Rückblick November 1957: Als Zementlaster die B19 bei Heidenheim blockieren

November 1957: Per Hand werden im Heidenheimer Bahnhof die Weichen gestellt (links). Einige Kilometer weiter südlich, bei Hermaringen, springen derweil zwei Güterwagen aus den Schienen. Unterdessen stauen sich vor dem Mergelstetter Schwenk-Werk die Laster (rechts). Grund: Eine angekündigte Preiserhöhung führt zu einem gewaltigen Nachfrageschub.
November 1957: Per Hand werden im Heidenheimer Bahnhof die Weichen gestellt (links). Einige Kilometer weiter südlich, bei Hermaringen, springen derweil zwei Güterwagen aus den Schienen. Unterdessen stauen sich vor dem Mergelstetter Schwenk-Werk die Laster (rechts). Grund: Eine angekündigte Preiserhöhung führt zu einem gewaltigen Nachfrageschub. © Foto: Fotos: Archiv
Heidenheim / Michael Brendel 27.11.2017
Was ist 1957 los im Kreis Heidenheim? Laut HZ-Archiv fliegt eine Hündin durchs Weltall, hängt ein US-Kampfpilot am Fallschirm und steigen die Preise für Zement.

60 Mal binnen einer halben Minute schlägt Laikas Herz. Im Dienste der sowjetischen Raumfahrt umkreist die sibirische Hündin im November 1957 an Bord von „Sputnik II“ die Erde und soll den Wissenschaftlern Erkenntnisse liefern, die für die erste Reise eines Menschen ins Weltall von großer Bedeutung sind. Und die Nachrichten sind positiv: Zwei Tage nach dem Start meldet die Nachrichtenagentur Tass, Laika zeige „keinerlei Anzeichen anormalen Verhaltens“.

Nicht nur in der Kontrollstation am Boden herrscht die Hoffnung, dass das auch so bleibt, schließlich soll sich die Mission nicht als Reise ohne Wiederkehr für ein Versuchskaninchen namens Laika entpuppen. Aber die Rechnung geht nicht auf: Nach sechs Tagen verlautbart es aus Moskau, der Hund sei tot.

Mopedfahrer wird verletzt

Mehr Glück hat ein Schäferhund, der einen Unfall zwischen Oggenhauser Keller und Giengen unbeschadet übersteht. Der Mopedfahrer, der seinetwegen zu Sturz kommt, erleidet hingegen nicht unerhebliche Verletzungen.

Gefahren dieser Art dürften den Bus-Passagieren nicht drohen, die bald zwischen Königsbronn und Heidenheim unterwegs sein werden. Die Heidenheimer Firma Wahl erhält die Konzession für die neue Linie und soll den Betrieb schnellstmöglich aufnehmen.

Keine Zeit zu verschenken – so lautet auch in Mergelstetten die Devise. 200 Lastzüge, einige aus München und Berlin, steuern am Nachmittag des 6. November das Schwenk-Werksgelände an. Grund ist die Ankündigung, um Mitternacht die Preise je Tonne Zement um sechs Mark zu erhöhen. Zeitweise blockieren die Lkw die gesamte B 19, sodass die Landespolizei an mehreren Stellen Posten aufstellt. Weil abzusehen ist, dass der Andrang noch etliche Stunden anhalten wird, verteilen die Geschäftsführer Gutscheine an die Wartenden, mit denen sie auch am Folgetag Zement zum alten Preis abholen können.

Während an der einen Stelle gebaut wird, droht anderswo der Abriss: Der baden-württembergische Finanzminister Karl Ludwig Frank teilt Heidenheims Oberbürgermeister Elmar Doch mit, der schadhafte Turm im Rittersaal auf Schloss Hellenstein solle abgetragen werden. In der Öffentlichkeit regt sich daraufhin Widerstand. Eine so große Stadt wie Heidenheim – das Innenministerium genehmigt dieser Tage den Namenszusatz „an der Brenz“ – müsse doch jenen Differenzbetrag aufbringen können, der zwischen der mit 21 000 Mark veranschlagten Sanierung und dem auf 5000 Mark taxierten Abriss liege.

HZ-Belegschaft spendet

Die Sonntagsschicht der Heidenheimer Zeitung geht daraufhin mit gutem Beispiel voran: Bei einer spontanen Sammlung kommen 27 Mark zusammen. Mitarbeiter anderer Firmen tun es der HZ-Belegschaft gleich, und so wächst die Spendensumme nach und nach.

Die Geschichte des Turms reicht zurück bis 1890. Damals entsteht das Bauwerk durch die Erhöhung eines alten Treppenhausturms. 1929 wird der baufällige oberste Teil abgebrochen. Nach dem Winter 1955/56 stellt das Bauamt Risse im Mauerwerk und Schäden an dem dieses umgebenden Betonmantel fest.

Um gegen ähnliche böse Überraschungen gefeit zu sein, unterzieht die Bundesbahn ihr Schienennetz im Landkreis einer Untersuchung mittels eines Ultraschallgeräts. Auch diese Vorsichtsmaßnahme vermag nicht zu verhindern, dass bei Rangierarbeiten im Hermaringer Bahnhof zwei Güterwagen aus den Schienen springen.

Glücklicherweise rollt der Zugverkehr nach wenigen Stunden wieder ungestört, während über dem östlichen Atlantik alles andere als routinemäßiger Alltag herrscht: Nachdem es SOS-Signale abgesetzt hat, verschwindet ein US-amerikanisches Verkehrsflugzeug auf dem Weg von San Francisco nach Honolulu vom Radar. Mit ihm fehlt von den 44 Personen an Bord jede Spur.

Klarheit herrscht hingegen schnell, dass der Pilot mit kleinen Blessuren davonkommt, als beim Buchhof ein in Erding stationierter Düsenjäger der US-Luftwaffe abstürzt. Die Maschine vom Typ Sabre F 86 D zerschellt zwar am 28. November gegen 17.40 Uhr auf freiem Feld, dem Ersten Leutnant James Vorhees gelingt es aber, sich mit dem Schleudersitz zu retten. Er landet mit dem Fallschirm unweit Heldenfingens.