Heidenheim Opernzelt: Musik mit dem Plastikschwert

Kleine Komponisten im Opernzelt: Schüler der Königsbronner Georg-Elser-Schule und der Grundschule Großkuchen interpretierten die diesjährige Junge Oper völlig neu.
Kleine Komponisten im Opernzelt: Schüler der Königsbronner Georg-Elser-Schule und der Grundschule Großkuchen interpretierten die diesjährige Junge Oper völlig neu. © Foto: Oliver Vogel
Heidenheim / HZ 13.07.2018
Im Rahmen der Opernfestspiele Heidenheim wurden experimentierfreudige Kinder zu Komponisten.

Was passiert, wenn gestandene Musiker und spielfreudige Kinder zusammen komponieren? Es entsteht in jedem Fall ein unterhaltsamer Abend. Zumindest im „Zelt der Begegnung“, einer Art Experimentierbühne der Opernfestspiele Heidenheim, konnte man bei „OH! Komponieren – Die Entscheidung“ diesen Eindruck gewinnen. Mäusekostüme? Altruistische Kulturschaffende, die Kinder vor sich herschieben? Zeitgenössischer Bierernst gar? Alles Fehlanzeige.

Musiker der Cappella Aquileia, dazu Vermittlungsexperten des Münchner Projekts „Musik zum Anfassen“ und vor allem die Kinder aus der Georg-Elser-Schule Königsbronn und der Grundschule Großkuchen: die rund 80 Akteure boten rund 200 Gästen eine überaus kurzweilige Stunde, und zwar ab dem Zeitpunkt, als sie einmarschierten, natürlich mit Musik und in rhythmisch karawanenhaftem Seemannsgang; die acht Musiker unter der Leitung von Heinz Friedl und Christian Mattick nicht im Frack, sondern im nicht minder passenden Arbeitsoverall.

Denn ein großes Stück Arbeit waren die sechs Musik-Projektwochen an den beiden Schulen, die im Vorfeld stattgefunden haben, allemal. In Workshops mit Profis erlebten die Schüler verschiedene Aspekte von Musik und entwickelten eigene Kompositionen – eine anspruchsvolle Arbeit, hatten doch die meisten Kinder keine oder nur geringe Vorbildung in diesem Bereich.

Mit viel Freude gingen die Kinder dann an ihre Kompositionen. Die Klasse 4 b aus Großkuchen säuselte Wüstenwind in Summ- und Blasgeräuschen, hielt rhythmischen Baustellenlärm dagegen, unterbrochen von höhnischem Gelächter des Pharao: Nicht weniger als die gesamte Junge Oper 2018 „Moses' Entscheidung“ war da nachempfunden. Die Klasse 3 dagegen stellte sieben Plagen vor, eine Art musikalischer Albtraum im guten Sinne, mit Fliegengesurre und quakenden Fröschen. Klare Unterscheidungen zwischen den guten und bösen Helden der Jungen Oper bebilderten klanglich die Kinder der Klasse 4 b aus Königsbronn.

Das Böse des Opernplots hatte es den Königsbronner Klassen 5 a und 5 b angetan: Hier hielten auch „Darth-Vader“-Musik und Beatboxen her, um die Hoffnungslosigkeit des ungleichen Paars Moses und Saphira akustisch zu gestalten. Kinder und Musiker wurden ins rechte Licht gerückt von der Ton-Licht-AG des Hellenstein-Gymnasiums.

Obwohl Anfang und Ende der Musikgeschichten mitunter schwer auszumachen waren: Wer mit Plastikschwert, Schlauchtrompete und Hotelschlappen derartige Gesamtkunstwerke zaubert, hat alle Anerkennung verdient.

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