Kabarett Ohne Frau Schwertfeger geht bei Hämmerle gar nichts

Hämmerle wie er leibt und lebt: Einmal mehr sorgt Bernd Kohlhepp mit seiner urschwäbischen Figur auf der Bühne des Kulturhofs in Erpfenhausen für Lachtränen beim Publikum.
Hämmerle wie er leibt und lebt: Einmal mehr sorgt Bernd Kohlhepp mit seiner urschwäbischen Figur auf der Bühne des Kulturhofs in Erpfenhausen für Lachtränen beim Publikum. © Foto: Patricia Jeanette Moser
Gerstetten / Von Patricia Jeanette Moser 21.08.2018

Sonja Banzhaf und Benny Jäger, die Veranstalter des viertägigen Erpfenhausener Kultursommers, eröffnen mit einer launig-sympathischen und zugleich informativen Begrüßung den Abend, worauf Bernd Kohlhepp die Bühne stürmt und fortan nicht mehr zu bremsen ist. Zunächst spricht er das Publikum in seiner unmittelbaren Nähe an; in geschliffenem Hochdeutsch – ja, das kann der Schwabe tatsächlich.

Familiäre Verhältnisse, Beziehungsstatus und Herkunftsort erhalten von ihm eine ganz eigene Logik. Diese spinnt er im Verlauf des Abends weiter – aus seinem ganz speziellen Blickwinkel. Das sommerlich entspannte Publikum hängt an den Lippen Kohlhepps und tritt gern mit ihm in Dialog.

Dann kündigt der Comedian Hämmerle an und verschwindet hinter der Bühne, um fortan Hämmerle den Abend zu überlassen. Kohlhepp ward nicht mehr gesehen – er wird mit giftgrünem Sakko, samt passender Krawatte, und seinem Hütchen mit Wiedererkennungswert zu Hämmerle; und agiert als solcher genau so, wie ihn das Publikum kennt. Er lässt sich Stichworte wie Diamantring, Trompete und Sauna zurufen und flicht sie ins Programm ein, formt zum Schluss des Abends sogar noch ein Gedicht daraus.

Die Besucher in der ersten Reihe bezieht er immer wieder mit ein. Die junge Tabea, angehende Goldschmiedin, wird zu seinem Goldschatz. Hämmerle flirtet ungeniert mit ihr, um dann in Windeseile einem anderen Gedankenblitz nachzugehen. Das Publikum folgt ihm aufmerksam und lacht über seinen Vorwurf: „Des hen jetzt net alle kapiert.“

Gern lässt sich das Publikum „aufs Ärmchen“ nehmen, denn nie wird Hämmerle verletzend. Feinfühlig bekommt er stets die Kurve. Tränende Augen und lautes Geschniefe in den Publikumsreihen signalisieren den Höhepunkt seiner zahlreichen Witze und Pointen.

Einblicke ins Privateste

Hämmerle gibt an diesem Abend Einblick in sein Privatestes – sein Tagebuch. „Schlau“ wie er ist, hat er „aus Sicherheitsgründen“ die Daten ohne Ereignisse notiert. Die Nachbarin und häufig zitierte „Frau Schwertfeger“ sorgt beim Publikum für großen Spaß. Häberle hat größte Hochachtung vor ihr, schließlich besitzt sie im Keller noch eine 1953-er Träublesmarmelade. Weitere Geschichten, die um ihre Person ranken, schmückt er reichlich aus.  Keiner lästert so gekonnt und scheinbar berechtigt  über andere wie Hämmerle. So etwas wie „Political Correctness“ kennt er dabei nicht.

Dann interpretiert Hämmerle auf hervorragende Weise einen Elvis-Titel und zeigt dabei authentischen Körpereinsatz – einige humoristische Abwandlungen inbegriffen. Das Unbehagen vieler Männer in der Umkleidekabine thematisiert er mit dem Titel von Louis Prima, „Just a gigolo“. In der schwäbischen Übersetzung singt er dabei schlicht vom „Gockeler“. Und das Publikum krümmt sich einmal mehr vor Lachen ob Hämmerles Interpretation und Mimik. Ähnliches gelingt ihm mit der schwäbischen Version des Volksliedes „La Bamba“. Er enthüllt darin seinen Hang zur Schlampigkeit: Den Refrain „Leit, i bin halt a Schlamper“ lässt er das Publikum lauthals mitsingen.

Jedem Argument gewachsen

Mit einem Fragespiel nimmt er nach der Pause wieder den Kontakt zum Publikum auf. Dieses macht begeistert mit. Schlau fühlt sich der eine, wenn er Hämmerle herausfordern will. Dieser zeigt sich unschlagbar und ist jedem Argument gewachsen.

Aus „Sex bomb“ von Tom Jones macht er „Drex Glomb“ und rockt die Bühne am späten Abend. Mit einem „Moonwalk“, der Michael Jackson zur Ehre gereicht hätte, verabschiedet er sich nach mehr als zwei, für ihn schweißtreibenden, fürs Publikum kurzweiligen Stunden.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel