Türkeipolitik OB Ilg und Voith-Chef Lienhard: Warnung vor Deutschland „völlig unbegründet“

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Heidenheim / HZ 12.09.2017
Nach der Warnung vor Deutschlandreisen tun sich Stadt und Voith zusammen.

Selten kommt es vor, dass die Stadt Heidenheim und die Firma Voith eine gemeinsame Erklärung abgeben.

Nach der Warnungen der türkischen Regierung vor Reisen nach Deutschland und der expliziten Warnung vor rechtsradikaler Wahlkampfrhetorik und antitürkischen Ressentiments wenden sich Oberbürgermeister Bernhard Ilg und Voith-Chef Hubert Lienhard gemeinsam an die Öffentlichkeit.

Beide halten die Warnung für „völlig unbegründet“ und appellieren, den Zusammenhalt in der Gesellschaft nicht durch haltlose Unterstellungen zu belasten, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme.

„Jeder kann sich in Deutschland frei bewegen. Es gibt überhaupt keinen Grund, weshalb sich vor allem türkische Staatsangehörige von öffentlichen Versammlungen fern halten sollten.“

Mit diesen deutlichen Worten reagieren sowohl der Heidenheimer Oberbürgermeister Bernhard Ilg als auch der Vorsitzende der Konzerngeschäftsführung der Voith GmbH und Co KGaA Dr. Hubert Lienhard auf die Reisewarnung des türkischen Außenministeriums.

Oberbürgermeister Ilg ergänzt zudem: „Jeder Bürger, ganz gleich welcher Herkunft, ist selbstverständlich willkommen, hier in Heidenheim Wahlkampfveranstaltungen zu besuchen und mit den politischen Repräsentanten und Kandidaten zu diskutieren – davon lebt die Demokratie.“ Übereinstimmend stellen Ilg und Lienhard fest, dass der Wahlkampf in Deutschland und in Heidenheim äußerst zivil abläuft, heißt es in der Mitteilung weiter.

Lienhard und Ilg wenden sich in einer zweifachen Sorge an die Öffentlichkeit. Sie setzten sich einerseits dafür ein, dass die Zusammenarbeit unter Kollegen unterschiedlicher Nationalitäten sowie der gesellschaftliche Zusammenhalt in der Schule, in den Vereinen und in der Nachbarschaft nicht durch haltlose Unterstellungen belastet würden. Andererseits sei die Wirtschaft in der Türkei und in Deutschland auf einen funktionierenden Handels- und Reiseverkehr angewiesen.

Am Standort Heidenheim arbeiten bei Voith nach eigenen Angaben mehr als 30 türkische Staatsbürger. Insgesamt beschäftigt Voith in Deutschland mehr als 100 türkische Mitarbeiter. In der türkischen Hauptstadt Ankara betreibt Voith seit Jahren eine eigene Niederlassung, von der aus unter anderem türkische Kunden im Energiesektor und Nutzfahrzeugbereich bedient werden.

Voith sei seit Generationen ein international ausgerichtetes Unternehmen, so Lienhard. Die Kunden kämen aus allen Regionen der Welt, Menschen aus 150 verschiedenen Nationen arbeiteten bei Voith erfolgreich zusammen. „Gerade die Vielfältigkeit und die große Anzahl von Kulturen machen Voith aus. Deshalb wollen wir, dass alle Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter – egal woher sie kommen – wissen, dass wir sie wertschätzen. Sie sollen sich bei uns wohlfühlen“, so Lienhard in der Stellungnahme. „Das gilt eben auch für die seit vielen Jahren bei Voith in Deutschland arbeitenden türkischen Mitarbeiter. Fremdenfeindlichkeit, gegenseitige Ressentiments und Rassismus lehnen wir ab und haben hier keinen Platz.“