Heidenheim Open-Air-Kino im Brenzpark: ein nicht ganz ungetrübter Filmgenuss

Das Interesse am Open-Air-Kino war groß, der Veranstalter zieht im Nachhinein aber ein nicht nur positives Fazit.
Das Interesse am Open-Air-Kino war groß, der Veranstalter zieht im Nachhinein aber ein nicht nur positives Fazit. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Joelle Reimer 08.08.2018
Mit knapp 5000 Kinogängern innerhalb von zehn Tagen war das Filmschauen unter freiem Himmel im Brenzpark sehr gut besucht – lediglich die Rahmenbedingungen trüben den Erfolg.

Während die einen unter der Hitze im Büro ächzen, kommt diese den anderen bei ihrer Arbeit zugute. Einer von ihnen ist Ralf-Christian Schweizer, Geschäftsführer des Heidenheimer Capitol und Kino-Centers. Doch wie passen ausgerechnet Hitze und Kino zusammen? Ganz einfach: man holt das Kino nach draußen. So hat Schweizer auch dieses Jahr wieder ein Open-Air-Kino im Brenzpark veranstaltet und zeigt sich mit knapp 5000 Besuchern mehr als zufrieden mit dem Filmschauen unter freiem Himmel. Zum Vergleich: 2017 waren es etwa 4400 Besucher, im Jahr zuvor rund 3000. Besonders auffällig dabei waren in diesem Sommer die vielfach genutzten Online-Vorverkäufe, die den Kinogängern vergünstigte Eintrittspreise bescherten.

1000 Besucher an einem Abend

Unterm Sternenhimmel, auf Liegestühlen und Sitzsäcken, dazu eine Tüte Popcorn, eine kühle Cola und ein abwechslungsreiches Filmprogramm – ein Sommerabend ließe sich durchaus schlechter verbringen. Das dachten sich vor allem die Kinogänger am letzten Abend der Open-Air-Veranstaltung, denn bei „Mamma Mia!“ kamen sage und schreibe knapp 1000 Besucher in den Brenzpark. „So viele hatten wir noch nie. Das Maximum lag bisher bei 800. Und es wären noch mehr geworden, hätten wir nicht irgendwann gestoppt“, erzählt Schweizer.

Doch irgendwann sei es einfach zu viel, schließlich soll jeder Besucher Platz finden und nicht ewig fürs Getränk anstehen müssen. „Und wenn tatsächlich mal etwas passiert, muss die Sicherheit gewährleistet sein. Da ist bei 1000 Besuchern einfach Schluss.“

Ebenfalls beliebt waren „Hotel Transsilvanien“ und „Mission: Impossible“; im Gegensatz dazu war mit nur etwa 300 Besuchern „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ der am schwächsten besuchte Film. Alles in allem aber sei die Besucherzahl höher als sonst ausgefallen. „Natürlich hat uns das Wetter geholfen. Bei einer Open-Air-Veranstaltung ist immer ein gewisses Risiko; wer rechnet schon damit, dass es zehn Tage lang schön ist?“, sagt Schweizer. Doch ganz so ungetrübt wie das Wetter fällt seine Bilanz dieses Jahr trotzdem nicht aus. „Im Prinzip ist das Open-Air eine reine Image-Veranstaltung. Da geht es eigentlich nicht primär um Einnahmen. Es ist ein tolles Event, bei dem viele Menschen für kleines Geld etwas geboten kriegen. Deshalb ärgert es mich umso mehr, dass die Rahmenbedingungen seitens der Stadt Heidenheim überhaupt nicht stimmen“, so Schweizer.

Was er damit meint? Zum einen sei die Platzmiete seiner Ansicht nach vergleichsweise hoch; in anderen Städten erhalte er monetäre Unterstützung oder Sachleistungen in Form von Werbung, „in Heidenheim zahle ich für zehn Tage einen höheren Mietbetrag als der FCH Jahresmiete fürs Stadion“, so Schweizer. Ohne Sponsoren, die diesen Betrag übernehmen, wäre das Open-Air-Kino in seiner jetzigen Form nicht finanzierbar. Schließlich, so Schweizer, verlagere man für diese zehn Tage einen kompletten Betrieb nach draußen und dies sei mit großem personellen Aufwand verbunden. Bei der Stadt Heidenheim zeigt man sich auf Nachfrage erstaunt: Bisherige Vermietungen seien problemlos verlaufen, und die Miete sei seit 2007 unverändert. Da der Brenzpark als Betrieb gewerblicher Art geführt werde, sei es steuerrechtlich nachteilig, die Fläche kostenlos zu überlassen – wie die Situation in anderen Städten sei, könne man nicht beurteilen.

Kritik an Rahmenbedingungen

„Ein Dorn im Auge waren auch die Toiletten, die an einem Tag nicht funktioniert haben“, fährt Schweizer fort. Warum das Wasser an den Toiletten abgedreht wurde, könne man nicht nachvollziehen, so die Info seitens der Stadt – am Tag zuvor habe es nachweislich noch funktioniert. Als weiteren Kritikpunkt gibt Schweizer an, dass an zwei Abenden die Ballonfahrer direkt nebenan im Park gestartet sind – „da war nichts abgesprochen. Man wird einfach nicht informiert, obwohl ein solcher Ballonstart mit der aufgestellten Leinwand nebenan natürlich auch Gefahren birgt.“ In den Vorjahren habe das besser funktioniert, da habe es stets einen Termin an einem Sonntag gegeben, der bereits im Vorfeld abgestimmt war. Auf Nachfrage teilt die Stadt Heidenheim mit, dass der Ballonsportclub eine Genehmigung für drei Dauerstartplätze im Brenzpark habe. Bisher seien die Starts immer mit der Stadt abgestimmt worden; vermutet wird, dass dies durch einen Wechsel im Vorstand untergegangen sein könnte. Die Stadt will den Verein durch ein Schreiben darauf aufmerksam machen.

Zu allem Überfluss kam dieses Jahr noch die Sachbeschädigung an der Kinoleinwand dazu – kein materieller Schaden zwar, aber zusätzliche Arbeit, da diese wieder aufgebaut werden musste. „Wir setzen verstärkt Security ein, aber ich weiß nicht, ob seitens der Stadt auch etwas getan wird“, so Schweizer. Es gebe durchaus Kontrollen in der Nacht, lässt die Stadt wissen, jedoch keine Videoüberwachung – datenschutzrechtlich sei das nicht zu rechtfertigen, da im Brenzpark kein Kriminalitätsschwerpunkt vorliege. Außerdem sei im Mietvertrag geregelt, dass jeder Mieter für die Sicherheit seines Eigentums selbst verantwortlich sei.

Dennoch führen all diese Rahmenbedingungen nun dazu, dass sich Schweizer Gedanken über den weiteren Fortgang des Open-Air-Kinos macht. „Mein Herz hängt an Heidenheim; es ist ein tolles Event, eine tolle Location.“ Gerne würde er die Open-Air-Veranstaltung sogar einen ganzen Monat lang machen, schließlich habe er das Equipment Stück für Stück aufgebaut und eine hohe Qualität erreicht. „Doch es werden einem immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen. Unter diesen Rahmenbedingungen habe ich momentan schlichtweg keine Lust mehr.“

Wie alles begann: Open-Air-Kino in Heidenheim

1997 fing alles mit den Cine-Nights an, damals noch im Rittersaal auf Schloss Hellenstein.

Im Jahr 2000 fand das Open-Air-Kino dann erstmalig im damaligen Albstadion statt. Damals mussten Filme aus technischen Gründen noch unterbrochen werden, da Filmspulen benutzt wurden und einige Filme zu lang für nur eine Spule waren.

Aufgrund zeitlicher Engpässe hinsichtlich des Trainings und Spielbetriebs des FCH und der Beanspruchung des Rasens durch die Kinogänger wurde das Open-Air-Kino 2009 an den Itzelberger See verlegt. Dort hieß es Ostalb-Open-Air-Kino und dauerte ganze 18 Nächte.

2012 wanderte das Open-Air-Kino schließlich in den Brenzpark nach Heidenheim, nachdem sich in Itzelberg die Mischung aus Kälte und Feuchte als nicht ideal für die Kinobesucher herausgestellt hatte.

Hier entwickelte sich die Veranstaltung über die Jahre hinweg immer weiter. Wo mit grünen Campingstühlen, Rollkarten und einer zwischen Gerüsten gespannten Leinwand angefangen wurde, gibt es heute einen digitalen Projektor, eine aufblasbare Leinwand, Liegestühle und Sitzsäcke.

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