Oper Opernfestspiele: Randall Jakobsh ist der Daland im „Fliegenden Holländer“

Verhinderter Förster: Randall Jakobsh.
Verhinderter Förster: Randall Jakobsh. © Foto: Oliver Vogel
Heidenheim / Manfred F. Kubiak 18.07.2017
Wenn er so als Daland auf der Bühne unterwegs ist, erschreckt sich Randall Jakobsh fast selber.

Denn einen Kotzbrocken von solch üblem Ausmaß, wie er ihn in der Inszenierung von Georg Schmiedleitner darstellen muss und letztendlich auch sehr überzeugend darstellt, trifft man auch in der Oper nicht alle Tage. Kein Wunder, dass er sich augenzwinkernd zu einer Erklärung in eigener Sache veranlasst sieht: „Ich bin eigentlich ein ganz lieber Kerl.“ Und ein dreifacher Vater. Neun und sieben sind die beiden älteren Kinder, zehn Monate erst das Nesthäkchen. Insofern muss sich Randall Jakobsh mitunter tatsächlich überwinden, im „Fliegenden Holländer“ einen solch ekelhaften Vater abzugeben.

Aber die Bühne darf nicht mit dem Leben verwechselt werden. Und in dem wiederum steht der Kanadier mit deutschen, ja sogar schwäbischen Wurzeln vor allem seinen Mann an der Oper in Leipzig, wo er seit einem Jahr engagiert ist, nachdem er zuvor in Hannover, Aachen und Nürnberg zum Ensemble gehörte und zwischendurch auch mal im freien Engagement viele große Partien des schweren Bass-Fachs gesungen hatte.

In Heidenheim ist Randall Jakobsh schon seit langem kein Unbekannter mehr. Und bislang war er hier immer im Puccini-Einsatz gewesen: 2010 feierte er sein Debüt bei den Opernfestspielen als Mesner und in zwei Vorstellungen auch als Scarpia in „Tosca“. 2016 war er Colline in „La Bohème“, wo er auch eine auf engstem Raum beeindruckende Einlage als Eishockey-Spieler gab.

Das hat er in Kanada gelernt, wo er als Sohn eines deutschen Pfarrers aufwuchs. Mit viel Musik, vor allem im von der Mutter geleiteten Gemeindechor. „Ich habe auch Geige gespielt. Aber mein Traumberuf war Förster.“ Doch statt im Wald, landete Randall Jakobsh auf der Opernbühne.

Zufällig, nachdem ihn bei seinem ersten Einsatz im Chor der Highschool der Dirigent beseite genommen und an die Musikhochschule in Calgary weitervermittelt hatte. „Wenn's dir nicht gefällt, kannst du immer noch Förster werden“, hatte sich Jakobsh gedacht – und wurde am Ende doch Opernsänger im richtigen Leben.

Und Förster auf der Bühne. Zwar hat der Bass in seiner nun doch auch schon einige Jahre andauernden Karriere erstaunlicherweise noch immer nicht den Kuno im „Freischütz“ gesungen. „Aber in Athen war ich der Förster im ,Schlauen Füchslein‘.“ Das ist von Leoš Janáček.

Und Heidenheim und Richard Wagner? „Wagner singen ist wirklich harte Arbeit“, sagt Randall Jakobsh.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel