Heidenheim Ohne Auto zur Arbeit – wie ist das mit dem Bus?

Heidenheim / Thomas Jentscher 12.07.2018
Bus statt Auto, um den täglichen Weg ins Büro und zurück zu bestreiten? Ein Erfahrungsbericht.

Mit dem Bus zur Arbeit statt mit dem Auto – ein Experiment im Rahmen unserer Verkehrsserie, das aber keineswegs neu in meiner Gedankenwelt ist. Schon oft habe ich mich mit der Möglichkeit beschäftigt, konsequent öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, nun wurde aus einem Vorsatz eine Tat – zumindest für eine Woche. Diese brachte einiges an Aufschluss über die Möglichkeiten des hiesigen Busverkehrs, aber auch über das eigene Verhalten.

Die Strecke führte mich täglich von Steinheim nach Heidenheim und zurück. Klingt unproblematisch, von Ortsmitte zu Ortsmitte sind es ja nur knapp zehn Kilometer – oder drei Waben im Netz der Heidenheimer Verkehrsgesellschaft (HVG). Aber beim Blick auf die Abfahrtszeiten ergab sich das erste kleine Problem.

Die Flexibilität: Sportredakteure sind eher Nachtmenschen, deren Arbeitstage bis 18, 19 Uhr dauern, bei Abendveranstaltungen auch mal bis 22, 23 Uhr oder länger. Da fängt man nicht so früh an, irgendwann zwischen neun und zehn. Dem eigenen Auto ist das egal. Die Linie 30 der HVG sagt mir freilich: Entweder du steigst „am Brünnele“ in Steinheim um 8.23 Uhr ein oder erst wieder um 9.58 Uhr.

Das eine ist zu früh, das andere zu spät. Nun, fairerweise muss man sagen, dass in den früheren Stunden, in denen sich Schüler und „normale“ Arbeitnehmer Richtung Heidenheim begeben, jede halbe Stunde eines der großen, meist blau-weißen Gefährte kommt.

Die Arbeitszeiten eines Redakteurs haben ihren Nachteil. Feierabend ist nie zu einer bestimmten Zeit, sondern wenn die Arbeit getan ist. Ob's dann auf den 18.18-Uhr-Bus reicht ist fraglich, der nächste fährt aber erst um 19.12, dann um 20.12 Uhr. Da wird's ärgerlich, ein Minuspunkt für den Nahverkehr. Aber gut: Letztlich ist es eine Frage von Planung und Disziplin.

Nun hat so eine Woche mehr parat als nur die Arbeit. Einmal lockt das Waldbad, das ist kein Problem, einmal aber das Hobby auf dem Schlossberg. Wie hoch kommen und vor allem: wie spät abends nach Hause? Hier wird die Flexibilität des Autos schmerzlich vermisst. Aber ist man nicht zu bequem? Der Fußweg ist schön, machbar und gesund. Und eine Mitfahrgelegenheit in der Nacht lässt sich fast immer organisieren. Problematisch sind Einkäufe. Mit dem Auto noch kurz am Supermarkt halten, geht so nicht mehr.

Der Zeitvergleich: Beim 8.23er bin ich um 8.42 Uhr an der zentralen Omnibus-Haltestelle (ZOH) und nur zwei Minuten später an meinem Arbeitsplatz. Das bedeutet einschließlich des Weges zur Bushaltestelle einen Aufwand von rund 24 Minuten. Mit dem Auto benötige ich inklusive des Wegs vom Park- zum Pressehaus circa 17 Minuten – kein großer Unterschied.

Der Stressfaktor: Der Bus ist nicht überfüllt, die Fahrt vergeht schnell. Auf der anderen Seite hält sich bei Steinheim-Heidenheim auch im Auto der Stress in Grenzen. Auf dem Weg über Zanger Kreisel sind die Straßen gut ausgebaut und führen an wenig Ampeln vorbei. An einen Stau kann ich mich in all den Jahren nicht erinnern.

Trotzdem: Ganz abschalten zu können, nicht auf Blitzer oder verirrte Rehe achten und nicht mit 30 km/h hinter einem Schwerlaster die Steige hinauf fahren zu müssen – das hat schon was. Ein Pluspunkt für das HVG-Gefährt, dessen Sitze allerdings so dermaßen hart sind, dass man auch nicht viel länger als 20 Minuten auf ihnen sitzen möchte.

Die Kosten: Stolze 3 Euro kostet eine Einzelfahrt von Steinheim nach Heidenheim, die Tageskarte 5,10 Euro. Da punktet auf den ersten Blick das Auto mit rund 2 Euro Spritkosten für Hin- und Rückfahrt.

Setzt man aber realistische Kosten pro Kilometer an (die Faustregel liegt bei 30 Cent, je nach Fahrzeugmodell kann aber auch deutlich mehr zusammen kommen) und nimmt noch das Parkhaus hinzu, schneidet der öffentliche Nahverkehr deutlich besser ab. Zumal es mit einer Monatskarte (64 oder bei zwölf Monaten 53,30 Euro) deutlich günstiger wird. Übers Jahr würde sich eine Ersparnis von fast 1000 Euro ergeben – die Gefahr von Unfällen und Strafen für Verstöße gegen das Verkehrsrecht noch nicht einmal mitgerechnet.

Was fällt sonst auf? Die Busse kommen pünktlich, die Busfahrer sind zumeist höflich, die Fahrzeuge sauber, die Mitfahrer ruhig. Ein bisschen anders ist das, wenn man in der Mittagspause heim will und sich zwischen zahlreichen Schülern wieder findet.

Um 12.05 Uhr fahren übrigens zwei Busse der Linie 30 unmittelbar nacheinander. Einer heißt „Steinheim direkt“ und hält nach der Haltestelle Hail erst wieder in Steinheim, was von vielen Passagieren so allerdings nicht wahr genommen wird und immer wieder für Ärger sorgt.

Das Fazit nach einer Woche: Der Bus erfordert Pünktlichkeit und ein gewisses Maß an Disziplin, stellt aber absolut eine Alternative dar. Schließlich wurde eines noch gar nicht berücksichtigt: Die eigene Öko-Bilanz. Sollte die den letzten Antrieb geben, um aus der einen Woche eine Lösung fürs ganze Jahr zu machen? Die Möglichkeit besteht . . .

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