

Im Oktober 2015 stattete ein Teil des Oratorienchores dem Partnerchor in Newport einen Gegenbesuch ab, in dessen Rahmen am 17. Oktober 2015 die Johannes Passion auf deutsch in der St. Julien's School in Newport gemeinsam aufgeführt wurde. Es wurde die Einladung zu einem Gegenbesuch 2018 nach Heidenheim ausgesprochen, an dem dann beide Chöre gemeinsam ein Konzert aufführen werden. So nun in der Pauluskirche geschehen.

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