Heidenheim Note drei fürs Geschäftsjahr bei der Volksbank

Sie geben ihrer Bilanz 2017 selbst die Note befriedigend: die Volksbank-Vorstände Ulrich Hasenmaier, Elke Müller-Jordan und Oliver Conradi.
Sie geben ihrer Bilanz 2017 selbst die Note befriedigend: die Volksbank-Vorstände Ulrich Hasenmaier, Elke Müller-Jordan und Oliver Conradi. © Foto: voba
Heidenheim / Günter Trittner 15.05.2018
Die Niedringszinsphase schmälert den Gewinn der Bank, zunehmende Regulierung lässt die Kosten steigen. Die Genossen erhalten für ihre Einlage eine Dividende von 1,88 Prozent.

Dem Geschäftsjahr 2017 „seiner“ Heidenheimer Volksbank gibt Oliver Conradi die Note „befriedigend“ Deutlich weniger befriedigend sind für den Sprecher des Vorstands indes die Rahmenbedingungen des Bankgeschäftes, wie er gestern bei der Bilanzpressekonferenz zum Ausdruck brachte. Die weiter zunehmende Regulatorik? „Die erschlägt uns“. Die anhaltende Niedrigzinsphase? „Die kostet uns monatlich einen nennenswerten fünfstelligen Betrag.“

Die Bank bezahlt aber nicht nur Negativzins für geparktes Geld, es schmilzt auch ihr Zinsüberschuss dahin, ihre wichtigste Ertragsquelle. Um 2,2 Millionen Euro allein im letzten Jahr. Verdient waren mit den Kundeneinlagen immerhin noch 21,1 Millionen Euro.

Sparer verlieren durch Inflation

In seinem Verdruss über die Niedrigzinsphase weiß sich Conradi einig mit den Sparern, die für ihre Einlagen auch nichts mehr erhalten. 40 Milliarden Euro hätten die deutschen Sparer allein 2017 durch die Inflation verloren. Verblüffend für Conradi bleibt, dass dennoch in Deutschland als einzigem Land die Sparrate weiter ansteige.

Und nochmals ein Wort von Conradi zur Regulierung. 100000 Euro gebe die Volksbank Jahr für Jahr aus, um wie vorgeschrieben an ihre Kunden das Informationsblatt zur Einlagensicherung zu schicken. „Auch wenn sich gar nichts geändert hat.“ Genauso wenig sinnfrei ist für Conradi die Verpflichtung der Banken neue Kennzahlen auszuweisen. „Keine einzige hat irgendeine Relevanz für unser Haus.“

Relevanz soll freilich der Kunde haben. Der hat bei der Volksbank dank weiterer Digitalisierung „immer und überall“ Zugriff auf sein Konto. Nicht vergessen sind dabei die Kunden, die nicht online unterwegs sind. Der etliche Tonnen schwere Zasterlaster, der angeschafft wurde, um die Schließung von sieben Filialen zu kompensieren, wird mehr und mehr von den Kunden geschätzt. 530 Barposten fallen pro Monat an. Und rund drei Viertel der Nutzer sind über 65 Jahre alt.

Das Kundengeschäft hat die Volksbank 2017 mit einer „nahezu konstanten“ Bilanzsumme von 1,115 Milliarden Euro abgeschlossen. Paradoxerweise fast schon erfreulich wirkt auf Conradi der Rückgang der Kundeneinlagen auf 916 Millionen. Zahlt doch die Bank damit weniger Negativzinsen, wenn sie wieder Geld an die Bundesbank weiterreichen muss.

Ebenfalls rückläufig ist das Kreditvolumen, das auf 701 Millionen gefallen ist. Grund ist laut Conradi nicht aber nicht ein fehlendes Neugeschäft, sondern das hohe Maß an Regel- und Sondertilgungen: 24 Millionen Euro mehr als 2016.

Die Niedrigzinslage motiviert die Sparer aber auch zu anderen Anlageformen. Gefragt sind Aktien und Wertpapiere. Die hier von der Volksbank betreuten Anlagen der Kunden sind von 908 auf 989 Millionen Euro gestiegen. Die Volksbank als Dienstleister hat dabei auch mit verdient. Die Provisionen stiegen um 700 000 Euro auf 10,9 Millionen Euro.

Kundenvermögen ist gestiegen

Das gesamte von der Volksbank betreute Kundenvermögen liegt mit 2,8 Milliarden Euro um 1,6 Prozent über dem Vorjahr.

Zu den Verdienern gehört auch das Genossenschaftsmitglied. Der von 2,29 Millionen auf 2,14 Millionen gefallene Bilanzgewinn wird zu einem Anteil von rund 145000 Euro an die Genossenschaftsmitglieder ausgeschüttet. Inklusive eines Bonus von 385000 Euro ergibt das eine Gesamtrendite von 1,88 Prozent. Zum positiven Geschäftsergebnis hat auch beigetragen, dass die Verwaltungskosten um 200000 Euro auf 22,2 Millionen Euro gesenkt werden konnten. Die „höchste Dividende“ der Bank geht freilich auch dieses Jahr wieder in die öffentliche Hand. Die Heidenheimer Volksbank bezahlt für 2017 4,1 Millionen Euro an Steuern.

Bargeld wie es leibt und lebt

Das Bargeld ist tot. Oliver Conradi kann über diesen Satz nur schmunzeln. Allenfalls ist Bargeld tote Materie und die sorgt bei der Volksbank für ein lebhaftes Geschäft. Die Bank sortiert nämlich die vielen eingezahlten Münzen und formt daraus Münzrollen.

Geformt wird pro Jahr die schier unglaubliche Menge von 300 000 Rollen, welche ein Gewicht von 150 Tonnen auf die Waage bringen würden.

Bewegt hat die Heidenheimer Volksbank allein im vergangenen Jahr Bargeld in einem Gesamtvolumen von immerhin 437 Millionen Euro, was einem arbeitstäglichen Umschlag von zwei Millionen Euro entspricht.

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